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Wo in Zug günstige Wohnungen entstehen sollen
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Riesenbrache, auf der günstige Wohnungen entstehen könnten: das Steinlager im Zuger Göbli-Quartier. (Bild: google maps/streetview)

Stadt will Land im Baurecht abgeben Wo in Zug günstige Wohnungen entstehen sollen

4 min Lesezeit 22.05.2018, 16:37 Uhr

Der Zuger Stadtrat hat im Göbli und beim Brüggli innerstädtische Brachen gefunden, auf denen günstiger Wohnraum entstehen soll. Bis die ersten Mieter einziehen, wird allerdings viel Zeit verstreichen. Deswegen hat sich die Stadtregierung einen Trick ausgedacht.

Bereits zweimal hat das Zuger Stimmvolk in der Vergangenheit die Stadtregierung zur Realisierung von preisgünstigem Wohnraum verknurrt. Nach der 2014 angenommenen Volksinitiative «Wohnen in Zug für alle» muss der Stadtrat nun auch systematisch, günstige Wohnungen schaffen und erhalten. Er soll damit insbesondere den genossenschaftlichen Wohnraum fördern.

Dies wurde bislang versucht, indem die Stadt eigene Zonen für preisgünstigen Wohnraum ausgeschieden hat und eine höhere Ausnutzung bei der Überbauung von Grundstücken zulässt, wenn günstige Wohnungen entstehen.

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Stadt will nicht selber Wohnungen bauen

In einem am Dienstag veröffentlichten Aktionsplan stellt die Stadtregierung nun ihre Strategie vor, wie sie den Geist der Volksinitiative weiter am Leben erhalten will. Selber preisgünstige Wohnungen erstellen, wie dies in der Vergangenheit im kleinen Rahmen passiert ist, will das bürgerliche Gremium zwar nicht.

Aber eigenes Land an Wohnbaugenossenschaften im Baurecht vergeben, das möchte sie schon. Wobei sie eben nicht viel Land besitze, wie sie mehrfach betont. Der Handlungsspielraum sei begrenzt.

Hochhäuser zwischen Baarer- und Industriestrasse

Bei der konkreten Auflistung jener Grundstücke, die für eine Vergabe an gemeinnützige Bauträger in Frage kommen, hat der Stadtrat dennoch einige Brachen gefunden, auf denen man rasch günstige Wohnungen erstellen könnte. Die grösste Fläche findet sich im Göbli-Quartier auf dem sogenannten Steinlager. Es ist städtisches Ödland, das heute als Depot und Parkplatz dient.

In der Nachbarschaft besitzt die Stadt auch noch das Areal des Jugendzentrums i45 und ein Stück Land an der Baarerstrasse, das sie bereits an eine Wohnbaugenossenschaft vergeben hat. Für diese Umgebung existiert auch schon ein Masterplan, der eine starke bauliche Verdichtung vorsieht. Die Gegend liegt in der Hochhauszone I und III – und gleich neben dem Technologiecluster, wie die Firma V-Zug ihren geplanten futuristischen Stadtteil nennt.

Behörden haben es nicht pressant

Wer nun aber darauf hofft, auf dem Steinlager bald eine preisgünstige Wohnung zu beziehen, sieht sich enttäuscht. Der Stadrat hat sich noch nicht einmal Gedanken gemacht, in welchem Zeitraum das Areal überbaut werden soll. Die definitive Nutzung der Grundstücke solle «in den kommenden Jahren konkretisiert werden», heisst es im Aktionsplan.  «Mittelfristig» wolle man einen Bebauungsplan zimmern.

Unweit des Brügglis könnten preisgünstige Wohnungen mit Seeblick entstehen.

Unweit des Brügglis könnten preisgünstige Wohnungen mit Seeblick entstehen.

