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Wo in Zug die 42-Grad-Marke geknackt wird
  • Regionales Leben
37 Grad, während man auf den Bus wartet. Proscht Nägeli. (Bild: wia )

Der Hitze-Selbstversuch mit dem Thermometer Wo in Zug die 42-Grad-Marke geknackt wird

4 min Lesezeit 2 Kommentare 26.06.2019, 10:40 Uhr

In Zukunft dürfte es auch in Zug mehr Hitzetage geben. Die Stadt hat angekündigt, verschiedene Massnahmen dagegen zu ergreifen. Noch bevor das passiert, haben wir uns mit dem Thermometer durch die Stadt gemacht. Und gemerkt, dass unsere Wetter-Apps allesamt lügen.

Ist ja gar nicht so schlimm, wollen uns die handyeigenen Wetter-Apps weismachen. Nur gerade 31 Grad warm soll es in Zug sein, sagt Apple, maximal 33 Grad, sagt die Landi.

Doch Himmelherrgott, warum fühlt sich dann jede Bewegung nach zu viel an, warum hat man das Gefühl, dauernd zu verdursten? Schlichtweg, weil sich die Realität etwas anders gestaltet. Das jedenfalls zeigt ein Test mit dem guten alten Quecksilber-Thermometer. Unser Plan. Fünf Minuten ausharren, um Gewissheit über die wirkliche Temperatur zu erlangen.

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Es ist zu heiss für die Badi. Oder?

Ob es wohl zu heiss ist für die Badi, denken wir naiv. Wir sind wohl einfach Mimosen. Die Badi Seeliken ist halbvoll. Insbesondere, da es sich um einen Dienstagnachmittag handelt. Das halb nackte Volk gammelt in der brütenden Hitze rum, im Wasser sieht man kaum jemanden. Es scheint sich um eine geübte Meute zu handeln, sind doch die meisten Sonnenbader schon ziemlich angebräunt.

Nach zwei Minuten auf dem Rasen unsere Erkenntnis: Es ist verdammt heiss. Unangenehm. Vielleicht auch ein wenig fahrlässig. Das Thermometer gibt uns recht. 35 Grad zeigt es an.

Sogar zum Sonnenbaden ist's eigentlich zu warm.

Sogar zum Sonnenbaden ist’s eigentlich zu warm.

(Bild: wia)

Nur die Inder finden es lustig

Und weg. An die Seepromenade. Der Ort, an dem am ersten sonnigen Frühlingssonntag jeweils gewaltige Massen von Zugern zu finden sind. An diesem Tag ist die Promenade quasi leer. Eine indische Familie kommt angeschlendert, die scheinen überhaupt nichts von der Wärme zu merken. Anders als die kaukasisch anmutenden Herren hinter ihnen. Sie sind verschwitzt und sehen arg mitgenommen aus.

Das ist verständlich: Es ist hier noch eine Spur unangenehmer als im Seeliken. Kaum ein Lüftchen geht, die Bänke sind vor Hitze unbenutzbar. Das Thermometer, das wir darbend in der Hand halten, verrät: Fast 37,5 Grad. Wir geben Forfait.

Am neuen Betonplatz geht ein laues Lüftchen

Nächste Station: Postplatz. Vor diesem fürchten wir uns etwas. Der neugestaltete, obere Postplatz kommt karg daher, da helfen auch die paar Bänke und die Topfbäume nichts, die sich als grössere Sträucher entpuppen und nur mittelprächtigen Schatten spenden. Umgeben von Gebäuden und Beton vermuten wir eine enorme Hitzereflektion.

Die neuen Topfbäume am Postplatz bieten noch wenig Schatten.

Die neuen Topfbäume am Postplatz bieten noch wenig Schatten.

(Bild: wia)

Deshalb sind wir erstaunt, dass der Aufenthalt auf dem Platz etwas weniger schlimm ausfällt als angenommen. Es geht ein laues Lüftchen. Das Thermometer sagt nach ein paar Minuten: Ungefähr 37,3 Grad. Eine hundertjährige Linde wäre gerade schön.

