Wirtschaft

Blick ins SRF-Archiv
Überlebenskampf der Lokalmedien in Luzern

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 3
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Im SRF-Archiv finden sich etliche TV-Berichte über die Veränderungen in der Luzerner Medienlandschaft. (Bild: Screenshot SRF)

Der Abstimmungskampf zum Mediengesetz ist lanciert. Dieses soll das Überleben von Lokalmedien sichern. In Luzern läuft diese Debatte bereits seit 25 Jahren, wie ein Blick ins SRF-Archiv zeigt.

Wer in die Vergangenheit blickt, neigt dazu, diese zu verklären. Die «goldenen Zeiten des Journalismus» sind da keine Ausnahme. Mit Wehmut erinnern sich viele Luzernerinnen daran, dass es hierzulande mit dem «Luzerner Tagblatt», dem «Vaterland» und der «LNN» einst drei Tageszeitungen gab, ebenso in Zug. Seither flammen die Diskussionen um das Medienmonopol in der Zentralschweiz immer wieder auf, wie ein Blick ins SRF-Archiv zeigt.

Die Debatte ist aktueller denn je, stimmt das Schweizer Stimmvolk doch in wenigen Wochen über die Medienförderung beziehungsweise das Mediengesetz ab, die unter anderem Lokalmedien zugutekommen soll (zentralplus berichtete). Der Blick in die Vergangenheit zeigt, wie schwierig es in den letzten Jahrzehnten war, rentabel Lokaljournalismus in Luzern zu betreiben.

Michael Ringier: «Zwei Zeitungen überleben wirtschaftlich nicht»

Die SRF-Berichterstattung beginnt am 14. September 1995. Der Redaktion der «Luzerner Neusten Nachrichten» (LNN) wurde an diesem Tag mitgeteilt, das ihr liberales Traditionsblatt auf Ende des Jahres eingestellt wird. Selbst Chefredaktor Karl Bühlmann wurde von diesem Entscheid überrascht, wie die SRF-Sendung «10 vor 10» berichtete.

Besitzer Michael Ringier sagte zur anstehenden Fusion mit der bürgerlichen «Luzerner Zeitung»: «Schiefgelaufen ist nichts. Es hat sich herausgestellt, was sich in anderen Märkten auf der ganzen Welt auch herausgestellt hat: Dass in einem so kleinen Raum wie Luzern zwei Zeitungen wirtschaftlich nicht überleben können.» Der neue Chefredaktor Thomas Bornhauser versichert im TV-Bericht, die «Neue Luzerner Zeitung» werde politisch weder rechts noch links sein.

Josef Lang schwante Böses

Dennoch regte sich rasch Widerstand. Dass von drei Tageszeitungen noch eine übrig blieb, sorgte beispielsweise für massive Kritik seitens des späteren Zuger Nationalrats Josef Lang. «Eine Monopolzeitung in einer grossen Gegend zu haben, ist etwa gleich schlimm, wie nur eine Partei zu haben», sagte er am 19. September 1995 in der SRF-Sendung «Schweiz Aktuell». «Mir schwant Böses», meinte er weiter.

Selbst der Luzerner SP-Regierungsrat Paul Huber engagierte sich für eine Alternative, was für einiges Aufsehen sorgte. Josef Lang bezweifelte aber noch im gleichen TV-Bericht, dass es aus wirtschaftlichen Gründen kaum möglich sein wird, erneut eine Tageszeitung zu realisieren.

Trotzdem wurde der Versuch gewagt. Noch im Januar 1996 – und damit fast zeitgleich wie die «Neue Luzerner Zeitung» erschien mit «Luzern heute» eine alternative Zeitung. Die Lokalzeitung für die Stadt und die Agglomeration Luzern wurde vom Verein «Projekt Zeitung» gegründet.

«Tages-Anzeiger» wollte nicht investieren

Mit dabei war politische Prominenz wie der spätere Stadtpräsident Urs W. Studer (parteilos) und die Nationalrätin Cécile Bühlmann, wie «Schweiz aktuell» damals berichtete. Das Aktienkapital betrug eine Million Franken, dem «Tages-Anzeiger» war das Projekt wirtschaftlich zu heikel, er entschied sich gegen eine Beteiligung.

Die heutige TX-Group sollte mit ihrer EInschätzung recht behalten. Lange hielt sich «Luzern heute» nicht als Tageszeitung. Bereits im August 1997 wurde das Angebot aus finanziellen Gründen eingedampft, die Zeitung erschien fortan nur noch einmal wöchentlich jeweils am Donnerstag.

Mehrere Rettungsversuche für die Zeitung scheiterten

Neu hatte die Redaktion den Anspruch, komplementär zu sein – und nicht mehr alternativ, wie die Verantwortlichen gegenüber SRF erklärten. Heisst: Man wollte mehr Hintergründe und Einordnungen bieten.

