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Wo gäbe es Potential für ein Luxushotel in Zug?
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Das Parkhotel Zug an der Industriestrasse: Es ist momentan neben dem City Garden eines der wenigen Hotels in Zug, das kein Familienbetrieb ist – es gehört zur Metall Zug-Gruppe. (Bild: wia)

Zuger weisen Kritik vom Bürgenstock zurück Wo gäbe es Potential für ein Luxushotel in Zug?

6 min Lesezeit 19.09.2017, 16:05 Uhr

Es gebe kein einziges 5-Sterne-Hotel und abends sei tote Hose in Zug, lästerte Bruno H. Schöpfer, Manager auf dem Bürgenstock. Deshalb schickten grössere Zuger Firmen ihre Gäste zum Übernachten nach Zürich. Doch hat er Recht? Denn es tut sich etwas im Bereich der Luxushotellerie.

Bruno H. Schöpfer nimmt gerne den verbalen Zweihänder hervor: Der Schweizer Vertreter der Hotelgruppe Katara Hospitality Switzerland sorgte schon mehrmals für Irritation in der Zentralschweiz.

Schöpfer kritisierte 2016, er müsse 70 bis 80 Prozent seines Personals im Ausland rekrutieren, weil es nicht genug qualifiziertes Personal in der Schweiz gebe. Das führte zu einem Aufschrei – und einem politischen Vorstoss in Luzern, der den Kantonsbeitrag ans Schiff streichen wollte (zentralplus berichtete).

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Bruno H. Schöpfer hat im Dienste der katarischen Scheichs das Bürgenstock-Resort entwickelt. Er arbeitet und lebt im Kanton Zug.

Bruno H. Schöpfer hat im Dienste der katarischen Scheichs das Bürgenstock-Resort entwickelt. Er arbeitet und lebt im Kanton Zug.

(Bild: mam)

Nun muss die Stadt Zug dran glauben, wo Schöpfer sein Büro hat. «Ich finde es katastrophal, dass Zug nicht mehr für die Hotellerie tut», sagte der Manager im  Interview mit zentralplus (zentralplus berichtete). Ein Fünfsterne-Haus fehle. Private Initiativen, daran etwas zu ändern, seien alle gescheitert, so Schöpfer. Er nannte drei eigene Projekte, ohne konkreter zu werden.

Die Schuld dafür gibt er der Stadt und den Politikern. Es wäre sein dringender Wunsch, dass der eine oder andere Politiker «eingreifen» würde.

«Ich glaube, Herr Schöpfer überschätzt die Möglichkeiten der Politik.»
Philip C. Brunner, Hotelier und Politiker

Schöpfer überschätze die Politik

Philip C. Brunner, Hotelier im Swisshotel Zug und Politiker in Personalunion, fühlt sich zwar angesprochen. «Doch ich glaube, Herr Schöpfer überschätzt die Möglichkeiten der Politik», sagt er. Was er überhaupt meine, sei ebenfalls nicht klar. «Soll die Stadt Zug Investoren Land für ein Hotel zur Verfügung stellen? Das sehe ich überhaupt nicht.»

Brunner stimmt Schöpfer zwar zu, dass es für ein Finanz- und Handelszentrum wie Zug angemessen wäre, mindestens ein Fünfsternehotel zu haben. Doch die Bodenpreise seien teuer, und das Hotel müsste auch rentieren, sagt der Hotelier.

Altes Kantonsspital Zug: Geplant sind sieben Baubereiche. Auf dem Baufeld B ist noch Platz für Träumereien.

Altes Kantonsspital Zug: Geplant sind sieben Baubereiche. Auf dem Baufeld B ist noch Platz für Träumereien.

(Bild: zvg)

Hochhausreglement jetzt besser

Die Politik sollte nach Meinung Philip C. Brunners mit liberalen und grosszügigen Regelungen neue Projekte in Zug unterstützen. Er habe sich im Grossen Gemeinderat (GGR) beim Hochhausreglement für hohe Flexibilität und architektonische Qualität eingesetzt. «Nach der zweiten Lesung haben wir ein wesentlich besseres Reglement bekommen, das durchaus gute zukünftige bauliche Entwicklungen im Bereich Hotellerie ermögliche», sagt der Zuger SVP-Stadtparlamentarier.

