Wirtschaft

Solarkataster im Kanton Zug
So viel Sonne scheint auf Zugs 66’000 Dächer

  • Lesezeit: 4 min
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So sieht der neue Solarkataster aus. Die roten und orangen Flächen eignen sich besonders gut für Solaranlagen. Hier ein Ausschnitt der Gemeinde Oberägeri. (Bild: Kanton Zug)

Eine neue interaktive Karte zeigt, auf welchen Dächern im Kanton Zug wie viel Sonne scheint. Dieses Solarkataster dient vor allem als Informationsquelle für Interessierte, die auf ihrem Dach eine Photovoltaik-Anlage bauen wollen. Ziel des Kantons: das Fördern der erneuerbaren Energien. Aber der Weg ist noch sehr lang. Denn kaum jemand baut in Zug auf Solarstrom.

Der Kanton Zug will vermehrt auf erneuerbare Energien setzen. Das grösste Potenzial bietet dabei die Solarenergie: Bis zu ein Drittel der gesamten Stromversorgung könnte mit Photovoltaik auf Zuger Dächern gedeckt werden. Doch der Weg dorthin ist noch sehr lang. Heute beläuft sich der Anteil an Sonnenenergie nur gerade auf 0,5 Prozent. Um diesen Wert zu erhöhen, braucht es laut Baudirektor Heinz Tännler auch mehr Information. Das neue Solarkataster soll dabei helfen. 

Was ist ein Solarkataster?

Das Solarkataster ist eine interaktive Karte, die im Internet frei zugänglich ist. Nachdem zu Beginn dieses Jahres bereits eine Solar-Karte für die Stadt Zug erschien, ist diese nun auf den gesamten Kanton erweitert worden. In blau, gelb, orange oder rot sind alle 66’000 Dächer des Kantons Zug markiert. Rot eingefärbte Dächer bedeuten eine sehr hohe Sonneneinstrahlung und sind somit auch sehr geeignet für den Bau einer Photovoltaik-Anlage. So kann jeder Zuger also mit relativ wenig Aufwand einsehen, ob sein Dach für Solarenergie geeignet ist.

Daneben liefert das Solarkataster aber auch Angaben wie die Ausrichtung des Dachs oder den erzielbaren elektrischen Ertrag. Gemäss der Baudirektion ist das Kataster eine «Solarpotenzanalyse». Es eigne sich, um einen ersten Richtwert zu erhalten, welches Potenzial für Sonnenenergienutzung auf einem Dach bestehe. «Das Solarkataster soll Hauseigentümer dazu motivieren, sich mit den Chancen der Sonnenenergie vertieft auseinanderzusetzen», sagt Regierungsrat Tännler, betont jedoch auch: «Die Beratung durch eine Fachperson kann es aber keinesfalls ersetzen.»

Hürden werden gesenkt

Bund und Kantone wollen die Nutzung von erneuerbaren Energien vermehrt fördern und das Verfahren zur Installation von Solaranlagen beispielsweise vereinfachen. Dazu hiess der Bundesrat vor Kurzem die Teilrevision über das Plangenehmigungsverfahren gut. Konkret bedeutet das, dass dank der neuen Regelungen kleine Photovoltaik-Anlagen und andere kleine Stromerzeugungsanlagen künftig ohne Genehmigung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats gebaut werden können. Eine Plangenehmigungspflicht besteht nur noch für Anlagen mit einer Leistung über 30 Kilovoltampere (kVA). Die revidierte Verordnung tritt am 1. Dezember 2013 in Kraft.

Somit genügt in der Regel eine Bauanzeige mit der Unterschrift des Grundeigentümers. Eine solche Bauanzeige umfasst eine schriftliche Mitteilung an die Bauabteilung der Gemeinde, einen aktuellen Situationsplan mit der Darstellung des Vorhabens und den technischen Angaben zur geplanten Anlage. Eine Baubewilligung ist nur noch dann nötig, wenn nachbarliche oder öffentliche Interessen erheblich berührt sind. Ob dies der Fall ist, muss die Baubehörde der Gemeinde entscheiden. Wenn es um Solaranlagen auf denkmalgeschützten Objekten geht, ist immer ein ordentliches Baubewilligungsverfahren durchzuführen.

