Wirtschaft
Verdacht gegen Zuger Firma

Und wieder warnt die Marktaufsicht im Crypto Valley

Die Finanzmarktaufsicht Finma hat vergangenes Jahr vor mehreren Firmen aus Zug gewarnt. (Bild: Philipp Zinniker)

Hohe Rendite, kein Risiko: Laut der Stiftung für Konsumentenschutz wirbt eine Zuger Kryptofirma wohl mit leeren Gewinnversprechen. Auch die Finanzmarktaufsicht mahnt zur Vorsicht – wie sie das bei Zuger Unternehmen immer wieder tut. Aber: Die Warnungen werden weniger.

«Überlassen Sie das Investment den Profis», gilt bei der Firma Cryptoscore aus Zug. Auf seiner Website verspricht der selbsternannte Pionier für Blockchain-Investments, er helfe seinen Anlegerinnen, ihr Geld in «Alternativanlagen» und «gewinnbringende Baskets» zu investieren. Für Renditen bis zu 18 Prozent. Und das bei null Gefahr: «Cryptoscore übernimmt für Sie die Risiken und garantieren (sic!) dafür mit sicheren Gewinnen.»

«Vermögen neu gedacht», lautet das Motto des 2019 gegründeten Kryptostartups, bei dem vieles zu schön sein dürfte, um wahr zu sein. Oder wie Lucien Jucker von der Stiftung für Konsumentenschutz sagt: «Bei solchen Plattformen ist davon auszugehen, dass es sich um leere Versprechen handelt.»

Konsumentenschützer: «Anbieter nutzten Wissenslücken aus»

Immer wieder würden Anleger solchen Versprechungen Glauben schenken, sagt der Konsumentenschützer: «Das wissen wir von anderen Meldungen zu angeblichen Investitionsplattformen: Konsumentinnen und Konsumenten werden zu übereilten Investitionen verführt, indem unlautere Anbieter ihre Wissenslücken und ihre Angst ausnützen, ein gutes Investment zu verpassen.» Und wenn das schnelle Geld winkt, geht der Blick aufs Wesentliche gerne verloren.

Cryptoscore hat zwar ein Domizil an der Baarerstrasse in Zug, doch das ist lediglich eine Zweigniederlassung. Ihren Hauptsitz hat die Cryptoscore ÖU in der estnischen Hauptstadt Tallinn, Inhaber ist ein 25-jähriger Schweizer aus Zürich, das Gesellschaftskapital beträgt laut Handelsregisterauszug 12'000 Euro.

Mit dieser Kapitalausstattung ist es laut Jucker ausgeschlossen, die Kursschwankungen von Kryptowährungen auszugleichen. Alleine der Bitcoin habe zwischen April 2022 und Anfang Januar 26'000 Euro an Wert verloren. «Der Verlust eines einzigen Bitcoins ist also mehr als doppelt so hoch wie das Gesellschaftskapital», sagt Jucker.

Auch die Finma warnt

Bei der Zuger Cryptoscore, die ihre Geschäfte unter www.swisscryptoservice.com anbietet, ist also Vorsicht geboten. Das sagt auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma: Seit dem 9. Dezember führt die Behörde die Gesellschaft auf ihrer Warnliste. Dort veröffentlicht sie Unternehmen, die möglicherweise ohne Bewilligung im Schweizer Finanzmarkt unterwegs sind oder bei denen «eine immanente, erhebliche Gefährdung von Anlegern» droht.

Im vergangenen Jahr hat die Finma zusammen mit Cryptoscore sechs Firmen gelistet, die von Zug aus operieren sollen. 2021 und 2020 waren es je fünf. Damit sind die Zahlen zuletzt markant gesunken, noch 2019 hatte die Finma vor 17 Firmen aus Zug gewarnt – rund drei Mal so viel (zentralplus berichtete).

«Von einem einzelnen Vorfall kann man keine Auswirkungen auf das Image des Kantons Zug ableiten.»

Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor

Tännler bleibt entspannt

Zu den Gründen für die Abnahme kann ein Finma-Sprecher nichts sagen; weder erhebe noch veröffentliche die Behörde kantonale Zahlen. Derweil meint der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler, als Präsident der Swiss Blockchain Federation grosser Vorantreiber des Crypto Valleys, der Rückgang der Warnungen lasse darauf schliessen, dass sich «die Qualität der Zuger Unternehmer verbessert hat».

Zu Cryptoscore nimmt Tännler keine Stellung, es handle sich um einen Einzelfall. Auch fürchtet er keinen Reputationsschaden, wenn mit Cryptoscore ein mutmasslich unlauterer Anbieter das Crypto Valley als Operationsbasis ausgewählt hat: «Von einem einzelnen Vorfall kann man keine Auswirkungen auf das Image des Kantons Zug ableiten.»