Wer shoppen will, muss leiden

Wer auch bei der gegebenen Wärme shoppen gehen will, der muss Temperaturen von 35 Grad aushalten. So viel weist der Temperaturmesser an einer sonnigen Stelle der Bahnhofstrasse auf. Auch hier ist die Luft nicht ganz so unangenehm, weil ein leichter Wind geht. Was jedoch überrascht: Der Aufenthalt in der schattigen Galerie ist nicht viel kühler. Auch dort herrschen Temperaturen von 33 Grad. Sommershoppen ist nichts für Weicheier.

Wackere 35 Grad herrschen auf der Zuger Einkaufsmeile.

(Bild: wia)

Noch immer gibt es sie in Zug, die Bushaltestellen ohne Häuschen. So etwa beim Guthirt an der Baarerstrasse. Der Baum an der östlichen Haltestelle bietet kaum Schatten. Die Temperatur schwankt zwischen 33 und 36 Grad, je nachdem, wie viel Sonne der etwas karg beblätterte Baum gerade durchlässt.

Zugegeben. Hier jammert man auf hohem Niveau. Wartende können sich, bis der Bus kommt, in den Schatten des nächstgelegenen Gebäudes stellen, im schlimmsten Fall auch auf die andere Strassenseite.

Die Bushaltestelle Guthirt ist ziemlich exponiert ohne Häuschen.

Die Bushaltestelle Guthirt ist ziemlich exponiert ohne Häuschen.

(Bild: wia)

Ähnlich verhält es sich an der Gubelstrasse in Zug. Zwischen Park Tower und Strasse ist ein längerer Aufenthalt alles andere als lustig.  Blick aufs Thermometer: 37 Grad heiss wird es hier. Wenige Meter entfernt sind Bauarbeiter daran, die Strasse aufzubrechen. Es gibt bessere Arbeitsplätze.

Der Zuger Ort, den man am besten meidet

Die ultimative Hitze jedoch lauert andernorts in Zug. Der Bahnhofplatz mag zwar hübsch aussehen, doch ist die Luft hier auch kaum in Bewegung. Entsprechend wenig Interesse haben Passanten, an diesem Ort zur Ruhe zu kommen. Wer diesen Platz aufsucht, tut das nur, weil er muss. Blick aufs Thermometer. 38 Grad. Passanten kommen und gehen. Beim nächsten Blick auf den Temperaturmesser, nur wenige Sekunden später, steht dieser bereits bei 40 Grad Celsius. Und er klettert weiter hoch, bis er bei der 42-Grad-Marke zu stehen kommt. Zeit für Schatten.

Sage und schreibe 42 Grad warm wird es an diesem Ort.

Sage und schreibe 42 Grad warm wird es an diesem Ort.

(Bild: wia)

Es ist zu erwarten, dass es in Zug künftig häufiger so richtig heiss wird. Um Abhilfe zu schaffen, wollen Stadt und Kanton ein paar Massnahmen ergreifen (zentralplus berichtete). Die ersten Massnahmen – Pflanzentöpfe am Postplatz – sind bereits umgesetzt. Es ist zu hoffen, dass weitere Anpassungen etwas effektiver sind.

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2 Kommentare
  1. Silvio Zimmermann, 26.06.2019, 14:43 Uhr

    Wenn die Stadt Zug weiterhin so “wahnsinnig attraktive” Plätze wie den autofreien Postplatz hinstellt, zeigt sie, wie viel Weitsicht, Naturnähe und Intelligentes Bauen sie für “richtig” hält. Gschämig.

  2. Lukas Zurmühle, 26.06.2019, 14:30 Uhr

    Temperatur an der Sonne messen und mit den Temperaturen in der Wetter-App vergleichen?
    Jeder Oberstufenschüler weiss, dass sich Temperaturangaben in der Wettervorhersage immer auf Werte im Schatten beziehen. An der Sonne kann ich jede Wunschtemperatur erreichen wenn ich das Thermometer lange genug in der Sonne halte.
    Sorry, aber habt ihr schon Sommerloch?