Nach plötzlichem Aus der Wochenzeitung

«Anzeiger» weg: Stadt plant neue Gratiszeitung für Luzern

Gilt schon fast als Sammelstück: die letzte Ausgabe des «Anzeiger Luzern». (Bild: mik)

Seit mehreren Monaten gibt es keine Stadtluzerner Gratiswochenzeitung mehr. Nun will der Stadtrat eine neue Publikation lancieren und geht dafür ins Gespräch mit einem Medienunternehmen.

Für die Stadt Luzern ist klar: Medien sind unverzichtbar. Sie würden die Demokratie stärken, indem sie die Bevölkerung informieren und Transparenz fördern würden, schreibt die Stadt in einer Mitteilung vom Montag. Der Stadtrat will deshalb die Lücke füllen, die das Aus des «Anzeiger Luzern» in der Medienlandschaft hinterlassen hat.

In den vergangenen Monaten habe die Stadt verschiedene Alternativen geprüft. Die Idee, das vierteljährlich erscheinende «Stadtmagazin» regelmässiger herauszugeben, habe die Stadt dabei nicht weitergeführt. Die Zeitung müsse redaktionell unabhängig sein, sagt Stadtschreiberin Michèle Bucher auf Anfrage von zentralplus.

Als Alternative schwebt der Stadtregierung ein Printprodukt in Form des «Anzeiger» vor. Es solle monatlich erscheinen und für Vereine, Gewerbe, Parteien und städtische Informationen als Plattform dienen, steht in der Medienmitteilung. Dass es sich um ein Printmedium handle, erachtet der Stadtrat als wichtig, da der «Anzeiger» zuvor vor allem von älteren Personen gelesen worden sei.

Stadt will gemeinsam mit CH Media ein detailliertes Konzept erarbeiten

Mit dieser Grundidee geht die Stadt nun ins Gespräch mit CH Media, der ehemaligen Herausgeberin des «Anzeiger» und dem Mutterkonzern der «Luzerner Zeitung». Gemeinsam mit dem Verlagshaus wolle die Stadt Luzern nun ein detailliertes Konzept erarbeiten, wie es in einer Mitteilung heisst.

Ob die Stadt die Zeitung schlussendlich zusammen mit CH Media herausgeben wird, ist noch nicht definitiv. «Wem wir den Auftrag für das Produkt geben, steht noch nicht fest», erklärt Stadtschreiberin Michèle Bucher. Die Stadt gehe lediglich in den Austausch mit CH Media, da das Unternehmen in den vergangenen Jahren mit dem «Anzeiger Luzern» ein guter Partner gewesen sei. Demnach stehe auch die Finanzierung der Zeitung noch nicht fest.

Ein detailliertes Konzept soll im Herbst 2024 vorliegen. Je nachdem, wie dieses aussehe, komme es dann noch zu einem politischen Prozess, sagt Bucher. Wann also die Luzerner Bevölkerung die neue Zeitung in ihren Briefkästen vorfindet, ist noch nicht klar.

Überraschende Einstellung des «Anzeiger»

Die Nachricht zum Aus des «Anzeiger» erreichte die Bevölkerung im vergangenen Januar überraschend. «Ungenügende Wirtschaftlichkeit» lautet der Grund von CH Media für die Einstellung der Wochenzeitung mit einer Auflage von rund 69’000 Exemplaren.

Im Herbst 2023 hatte CH Media noch mitgeteilt, dass das Medienunternehmen die «Luzerner Rundschau» übernimmt. Diese gehörte bis dahin Christoph Blochers Swiss Regiomedia AG. Die «Rundschau» sollte in den «Anzeiger» integriert werden. In der Zusammenlegung sah CH Media eine Investition in die Zukunft des «Anzeiger». Diese Zukunft war jedoch von sehr kurzer Dauer. Ende Februar 2024 erschien die letzte Ausgabe (zentralplus berichtete). Innert weniger Monate verschwanden beide Gratiswochentitel aus der Luzerner Medienlandschaft.

Das Aus wühlte auf. zentralplus-Leser sorgten sich um die Medienvielfalt (zentralplus berichtete). Auch der Stadtrat zeigte sich betroffen. Er habe erst einen Tag vor der öffentlichen Kommunikation erfahren, dass CH Media die Wochenzeitung einstampfe (zentralplus berichtete). Die Stadt Luzern sei «konsterniert». Die Einstellung des «Anzeiger» sei ein herber Schlag für die Medienlandschaft, schrieb sie damals in einer Mitteilung.

Auch Politiker wurden laut. So forderten die Grünen-Grossstadträte Marco Müller und Christov Rolla, dass die Stadt Luzern eine «regelmässige Informationsvermittlung» in Form eines kostenlosen Printmediums sicherstelle. Die FDP-Fraktion wollte wissen, ob der Stadtrat bei diesem weiteren Medienabbau einschreiten will und ob die Stadt einen «Ersatz-Anzeiger» produzieren könnte.

Verwendete Quellen
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