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Wo die Crypto-Hirne der Welt aufeinandertreffen
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Ein Labor, ganz ohne Chemiebaukasten, dafür mit ganz viel Technologie. (Bild: wia )

Im Zuger Lab treffen sich bekannte Blockchainer Wo die Crypto-Hirne der Welt aufeinandertreffen

5 min Lesezeit 09.04.2018, 09:48 Uhr

Innovation braucht Austausch, da sind sich die Leute der Lakeside Partners AG einig. In Zürich, Paris und Singapur gibt es sie bereits, die Co-Working-Spaces für Blockchain-Firmen. Nur logisch, dass da auch das Crypto Valley Zug mitzieht. Wir waren bei den Unternehmen im ersten Crypto-Hub zu Besuch.

Prestigeträchtig ist es nicht, das Haus an der Gubelstrasse 16, in dem die Lakeside Partners AG vor kurzem einen sogenannten Hub eingerichtet hat. Hier sollen Cryptofirmen aus der ganzen Welt zusammenkommen, arbeiten, sich austauschen und gegenseitig weiterbringen. Grosse Cryptonamen sind hier laut Webseite zu Gast. Unter anderem Bitmain, Cardano, inacta, Bitcoin, Etherisc oder Melonport.

Wie also geht es zu und her in diesem neuen Think Tank? «Cryptovalley Labs» steht am Gebäude an der Dammstrasse 16 gross angeschrieben, wir treten ein und steuern am Sekretariat vorbei in Richtung Cryptocafé. Die Menschen begrüssen uns mit einem freundlichen und entspannten «Hi». Es ist offensichtlich, dass die Cryptowelt eine englischsprachige ist. Im hippen Café treffen wir auf Tatiana Schmid von Lakeside Partners, die uns durchs Haus führen wird.

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Das Cryptocafé ist an diesem Nachmittag leer. Manchmal werden hier jedoch Meetups veranstaltet. Solche, an denen auch die Öffentlichkeit teilnehmen darf.

Das Cryptocafé ist an diesem Nachmittag leer. Manchmal werden hier jedoch Meetups veranstaltet. Solche, an denen auch die Öffentlichkeit teilnehmen darf.

(Bild: wia)

Fünf Anfragen pro Tag

«Die Nachfrage nach Arbeitsplätzen ist massiv», erklärt sie uns. Fünf Anfragen habe man mittlerweile pro Tag, «da ist es wichtig, dass wir neue Mieter sehr selektiv auswählen. Sie müssen beispielsweise etwas zu diesem Ökosystem beitragen und handkehrum auch davon profitieren können», so Schmid.

Aktuell sind es 35 Firmen, die in den Cryptovalley Labs arbeiten. «Obwohl. Es ist etwas schwierig, das physisch zu zeigen. Diese Leute sind nicht immer hier, sondern arbeiten von überall aus. Einige befinden sich gerade in Berlin, Vancouver oder Kalifornien», sagt sie. Tatsächlich ist es relativ ruhig in den Gängen des Gebäudes.

Zwei Mitarbeiter der Lakeside Partners AG arbeiten im Hub. Und es scheint ihnen zu gefallen.

Zwei Mitarbeiter der Lakeside Partners AG arbeiten im Hub. Und es scheint ihnen zu gefallen.

(Bild: wia)

Aktuell besteht der Cryptohub aus zwei Stockwerken, im dritten Quartal sollen noch zwei weitere dazukommen. «Das macht dann 1’500 Quadratmeter und insgesamt 150 Mieter», so Schmid. Im zweiten Stock gibt es verschiedene Co-Working-Spaces, also Büroplätze, die von verschiedenen Mietern genutzt werden können. Wir steuern in ein weiteres Büro hinein, auch dies ist ein offener Workspace, der aktuell gerade vom Nonprofit-Verein Bitcoin Association Switzerland genutzt wird. Ein Mitarbeiter schreitet im Raum auf und ab und telefoniert wild gestikulierend.

Das Ringen um Gesetze oder: «Regulation killt Innovation»

Vereinspräsident Lucas Betschart sitzt vor einem überbreiten Bildschirm. Er erklärt uns, was sein Unternehmen macht. «Wir organisieren unter anderem grössere Fintech-Anlässe im Bereich Ausbildung und Networking.» Auch arbeite man zusammen mit der Finma. Dabei gehe es insbesondere darum, gute Lösungen für den rechtlichen Umgang des Bundes mit Cryptofirmen zu finden. «Das ist ein sehr wichtiges Kapitel. Um es pointiert zu formulieren: Regulation killt Innovation», sagt Betschart.