Die Hürden werden gesenkt. Und mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) kann der produzierte erneuerbare Strom, der den Eigengebrauch überschreitet, ins Stromnetz eingespiesen werden. Diese Energie wird den Produzenten vom Bund finanziell entschädigt. Die KEV deckt die Differenz zwischen Produktion und Marktpreis und garantiert den Produzenten von erneuerbarem Strom einen Preis, der ihren Produktionskosten entspricht.

Kanton Zug: Energieförderprogramm von 16 Millionen Franken

Der Energieverbrauch

Der jährliche Energieverbrauch des Kantons Zug beträgt derzeit rund 4200 Giga-Watt-Stunden, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 38 Mega-Watt-Stunden pro Jahr entspricht. Die grösste Verbrauchergruppe ist der Verkehr (37 Prozent), gefolgt von den Haushalten (24 Prozent), der Industrie (21 Prozent) und den Dienstleistungen (17 Prozent).

Ein weiterer, kleiner Schritt also, der die Einrichtung von erneuerbaren Energieanlagen vereinfachen soll. Auch auf Kantonsebene wird das Thema zunehmend wichtiger, wie Heinz Tännler sagt: «Der Kanton Zug hat ein Energieförderungsprogramm mit einem Volumen von 16 Millionen Franken. Daraus schöpfen wir auch die Beiträge für die Installation von Solaranlagen.» Desweiteren setze man auf kompetente Beratung und versuche selbst schlicht mit gutem Beispiel voran zu gehen, so Tännler.

Damit gemeint sind vor allem Beiträge für Sonnenkollektor-Anlagen zur Wärmegewinnung. Der Beitragssatz beläuft sich auf 20 Prozent der Planungs-, Beschaffungs- und Installationskosten, höchstens jedoch auf 80’000 Franken pro Gebäude.

Solaranlagen – was sind die Kosten?

Wie viel kostet eine Solaranlage? Wie der Verband Swissolar auf seiner Webseite aufzeigt, belaufen sich die Kosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus für eine Photovoltaik-Anlage von rund 28 Quadratmetern zuzüglich steuerlicher Erleichterungen und Förderprogrammen auf rund 20’000 Franken für 4000 Kilowattstunden Strom.

Und mit welchem Aufwand ist zu rechnen? Eine standardisierte Solaranlage für das Warmwasser ist heutzutage in einem, maximal zwei Tagen komplett installiert, so Swissolar. Meist werden Kollektoren, Speicher und Solarkreiskomponenten im Set angeboten. Dies ist kostengünstiger und erleichtert dem Monteur die Arbeit.

Flachdächer prädestiniert

Lediglich ein halbes Prozent des Strombedarfs wird mit Solarstrom «Zug made» gedeckt. Wer hat denn im Kanton Zug überhaupt eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach? Heinz Tännler: «Vor allem Privathaushalte haben Solaranlagen. Bei Unternehmen haben wir das nicht evaluiert. Wir rüsten aber auch immer mehr öffentliche Gebäude mit Photovoltaik aus, wie zum Beispiel das Kaufmännische Bildungszentrum Zug (KBZ).» Zudem würden auch landwirtschaftliche Betriebe beispielsweise ihre Scheunen immer öfters mit Solaranlagen ausstatten. Doch leider seien es noch viel zu wenige, so Tännler.

Dabei ist die Dächerstruktur im Kanton Zug besonders gut für Solaranlagen geeignet. Über 43 Prozent der Dachflächen im Kanton Zug sind flach. Für die Nutzung von Sonnenenergie sind Flachdächer sehr gut geeignet. Im Kataster präsentieren sie sich meist in oranger Farbe und weisen damit eine hohe Sonneneinstrahlung auf. Bis vor kurzem wurden Photovoltaikmodule auf Flachdächern meist in relativ steilem Winkel nach Süden ausgerichtet. Dank verbesserter Modultechnologie sind eine wesentlich flachere Montage und auch Ost-West-Ausrichtungen möglich. Die Energieerträge werden bei dieser Ausrichtung über eine längere Tageszeit, mit reduzierter Mittagsspitze, verteilt.

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