Wirtschaft
Tincan-Gründer schauen zurück

Von Hobbyfilmern zu Unternehmern: Junge Zuger kämpfen sich nach oben

Firmengründer Peter Niederberger (links) und Raphael Willi (rechts) haben sich am neuen Standort in Zug gut eingelebt. (Bild: Baris Erdal)

Die Kreativagentur Tincan ist heute eine feste Grösse in der Stadt Zug. Dahinter steht ein junges Team, das vor 12 Jahren noch Hobbyfilme gedreht hat. Aus den jungen Wilden wurden tüchtige Geschäftsleute. zentralplus hat ihnen einen Besuch abgestattet.

zentralplus besucht das neue Büro von Tincan an einem regnerischen Morgen. Seit rund zwei Monaten hat sich das Jungunternehmen, das sich vor wenigen Wochen als Aktiengesellschaft hat eintragen lassen, an der neuen Adresse an der Feldstrasse in Zug eingemietet. Die Arbeitsplätze stehen bereits, ebenfalls der Töggelikasten. «Wir sind noch nicht ganz eingerichtet», erklärt uns Peter Niederberger, einer der beiden Gründer von Tincan. Und prompt: Während des Gesprächs wird der überfällige Kühlschrank angeliefert.

Dass Tincan einmal ein doppelstöckiges Büro an bester Lage in Zug beziehen wird, hätten selbst die Gründer kaum gedacht. Gehofft hingegen hatten sie es schon. Wir setzen uns bei einem Glas (zimmerwarmen) Mineralwasser mit Peter Niederberger und Cogründer Raphael Willi zusammen und wollten wissen, wie es dazu kam.

Eine Prise Grössenwahn

Angefangen hat alles 2009 mit einer Maturaarbeit. «Peter und ich haben uns im Rahmen einer Medieninformationsklasse kennengelernt», erinnert sich Raphael Willi. Für beide war schnell klar: «Wir wollten als Abschlussarbeit einen Spielfilm realisieren.» Trotz vorsichtigen Inputs der Lehrpersonen, es vielleicht eher mit einem Kurzfilm oder gar nur mit einem Drehbuch zu wagen, wollten die zwei Kreativen Nägel mit Köpfen machen. Und das taten das dann auch. Der Unternehmergeist war damals schon spürbar. «Wir haben für die Produktion einen Verein gegründet», sagt Niederberger.

Nach dem Spielfilm und einigen kleineren Folgeprojekten trudelten dann auch schnell die ersten kleinen Anfragen rein. Und damit das erste Geld. «Wir wollten schon immer eine Firma gründen, von der wir leben können und mit einem kreativen Team arbeiten. Nur was genau wir alles machen wollten, war uns damals noch nicht klar», erklärt Willi ihre Vision. Schnell hätten sie aktiv nach Mitgliedern gesucht, um das Team zu vergrössern – sogar an der Luga, wo ihnen ein Stand gesponsort wurde.

Die «Blechdose» nimmt Gestalt an

Unter dem Namen Tincan – benannt nach den Blechdosen, in denen früher 35-mm-Filmrollen gelagert wurden – erarbeiteten sich die emsigen Filmbegeisterten langsam einen Ruf und wandelten den Verein 2013 schliesslich in eine GmbH um. Willi ist zu dem Zeitpunkt 20, Niederberger 21 Jahre alt.

In den Folgejahren setzt sich das Team von Tincan langsam zusammen, wächst, probiert aus, ändert. Langsam wird auch die angestrebte Vision immer klarer. Statt sich auf Spielfilme zu konzentrieren, wandelt sich das Unternehmen immer mehr zu einer Marketingagentur mit verschiedenen Standbeinen. Und da sind sie heute angekommen.

Jung, dynamisch, 30

Heute rollen die Kameras für Werbefilme, Imagefilme oder Webserien – und bilden damit nur eines der Standbeine. Als Kreativagentur will Tincan im Marketing verschiedenste Dienste abdecken – digital und analog. 15 Leute sind derzeit fix angestellt und kümmern sich um die einzelnen Bereiche: Web, Film, Social Media und Marketing.

«Wenn man etwas aufbaut, trifft man hin und wieder Fehlentscheide, aber aus denen lernt man.»

Peter Niederberger, Mitgründer Tincan

Das Team ist jung, kaum jemand ist über 30 Jahre alt. Einen klassischen Chef gibt es hier nicht, stattdessen setzt das Unternehmen auf flache Hierarchien, eine gesunde Diskussionskultur und Einzelverantwortung. Was zählt sei Teamgeist, Knowhow und Wissensdurst. «Man muss mit den neusten Trends mitgehen, sich selbst weiterbilden wollen und die Neugier behalten», so Raphael Willi.

Auf ihren Werdegang zurückblickend, bereuen die beiden Partner eigentlich nur wenig. «Vielleicht unsere damaligen Frisuren», witzelt Niederberger. Zwar habe es immer wieder mal ein Projekt gegeben, dass Bauchschmerzen bereitet habe, aber an solchen Herausforderungen sei man auch gewachsen. «Wenn man etwas aufbaut, trifft man hin und wieder Fehlentscheide, aber aus denen lernt man», so Niederberger. Willi fügt noch an: «So lange man denselben Fehler nicht zweimal macht, ist alles gut.»

Zug als idealer Standort

Mit der Gründung einer AG und den neuen Büroräumlichkeiten in der Stadt Zug ist nun der nächste Schritt vollbracht. Auf ihren Lorbeeren ausruhen kann sich das Team aber nicht. «Mit unserem Wachstum muss auch das Wachstum der Aufträge Schritt halten können. Das ist eine stetige Herausforderung», findet Niederberger. «Das Geschäft ist kein Selbstläufer, man muss hart daran arbeiten.»

«Wir werden heute von Jungfilmern um Rat und Hilfe gefragt – so wie wir damals bei anderen Firmen gefragt haben.»

Raphael Willi, Mitgründer Tincan

Aktuell fungiert Tincan ausschliesslich von ihrem Standort in Zug aus. Eine Expansion ist per se nicht geplant, aber in der weiteren Vision der Gründer vorhanden. «Ich fände ein Westschweizer Pendant noch gut, um den französischsprechenden Raum abdecken zu können», findet Niederberger. Aber ein Wegzug aus Zug steht nicht zur Debatte: «Der Standort Zug ist sehr attraktiv. Wir fühlen uns hier verbunden und sind gut vernetzt. Zug ist auch gut erreichbar für unsere Kunden und das Team.»

Der Kreis schliesst sich

Und die Spielfilme, mit denen alles begonnen hat? Diese Zeiten sind vorbei – vorerst. «Ich vermisse es schon ein wenig», gibt Willi zu. «Aber vielleicht ergibt sich das irgendwann wieder. Aktuell bin ich sehr zufrieden, wie es ist.» Ausserdem habe man mit realisierten Webserien den Fiction-Bereich nicht vollständig verlassen.

Schön sei es aber zu sehen, dass sich der Kreis schliesse, so Willi. «Wir werden heute von Jungfilmern um Rat und Hilfe gefragt – so wie wir damals bei anderen Firmen gefragt haben.» Den Jungen helfe man sehr gerne. «Man kann und soll uns ungeniert anfragen.» Denn wer weiss, vielleicht eröffnet dadurch in zwölf weiteren Jahren das nächste Jungteam ein imposantes Büro.

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