Baarerstrasse 79: Im grauen Gebäude hat die Cryptoscore ÖU ihre Zuger Zweigniederlassung. (Bild: Kilian Küttel)

Damit gibt sich der Zuger Finanzdirektor ähnlich gelassen wie 2020, nachdem bekannt geworden war, dass die Spuren zweier grösserer Verdachtsfälle auf Anlagebetrug nach Zug führten. In einem Fall war mit der Handelsplattform Bitfinex auch der Kryptosektor betroffen (zentralplus berichtete).

Der «Zuger Zeitung» sagte Tännler damals, Zug müsse sich keine Sorgen um seinen Ruf machen. Bei rund 33'000 Firmen auf Platz würde es unweigerlich schwarze Schafe geben: «Proportional wohl nicht mehr als in den anderen ähnlich grossen Wirtschaftszentren in demokratischen Rechtsstaaten.»

Behörde in Estland hat Lizenz widerrufen, Inhaber macht sich rar

Zurück zu Cryptoscore: Mindestens bis vergangenen Mai hat das Unternehmen auf seiner Website behauptet, über die «benötigten Lizenzen für den Raum Schweiz, Lichtenstein & Europa» zu verfügen. Ebenso werde es von der estnischen Geldwäschereibehörde FIU reguliert. Doch bei der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht ist die Firma nicht registriert. Und aus Tallinn schreibt eine FIU-Sprecherin, die Behörde hätte Cryptoscores Bewilligung widerrufen, Kryptogeld gegen herkömmliches, sogenanntes Fiatgeld herauszugeben – und zwar schon 2020.

Trotzdem: Der Eintrag in die Warnliste heisst nicht zwangsläufig, dass etwas Illegales vorgefallen ist. Die Zuger Staatsanwaltschaft führt keine Untersuchung gegen Cryptoscore oder deren Inhaber. Und die Finma listet Unternehmen, wenn sie einen Verdacht auf unerlaubte Tätigkeiten nicht erhärten konnte, weil Firmen falsche Angaben gemacht haben oder ihrer Auskunftspflicht nicht nachgekommen sind.

zentralplus sollte es nicht anders gehen als den Behörden: Trotz eines halben Dutzends Versuchen per Telefon, E-Mail und Kontaktformular reagierten weder Crpytoscore noch der Firmeninhaber auf unsere Anfragen. Damit bleibt unklar, was die Zuger Kryptofirma zum Verdacht sagt, Dinge zu versprechen, die sie nicht hält.

Vorsicht bei garantierten Gewinnen

Für Konsumentenschützer Jucker derweil ist klar: Wer sein Geld Kryptohandelsplattformen anvertrauen will, sollte auf eine Reihe von Warnsignalen achten: «Vorsicht ist geboten, wenn auf der Website ein Impressum fehlt, wenn der Kontakt nur per E-Mail oder Kontaktformular möglich ist. Weitere Warnsignale sind fehlende oder ausländische Handelsregistereinträge oder wenn einem Gewinne garantiert und Risiken ausgeschlossen werden.»

Die Stiftung Konsumentenschutz hat in einem Onlineratgeber festgehalten, worauf es bei Krypto-Investments zu achten gilt. Die Kantonspolizei Zürich sensibilisiert die Bevölkerung über das Portal Cybercrimepolice auf die Gefahren von Internetkriminalität. Dort führt sie eine eigene Liste mit verdächtigen Anlageportalen. Und schliesslich findet sich hier die Warnliste der Finma.

Verwendete Quellen
  • Website der Cryptoscore ÖU (aktuelle und Archivversion)
  • Schriftlicher Austausch mit Lucien Jucker
  • Angaben aus dem Handelsregister des Kantons Zug
  • Angaben aus dem estnischen Handelsregister
  • Auskunftserteilung des Personalmeldeamts der Stadt Zürich
  • Warnliste der Finma
  • Schriftlicher Austausch mit der Finma-Medienstelle
  • Schriftlicher Austausch mit Heinz Tännler
  • Artikel in der «Zuger Zeitung»
  • Schriftlicher Austausch mt der Geldwäschereibehörde FIU
  • Liste der als Finanzintermediäre registrierten Unternehmen der Finanzmarktaufsicht Liechteinsteins
  • Schriftlicher Austausch mit der Medienstelle der Zuger Strafverfolgungsbehörden
  • Schriftliche und telefonische Anfragen an Cryptoscore sowie deren Inhaber
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