Ein knappes Jahr später war die finanzielle Situation bereits wieder prekär. Die Löhne der Mitarbeitenden konnten nicht mehr bezahlt werden, weil 250’000 Franken fehlten. Nach einem Monat Unterbruch ging es schliesslich weiter, das Unternehmen kämpfte aber weiterhin mit Liquiditätsproblemen.

Diverse Aktionen und Spendenaufrufe bezweckten die Sanierung. So lancierte «Luzern heute» im Sommer 1999 die Idee eines «Club 20». Dabei sollten zwanzig Personen gefunden werden, die je 15’000 Franken, verteilt auf zwei Jahre, einbringen würden. Dem war kein Erfolg beschieden.

Weitere, letzte Rettungsversuche waren eine Benefizveranstaltung im November 1999 und die Aktion «Doppel-Abo»: Ziel wäre es gewesen, 2’100 Leute davon zu überzeugen, fortan 240 statt 120 Franken für ein Jahresabo zu bezahlen. Es fanden sich nur gerade 1’200 Interessentinnen – und damit war die Refinanzierung der zweiten Luzerner Zeitung gescheitert, wie das Staatsarchiv es in seinem Katalog beschreibt. Die letzte Ausgabe erschien am 16. Dezember 1999.

Situation hat sich verschärft

Die «WochenZeitung» (WOZ) wollte in die Lücke springen und lancierte eine WOZ mit Regionalteil Luzern. Die vier regionalen Seiten wurden vom alten «Luzern heute»-Team gemacht, das sich neu organisiert hatte. Auch diesem Unternehmen war jedoch nur befristet Erfolg beschieden: Die letzte Ausgabe erschien am 23. Mai 2002. Ähnliches passierte in Zug mit der «Zuger Presse». 1996 als Antwort auf die Fusion gegründet, wurde die dreimal wöchentlich erscheinende Zeitung zehn Jahre darauf an die «Luzerner Zeitung» verkauft und erscheint seither wöchentlich als Gratiszeitung.

Mit zentralplus erscheint seit 2013 ein lokales Online-Magazin, das für Medienvielfalt in der Region sorgt. Seither hat sich die wirtschaftliche Ausgangslage in der Schweizer Medienlandschaft zusätzlich verschärft. Ein grosser Teil der Aboeinnahmen fiel durch das geänderte Leserverhalten weg. Und Werbeeinnahmen gehen heute zu einem grossen Teil an internationale Tech-Konzerne wie Facebook und Google.

Braucht es eine Medienförderung durch den Bund, um den Journalismus zu retten? Abgestimmt wird über das Mediengesetz am 13. Februar. zentralplus würde davon profitieren (zentralplus berichtete). Noch wichtiger ist aber die Unterstützung durch unsere Leserinnen und Lesern und all jene, denen die Medienvielfalt in der Region am Herzen liegt (zentralplus berichtete).

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3 Kommentare
  1. Oski Gunz, 05.01.2022, 23:17 Uhr

    Zeitungen sind wohl leider ein Auslaufmodell, traurig aber wahr. Eine Zeit mit einem Monopolmedium wünscht man sich nicht zurück, die Konkurrenz durch euch tat auch der LZ gut. Aber auch als es noch drei Zeitungen waren, war nicht einfach alles gut. Es gab einfach drei Berichte zum selben Anlass, die entsprechend gefärbt waren. Man darf nicht vergessen, dass es damals alles Parteizeitungen waren. So wie die NZZ heute noch das Parteiblatt der FDP ist.

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    1. Remo, 06.01.2022, 10:54 Uhr

      Die LNN war kein Parteiblatt. Tagblatt und Vaterland natürlich schon.

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  2. Remo, 05.01.2022, 20:11 Uhr

    Ich habe das Zeitungssterben in Luzern damals mitbekommen. Ich bin in einer LNN Familie aufgewachsen. Von 1995 bis 2010 hatte ich die neue LZ selber abonniert. 2010 habe ich das Abo gekündigt und das erste iPad gekauft und seither bin ich nur noch digital unterwegs. Viele Tageszeitungen und die NLZ ganz besonders haben die Digitalisierung ganz einfach verpennt. Die App der neuen LZ war jahrelang einfach nur schlecht. Es gab ja fast nur das E-Paper. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäss. Auch heute zahlt man sagenhafte 49 Stutz pro Monat für «Print und Digital». Was soll ich mit dem Altpapier? Reine Ressourcenverschwendung. Viele Tageszeitungen zielen auf eine sehr alte Leserschaft und das merkt man deutlich.

    Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

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