«Dieser Hub in Zug ist insofern wertvoll, als dass wir nun einen fixen Ort haben, wo sich Cryptoleute treffen können. Zwar ist Zug als Wirtschaftsort bekannt, als Technologieort jedoch noch kaum. Darum braucht es nun technisch versierte Menschen, die herkommen und die Cryptobranche voranbringen», sagt Betschart.

«Diese Leute gibt es natürlich. Doch fallen sie in der Regel auch schnell auf die Nase.»

Lucas Betschart, Präsident der Bitcoin Association Switzerland

Wie steht er zur Gefahr, dass nun immer mehr Leute nach Zug kommen, die nur aufs grosse Geld aus sind? «Diese Leute gibt es natürlich. Doch fallen sie in der Regel auch schnell auf die Nase. Klar gibt es in der Szene viele, die gerade etwa mit Bitcoin, Millionen gemacht haben. Die Menschen, die ein ernsthaftes Interesse an der Technologie hegen, denen merkt man das jedoch nicht an. Die machen einfach weiter wie bisher, weil sie an die Blockchain-Technologie glauben», sagt der Präsident der Bitcoin Association.

Lucas Betschart, Präsident der Bitcoin Association Switzerland, arbeitet seit der Eröffnung des Hubs hier.

Lucas Betschart, Präsident der Bitcoin Association Switzerland, arbeitet seit der Eröffnung des Hubs hier.

(Bild: wia)

Wir überlassen Betschart wieder seinem überbreiten Bildschirm und klopfen an die nächste Türe, an der eine kalifornische Flagge hängt. Das Schild daneben verrät, dass es sich um die My Bit AG handelt. Einer der jungen Männer, die hier zusammenarbeiten, stellt sich als Joost Toornend vor. Er ist der Marketingverantwortliche und erklärt, worum es hier geht.

Eine Firma, die will, dass wir mehr teilen

Die Firma arbeite derzeit an einer Möglichkeit für Private, auf einfachem Weg in ertragsgenerierende Zukunftstechnologien zu investieren. Toornend erklärt: «Laut heutiger Einschätzung werden bis 2030 30 Prozent der Jobs automatisiert sein. Schon jetzt gibt es etwa Roboter, die Hamburger braten können oder staubsaugen. Und das ist erst der Anfang.»

Entweder man würde sich gegen diese Technologien wehren. Oder man begrüsse den Fortschritt proaktiv, indem man Möglichkeiten finde, mit denen jeder Mensch direkt finanziell profitieren könne, glaubt Toornend. Die My Bit AG beruft sich auf das «Internet of Things». Mit entsprechenden blockchainbasierten Technologien soll die Interaktion zwischen Mensch und elektronischen Systemen sicher und transparent werden.

Joost Toornend kommt aus Holland. Das Startup My Bit, für das er arbeitet, testet derzeit die Alphaversion seines blockchainbasierten Produkts.

Joost Toornend kommt aus Holland. Das Startup My Bit, für das er arbeitet, testet derzeit die Alphaversion seines blockchainbasierten Produkts.

(Bild: wia)

«Als Beispiel: Wir arbeiten zusammen mit einer Firma, welche elektronische Schlösser herstellt. Slock.it vereinfacht es, Objekte, seien das ungenutze Häuser oder Fahrräder, zu teilen oder zu vermieten. Das System funktioniert mit allen Dingen, die abgeschlossen, respektive aufgeschlossen werden können», sagt Toornend.

«Blockchain wird aller Leben verändern. Und das in verschiedensten Bereichen.»

Joost Toornend, Marketingverantwortlicher der My Bit AG

Toornend ist vor einem Monat aus Amsterdam hergekommen, nachdem ihm My Bit ein Jobangebot gemacht hatte. Nun ist er hier und er plant zu bleiben. «Blockchain hat enormes Potenzial. Wir stehen mit grosser Leidenschaft hinter dieser Technologie. Dabei geht es nicht darum, viel Geld zu machen. Der Grundgedanke dieser Dezentralisation ist vielmehr, dass jeder einzelne viel bewirken kann. Und das, ohne sich beispielsweise auf einen Mittelsmann verlassen zu müssen.» Und bevor der Holländer sich wieder seiner Arbeit zuwendet, sagt er: «Blockchain wird aller Leben verändern. Und das in verschiedensten Bereichen.»

Es mag sein, dass die Cryptovalley Labs noch nicht ganz zum Leben erwacht sind. Immerhin wurde der Co-Working-Space erst vor knapp zwei Monaten eröffnet. Mit all den schlauen Köpfen aus aller Welt, die hier nach und nach aufeinandertreffen, dürfte hier jedoch in nützlicher Frist etwas Grosses entstehen.

Unverkennbar. Hier geht's rein in die Labs.

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