Wirtschaft

Erdgas wird bei den WWZ deutlich teurer
Warum Zuger Haushalte bald 500 Franken im Jahr mehr bezahlen

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 2
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Mit Gas wird in Zug nicht nur gekocht, sondern vor allem geheizt. (Bild: Pixabay)

Eine Megawattstunde Erdgas kostet derzeit rund 85 Euro. Dies ist viermal mehr als noch Anfang dieses Jahres. Zuger müssen daher ab November deutlich mehr bezahlen. Und das obwohl deren Anbieter WWZ bereits heute zu den teuersten der Schweiz zählt.

Derzeit bezahlt man am Spotmarkt in Leipzig rund 85 Euro für eine Megawattstunde Erdgas. Eine Kilowattstunde kostet somit gut 9 Rappen. Verkauft wird sie in Zug ab kommendem Jahr für 13,2 Rappen (zentralplus berichtete). Der aktuelle Aufschlag ist mit den Marktentwicklungen erklärbar.

Anders war dies in der Vergangenheit, wie unsere Grafik zeigt. In den letzten fünf Jahren lag der Grosshandelspreis für eine Megawattstunde Erdgas selten über 20 Euro, dieselbe Menge wurde in Zug aber zu Preisen von 89 bis 120 Franken verkauft. Dabei soll der Erdgaspreis zu mehr als der Hälfte von den Beschaffungskosten abhängen, sagte vor einem Jahr Rolf Samer, Mitglied der Geschäftsleitung von ewl Luzern.

Kostet die Megawattstunde Erdgas am Spotmarkt in Leipzig derzeit rund 85 Euro (grüne Kurve), wird sie bei den WWZ ab November für 132 Franken verkauft (rote Kurve). Massiv grösser war der Preisunterschied in der Vergangenheit. (Grafik: zentralplus)

Markante Preisunterschiede

Tatsächlich zählen die WWZ, die sich zu knapp 30 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand befinden, zu den teuersten Schweizer Anbietern. Dies zeigt ein Vergleich von vom Preisüberwacher erhobenen Daten. Mit derzeit 11,9 Rappen je kWh liegt der Zuger Anbieter deutlich über dem Schweizer Durchschnitt von 8,58 Rappen. Nur wenige Schweizer Lieferanten sind teurer. So die Gravag Erdgas AG, die einige kleine Gemeinden im Kanton St. Gallen beliefert, sowie die Erdgas Einsiedeln oder die Stadt Biel. Wie gross die Schweizer Unterschiede sind, zeigt die Thurgauer Gemeinde Münsterlingen. Hier bezahlt man für dieselbe Menge gerade einmal 4,3 Rappen.

Luzerner Nachbar zahlt viel mehr

In Luzern kostet die Kilowattstunde bei den ewl 9,44 Rappen. Dies ist derzeit ein Viertel weniger als bei den WWZ. Da der Zuger Anbieter auch in den Nachbarkantonen aktiv ist, führt dies zu markanten Preisdifferenzen. Ein Inwiler EWL-Kunde mit einem Durchschnittsverbrauch bezahlt so im Jahr 560 Franken weniger als sein Nachbar in Ballwil, der das Gas von den Zugern beziehen muss. Eine Wahlfreiheit besteht nicht.

Die WWZ beantworten die Frage nach dem Presiunterschied von zentralplus nur allgemein. «Die Höhe des Netzentgelts kann sich von Gasversorger zu Gasversorger aufgrund der jeweiligen Topologie und dem Alter des Netzes unterscheiden; ebenfalls spielt das individuelle Beschaffungsportfolio eines Gasversorgungsunternehmens eine entscheidende Rolle bei der Preisbildung. Aufgrund dieser Faktoren sind die Preise nicht vergleichbar», schreibt Mediensprecher Robert Watts.

Über 500 Franken mehr

Mit monatlichen Kosten von 219,98 Franken bei rein fossilem Erdgas (respektive 236,64 Franken mit 10 Prozent Biogasanteil) werden WWZ-Kunden den Anstieg auch so im Portemonnaie spüren. Bis dato waren es 186.64 Franken. Für ein Einfamilienhaus mit einem Durchschnittsverbrauch von 20 Megawattstunden Jahresverbrauch macht dies rund 560 Franken aus. Noch bewilligt werden muss der Preisanstieg durch den Zuger Stadtrat, der mit Stapi Karl Kobelt und André Wicki auch zwei von neun Verwaltungsratssitzen der WWZ hält.

Dass der aktuelle Preisaufschlag nicht noch massiver ausfällt, lässt sich mit langfristigen Verträgen erklären. Doch auch diese laufen eines Tages aus. Ob man zukünftig mit noch höheren Preisen rechnen müsse, sei schwierig zu beantworten, so Watts. Experten etwa würden erst mit der Inbetriebnahme der Nord Stream 2 eine Entlastung erwarten.

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2 Kommentare
  1. Leni Winkler, 01.11.2021, 18:29 Uhr

    Unsere tolle Energiewende verteuert Öl und Gas ab 1.1.22 zusätzlich. Die CO2-Abgabe steigt von 90 auf 120 Fr. pro Tonne. Davon fliessen bloss zwei Drittel an die Haushalte zurück. In diesem Jahr waren das gerade mal 87 Fr. pro Person. Macht auf der monatlichen KK-Prämie 7 Fr. aus. Gewünschter Nebeneffekt: Die Erhöhungen lassen sich kaschieren.

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  2. Alois Iten, 01.11.2021, 17:23 Uhr

    Wenn man die Grafik anschaut, vaben die Kunen der WWZ in den letzten Jahren für Gas den 5fachen Einkaupreis bezahlt. Das wäre, wie wenn ein Liter Benzin 5 Frannen kosten würde. Abzocke pur

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