In trockenen Tüchern ist das Hochhausreglement allerdings noch nicht. Die Linke hat das Behördenreferendum ergriffen, sodass die Sache noch vors Volk kommt.

«Auf dem Areal des alten Kantonsspitals gebe es zum Beispiel die Möglichkeit, ein Projekt zu fördern.»
Philip C. Brunner

Wo könnte ein Luxushotel entstehen?

Gibt es in Zug Orte, wo 5-Stern-Hotels entstehen könnten? Philip C. Brunner sagt dazu: «Auf dem Areal des alten Kantonsspitals gäbe es zum Beispiel die Möglichkeit, ein Projekt zu fördern.» Andererseits sei ein Projekt namens «Belvedere» dort gescheitert. Und was mit den Zwischennutzern geschieht, von den Asylanten bis zu den vielen eingemieteten Gewerbebetrieben, sei ebenfalls ein Problem.

Die grössten Chancen, dass sich im Bereich Luxushotellerie in Zug etwas bewegt, sieht Brunner beim «Metalli», wo die Besitzerin Zug Estates momentan die Zukunft plant.

Das Areal der Zug Estates ist ist so gross wie neun Fussballfelder und soll in den nächsten Jahren verdichtet bebaut werden. Kommt hier ein weiteres Luxushotel?

Das Areal der Zug Estates ist ist so gross wie neun Fussballfelder und soll in den nächsten Jahren verdichtet bebaut werden. Kommt hier ein weiteres Luxushotel?

(Bild: PD)

 

Investition von 300 bis 400 Millionen Franken

Tobias Achermann, CEO der Immobilienfirma Zug Estates, bestätigt zentralplus, dass die Firma verschiedene Optionen in Erwägung zieht. «Unser Zentrumsareal hat ein hohes Verdichtungspotential. Wir möchten 300 bis 400 Millionen Franken investieren. Wir sind daran zu prüfen, wie und wo wir dieses Potenzial ab frühestens 2020 realisieren möchten.»

«Eine Option ist auch ein neues Hotel.»
Tobas Achermann, CEO Zug Estates

Eine Option sei auch ein neues Hotel. In welchem Standard und welcher Grösse dieses gebaut würde, sei noch nicht definiert und derzeit Gegenstand von Abklärungen. Das Areal der Zug Estates umfasst 58’737 Quadratmeter, was zirka neun Fussfallfeldern entspricht.

Auf dem Areal steht das Metalli-Einkaufszentrum, das City Garden Hotel mit 78 Zimmern und das Parkhotel Zug mit 109 Zimmern (Letzeres wird gerade renoviert). Ausserdem vermietet die Firma 49 City-Apartments an Businessleute. Laut Achermann generiert die Zug Estates bereits heute 50’000 Übernachtungen im Jahr und sei damit der grösste Player im Beherbergungs-Geschäft auf dem Platz Zug. «Die Hälfte aller Übernachtungen im Kanton Zug geschieht bei uns», sagt Achermann.

Das Einkaufszentrum Metalli gehört zum Areal der Firma Zug Estates, die auch das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz bebaut.

Das Einkaufszentrum Metalli gehört zum Areal der Firma Zug Estates, die auch das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz bebaut.

(Bild: wia)

Zuger Hotelier: «Wir wurden schlecht bedient auf dem Bürgenstock.»

Und was sagen Zuger Hoteliers zu den provokativen Aussagen ihres Berufskollegen Bruno Schöpfer? Sind Sie mit ihm einig? Teilweise, was die Ausgangsmöglichkeiten abends in der Stadt Zug betrifft. Sie zündeln aber auch zurück.

«Er soll lieber schauen, dass es ihm gut läuft auf dem Bürgenstock.»
Matthias Hegglin, Zuger Hotelier

Matthias Hegglin vom City-Hotel Ochsen sagt, er müsse schon schmunzeln, dass Schöpfer jetzt so schlecht über Zug rede. «Er soll lieber schauen, dass es ihm gut läuft auf dem Bürgenstock», so Hegglin. Der Zuger Hotelierverein habe vor zwei Wochen das neue Resort besucht. «Wir wurden schlecht bedient», so der Chef des «Ochsen» am Kolinplatz.