(Bild: google maps)

Bei der zweiten baureifen Brache geht es immerhin nur noch zwei Jahre, bis die Stadt einen Wettbewerb für ihre Nutzung ausschreiben will: Es ist der Behelfsparkplatz an der Chamerstrasse. Die grüne Wiese bei der Unterführung zum Campingplatz und zum Seepark beim Brüggli wird derzeit immer dann genützt, wenn alle Parkfelder beim Brüggli besetzt sind.

Günstig wohnen an der Stadtmauer

Die Stadt hat diese Fläche zusammen mit dem benachbarten Gewerbegebäude erworben und könnte sich hier in Zukunft eine gemischte Nutzung vorstellen, die auch preisgünstige Wohnungen vorsieht.

Zwei kleinere Liegenschaften könnten schneller genutzt werden. Zwei Gebäude an der Stadtmauer beim Knopfliturm will der Stadtrat noch in diesem Sommer gemeinnützigen Bauträgern anbieten, bevor er sie öffentlich ausschreibt. Beide müssen saniert werden.

Schonfrist für die Feuerwehr

Ebenfalls preisgünstige Wohnungen könnten an der Hofstrasse unterhalb des Huwilerturms entstehen: Die Stadt Zug besitzt dort zwei Grundstücke, die sie an Wohnbaugenossenschaften abgeben möchte. Eine Nutzung als Kindertagesstätte, so wie bisher, sei nicht ausgeschlossen, schreibt der Stadtrat. Ein Wettbewerb soll 2019 einen Erkenntnisgewinn bringen – eine neue Nutzung innerhalb von drei bis fünf Jahren absehbar werden.

Zwei Grundstücke rechts des Huwilerturms: Die Stadt Zug möchte sie an gemeinnützige Bauträger abgeben.

Zwei Grundstücke rechts des Huwilerturms: Die Stadt Zug möchte sie an gemeinnützige Bauträger abgeben.

(Bild: google maps/streetview)

Noch Zukunftsmusik ist eine neue Überbauung des städtischen Werkhof- und Feuerwehrareals im Göbli-Quartier. Grundsätzlich möchte die Stadt die Fläche noch besser nützen und kann sich dort auch die Realisierung von günstigem Wohnraum vorstellen.

Aber das Ganze ist eine langfristige Angelegenheit, die wohl auch nicht zuoberst auf der Prioritätenliste steht. Allein die Verlegung der städtischen Betriebe werde 10 bis 15 Jahre dauern, glaubt der Stadtrat. Er will daher diese Fläche frühestens in zehn Jahren nochmals unter die Lupe nehmen.

Dieser Trick soll helfen

Weil die eigenen Landreserven begrenzt sind und der Bau von günstigen Wohnungen auf städtischem Land noch Jahre dauern wird, setzen die Stadträte ihre Hoffnung in ein anderes Instrument: Sie möchten die Wohnbaugenossenschaften beim Landerwerb finanziell unterstützen.

Preisgünstige Wohnungen, die vom Kanton gefördert werden, dürfen nicht auf hochpreisigem Land entstehen. Das ist in Zug ein Problem, da es kaum erschwingliches Bauland gibt. Deshalb will die Stadt das Land mit Beiträgen auf den Baurechtszins so weit verbilligen, damit es als erschwinglich im Sinne des Wohnraumförderungsgesetzes gilt und der Kanton die Mieten ermässigen darf.

Wohnbaugenossenschaften gefordert

Für diesen Trick ist auch schon ein bisschen Geld vorhanden. Vor fünf Jahren hat die Stadt Zug dafür schon 6,6 Millionen Franken zurückgestellt. Was fehlt, ist ein Reglement für die Ausschüttung und Verrechnung der Beiträge. Es soll nächstes Jahr im Zuger Stadtparlament behandelt werden.

Dann liegt der Ball bei den Wohnbaugenossenschaften, findet der Zuger Stadtrat. Von ihnen erwartet er künftig einen Informationsaustausch und ein Netzwerk, das «professionalisiert» wird. Den eigenen Aufwand für die Suche nach günstigem Bauland will die Stadt Zug «massiv reduziert» sehen.

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