Wirtschaft
Erfahrungen mit «Airbnb» in Zug und Luzern

Wenn der Inder in der Küche duscht

Das Sofa im Ein-Zimmer-Haus ist zugleich das Bett. (Bild: zod)

Alleine für Luzern finden sich auf Airbnb rund 40 Übernachtungsangebote. Auch in Zug ist das «Luft-Bett-und-Frühstück-Phänomen» mit rund 10 Zimmern angekommen. Ein Besuch in den Zimmern, Wohnungen und Häusern der Hobby-Hoteliers zeigt: Unterschiedlicher könnten die Erfahrungen gar nicht sein. Und auch finanziell lohnt es sich für die wenigsten.

Einer der Gastgeber auf Airbnb ist Stephan Burckhardt aus Zug. Der Online Marketing Consultant reist beruflich viel und vermietet seine Wohnung deshalb während seiner Abwesenheit. Unter seinen zehn Gästen waren bisher sehr angenehme bis sehr unangenehme: «Ich war gerade sechs Wochen in Kanada und hatte mein bisher schlechtestes Erlebnis mit einem Gast», erklärt Burckhardt.

Burckhardt war bereits in Übersee, als der Gast in Zug ankam und sich erst zu diesem Zeitpunkt über die Schlüsselübergabe informierte. Die Arztpraxis, in der Burckhardt den Schlüssel deponierte, hatte soeben geschlossen. Der Gast musste die erste Nacht in einem Hotel übernachten. «Die Kosten von mehr als 600 Franken habe ich ohne weiteres übernommen», so Burckhardt. Als der Gast den fünftägigen Aufenthalt in Burckhardts Wohnung gar nicht bezahlen wollte, konnte der Gastgeber das zunächst nicht glauben: «Airbnb hat mir dann aber einen Teil ausgezahlt.»

Auch einen chaotischen New Yorker hatte Burckhardt bei sich zu Hause: «Es war eine absolute Sauerei», so der Zuger. Er habe seine Putzfrau für eine ausserordentliche Reinigung engagieren müssen, nachdem der Gast abgereist war. Er ist dennoch weiterhin gerne auf Airbnb aktiv: «Die meisten Gäste sind sehr nett und es ist schön, wenn sie das Angebot schätzen. Ich stelle ihnen jeweils als Willkommensgeschenk Schokolade und eine Flasche Wein hin.»

Schwäne füttern und Feuerzeug erklären

Hugo R.* bietet seit April 2013 zwei Zimmer in seiner Wohnung an: «Ich habe gestaunt, wie schnell das seinen Lauf nahm.» Nach wenigen Wochen war er für das Jahr 2013 bereits zu 50 Prozent ausgebucht. In der Wohnung an der Baselstrasse kann man ab 50 Franken ein Zimmer buchen. Der erfahrene Anbieter hat viele seiner Möbel selbst gebaut. Das ist nicht die einzige Besonderheit an der Altbauwohnung: Die Dusche befindet sich in der Küche. «Das wissen die Gäste aber schon vorher», so Hugo R.

Mit seinen rund 600 Gästen, die er letzen Sommer auch in zwei anderen Wohnungen in Luzern untergebracht hatte, machte Hugo R. bisher nur gute Erfahrungen: «Manchmal gab es schon Missverständnisse, aber ich kommuniziere meist intensiv mit den Interessenten für meine Zimmer.» Es habe auch schon lustige Situationen gegeben: «Manche meiner Gäste aus dem asiatischen Raum wussten nicht, wie ein Feuerzeug funktioniert und ich musste es ihnen erst zeigen, weil ich einen Gaskochherd habe», sagt Hugo R. schmunzelnd.

Angebote von 50 bis 650 Franken

Und so funktioniert Airbnb: Private registrieren sich und stellen ihre Unterkünfte zur Miete an Touristen auf das gleichnamige Internet-Portal. Es eine Art virtueller globaler Marktplatz.