Zur Frage, warum es kein Fünfsterne-Hotel in Zug gibt, meint Hegglin: «Solange es keinen Sponsor gibt, wie die Katari auf dem Bürgenstock, wird das nicht zustande kommen.» Die meisten Zuger Hotels seien kleinere, familienbetriebene Häuser, die nicht das nötige Geld haben für Aus- oder Neubauten. Im Parktower habe man seinerzeit Luxus-Hotelzimmer bauen wollen, den Plan aber wieder fallen gelassen, erinnert sich Hegglin.

Matthias und Eveline Hegglin führen das City-Hotel Ochsen.

Matthias und Eveline Hegglin führen das City-Hotel Ochsen.

(Bild: PD)

Rentabilität das Problem

Und selbst wenn ein Mäzen bereit ist, zu investieren: Ein Hotel zu bauen, sei die eine Sache. Es rentabel zu betreiben, die andere. Ein solcher Betrieb müsste mindestens 80 bis 100 Zimmer haben, um zu rentieren, erklärt Hegglin. Laut dem Hotelier ist die Auslastung der Häuser in Zug zudem ein Problem. Seit 2010 seien die Zuger Hotels vor allem dienstags und mittwochs mit Geschäftsleuten gut gebucht, an den anderen Tagen sei das Geschäft durchzogen. «Die chinesischen Tagestouristen, welche seit einiger Zeit Uhrenfirmen in Zug besuchen, ändern daran nichts.» Zug sei keine Touristenstadt wie Luzern mit Souvenirläden und allem, was dazugehört.

In einem Punkt gibt Hegglin Schöpfer allerdings Recht: beim Ausgangsangebot in Zug. Schöne Zimmer und Luxus allein reichten eben nicht aus. «Arabische Gäste zum Beispiel möchten abends etwas erleben: Zug hat aber kein Rotlichtmilieu wie Luzern oder Zürich.»

«Aus meiner Erfahrung sind es eher die Arbeiter, die in Zug übernachten und nicht die Big Bosse»
Oliver von Rickenbach, Hotelier im «Zugertor»

Nur der Big Boss übernachtet luxuriös

Oliver von Rickenbach vom Dreisterne-Hotel «Zugertor» glaubt nicht, dass es einen Bedarf gibt für ein Luxushotel, sagt er auf Anfrage. Die Stadt Zug habe ja mit dem Parkhotel und dem City Garden Hotel schon zwei Betriebe im Bereich «4 Sterne superior». Das reiche aus, findet der Hotelier. «Aus meiner Erfahrung sind es eher die ‚Arbeiter’, die in Zug übernachten und nicht die Big Bosse», sagt Oliver von Rickenbach.

Kaum Anfragen für Luxushotels

Besteht bei Besuchern der Stadt Zug ein Bedürfnis nach Luxushotels? «Wir haben ab und zu Anfragen nach Hotels mit einem Wellnessangebot in der 5-Sterne-Kategorie an unserem Front Office», sagt Seraina Koller, Geschäftsführerin von Zug Tourismus. Diese kämen jedoch von Freizeit-Touristen. «Der grösste Teil unseres Tourismus' kommt jedoch durch Geschäftstouristen zu Stande und diese erkundigen sich bei uns nicht nach 5-Sterne-Hotels», meint Koller.

Er erwähnt Angestellte von Siemens oder anderer IT-Firmen. Wer im Fünfsterne-Hotel übernachte, könne sich auch ein Taxi von Zürich nach Zug leisten, fügt der Zuger Hotelier hinzu. Glencore habe dafür sogar einen eigenen Chauffeur, der die Topmanager hin- und herfahre.

Nur bessere Aussicht auf dem Bürgenstock

Neue Fünfsternehotels müssten sich ausserdem erst einen Ruf und Prestige erarbeiten, bevor die Gäste bereit seien, so viel Geld auszugeben. Der lokale Hotelier erwähnt als alteingesessene Betriebe mit Renommee das «Dolder» oder das «Bau au Lac» in Zürich. Und er gibt eine kleine Retourkutsche nach Nidwalden: «Ich war kürzlich auf dem Bürgenstock. So viel besser sind die auch nicht als wir. Die Aussicht ist einfach besser.»

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