Die meisten Angebote in der Zentralschweiz sind in der Luzerner Neustadt zu finden. Von der Matratze im Wohnzimmer bis zur Villa gibt es alles. Die Preise variieren demnach stark: Für 50 bis 650 Franken findet man in der Stadt Luzern eine Übernachtungsgelegenheit. 

In der Stadt Zug gibt es bisher rund zehn Angebote, meist Einzelzimmer, die sich in der Nähe des Bahnhofs befinden. Sie kosten in etwa gleich viel wie die Angebote in Luzern. Auffallend ist, dass in beiden Städten die meisten Anbieter erst seit 2013 auf der Plattform aktiv sind.

Der 42-Jährige arbeitet seit 20 Jahren im Gastgewerbe. Zurzeit als Rezeptionist in einem Hotel. Daher kennt er die Unterschiede zwischen einem Hotel und einer Airbnb Unterkunft auch sehr gut: «Bei meinem Angebot steht das Soziale im Vordergrund. Manchmal esse ich mit den Gästen zusammen, manchmal gehe ich mit ihnen Schwäne füttern.» In einem Hotel könne man sich nicht so viel Zeit für die einzelnen Gäste nehmen. Dieser persönliche Kontakt und die Möglichkeit einer Kochgelegenheit seien seiner Meinung nach die Hauptgründe dafür, dass die Gäste über Airbnb seine Unterkunft buchen.

Es wird mit zweierlei Mass gemessen

Hugo R. ist selber Mieter, sein Vermieter weiss jedoch Bescheid: «Der Besitzer hat mir schriftlich bestätigt, dass Untervermietung aus seiner Sicht zulässig ist.» Hugo R. stellt auch klar, dass er seine Einnahmen normal versteuere: «Viele andere Anbieter machen das wahrscheinlich nicht.»

Auch bei den Behörden hat sich Hugo R. schon gemeldet. «Die sind sich jedoch auch nicht sicher, inwiefern die Beherbergung von Gästen über Airbnb nun gewerblich ist oder nur ein Nebenerwerb», so Hugo R. Es sei eben eine Grauzone, dennoch ist er sich sicher: «Irgendwann wird man diese Art von Unterkunft auch unter das Gastronomiegesetz stellen und dann wird es plötzlich nicht mehr so viele Anbieter geben.»

Ein schlechtes Gewissen gegenüber der Hotelbranche habe er nicht, er zeigt aber Verständnis für deren Bedenken: «Die Hotelbranche hat den wirtschaftlichen Erfolg von solchen Online-Portalen unterschätzt.» Er verstehe die Kritik an Airbnb, weil mit zweierlei Mass gemessen werde. «Die Anbieter holen weder Bewilligungen ein, noch erfüllen sie Auflagen, wie das Gastgewerbeunternehmen müssen.»

Hugo R. sieht Airbnb als etwas sehr Positives für Luzern: «Viele der Gäste würden ohne diese Möglichkeit niemals nach Luzern kommen, weil ihr Budget nicht ausreicht.» Deshalb sei es eine Bereicherung für den Tourismus der Stadt. «Ein Teil dieser Gäste würden die Schweiz sonst nie sehen.»

Der Anbieter verrät zentral+ auch, weshalb er auf der Plattform aktiv ist. Sein Leben sei im Umbruch gewesen, als er mit Airbnb angefangen habe. «Ich wollte Erfahrungen sammeln und mir ging es nicht ums Geld.» Denn mit der Vermietung über Airbnb könne man nicht wirklich viel Gewinn machen. Dafür sei der eigene Zeitaufwand zu gross. In Zukunft hat Hugo R. noch mehr vor als Airbnb: «Fast niemand vermietet Wohnungen an Touristen in Luzern.» Diese Lücke möchte Hugo R. bald mit seinem eigenen Unternehmen schliessen.

Fast täglich neue Interessenten

René und Carmen Marfurt bieten ihre Eigentumswohnung mit eineinhalb Zimmern seit drei Jahren in Luzern an. Ihre Wohnung an der Maihofstrasse haben sie eigenständig renoviert. «Wir nutzen die Wohnung zum Teil auch selber und wollten sie für die Zeit, die wir nicht da sind, an Touristen vermieten», so Marfurt. Sie seien immer gut ausgelastet: Im Jahr 2013 waren es rund 400 Gäste. Marfurt: «Trotzdem ist es schwierig, Geld zu verdienen, da der Aufwand für die Betreuung im Vorfeld, für die Begrüssung, und am Ende für das Putzen und Wäsche waschen sehr gross ist. Rein wirtschaftlich gesehen wäre es wohl lukrativer, die Wohnung in Dauermiete zu vergeben.» Die Kontakte mit den Gästen aus aller Welt würden sie jedoch bei weitem für den Aufwand entschädigen.

Anders als René Marfurt, stellte Karin Simmen im letzten November nicht eine Wohnung, sondern gleich ein Häuschen auf Airbnb. Das Barockhaus hatte die Architektin selbst saniert. Das Häuschen steht direkt neben ihrem eigenen Wohnhaus. «Beides waren komplette Ruinen, als wir sie gekauft haben», sagt Simmen. Das Häuschen liegt zentrumsnah an der Hochbühlstrasse in Luzern: «Aber bei uns ist es sehr ruhig. Man hört hier sogar die Vögel zwitschern», wirbt Simmen für ihr Zuhause.

Obwohl sie erst seit kurzem auf dem Portal ist, seien die Reaktionen unglaublich. Fast täglich würden sich neue Interessenten bei ihr melden. «Ich wollte den Preis nicht zu tief ansetzen, die Gäste sollen spüren, dass es sich um etwas Besonderes handelt», erklärt Simmen die 120 Franken pro Nacht. «Amortisiert wird unsere Investition wohl eher nicht. Aber es gibt ein bisschen Sackgeld», so Simmen.

Der 55-Jährigen ist auch der Kontakt zu den internationalen Gästen sehr wichtig: «Eine junge Amerikanerin war über die Weihnachtstage da und mein Mann und ich haben sie kurzerhand zu unserem Weihnachtsessen eingeladen.»

Eine rechtliche Grauzone

Auch Valentin A.* will mit der Vermietung seiner Zwei-Zimmer-Wohnung sein Einkommen aufbessern. Der 29-jährige Student wohnt in der Nähe des Löwendenkmals und hat sein Zuhause seit letztem September schon sieben Mal vermietet. «Ich vermiete die Wohnung nur, wenn ich selber nicht zu Hause bin. Also zum Beispiel wenn ich in den Militärdienst muss oder in die Ferien fahre», so Valentin A. Wenn er im März in den Skiferien ist, wird ein Pärchen aus Berlin in seine Wohnung einziehen.

«Ich mache das solange, wie ich gute Erfahrungen habe und keinen Stress mit der Verwaltung bekomme», erklärt Valentin A. Diese wüssten nichts von der Untervermietung an Touristen: «Ich koste da den rechtlichen Spielraum etwas aus.»

Bei Luzern Tourismus beobachtet man das Phänomen Airbnb genau. «Diese Formen von eher individuellen Unterkünften ist ein Trend. Nicht nur wegen der Kostenfrage sondern auch, weil man so häufig in Kontakt mit den ‹Locals› kommt und sieht wie diese leben», erklärt Mediensprecherin Sibylle Gerardi. Es sei sehr gut möglich, dass die Angebote neben Hotels und Jugendherbergen Bestand haben können, weil sie eine gute Ergänzung zu den bestehenden Angeboten darstellen würden.

Jedoch ist man bei Luzern Tourismus der Meinung, dass professionelle Betreiber, die gegen Entgelt Gäste beherbergen, Kurtaxen bezahlen müssten. Gerardi: «Da die Angebote aber noch nicht sehr lange Bestand haben, gibt es betreffend Abgaben wohl zur Zeit noch eine Grauzone.»

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