Wirtschaft
Eröffnung eines neuen Campus in Luzern

So sollen in Luzern Mädchen fürs Programmieren begeistert werden

Ziel des neuen Campus ist es, mehr Jugendliche für sogenannte MINT-Fächer zu begeistern. (Bild: Philipp Schmidli)

In einem neuen Campus in Luzern werden junge Talente im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gefördert. So will man dem Fachkräftemangel entgegenarbeiten – und mehr Mädchen für die Fächer begeistern.

Wie lassen sich Mädchen für sogenannte MINT-Berufe begeistern? Nach wie vor sind Frauen in Berufen, die sich um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) drehen, klar in der Minderheit.

Es ist eine Frage, die Bund und Kantone umtreibt. Mehrere Projekte wurden ins Leben gerufen, um mehr Jugendliche für die Fächer zu begeistern. Hinzu kommt der Fachkräftemangel. So prognostiziert der Branchenverband ICT-Berufsbildung Schweiz bis ins Jahr 2028 einen Mangel an 35'800 Fachkräften.

Auch in Luzern versucht man das Problem anzugehen. Und das auf eine «grundlegend neue Art», wie die Verantwortlichen mitteilen. An diesem Samstag eröffnete der ICT Scouts/Campus Förderverein seinen ersten ICT Campus der Zentralschweiz in Luzern. Den Förderverein ICT Scouts/Campus ins Leben gerufen hat Rolf Schaub.

Es ist das einzige unter über 600-MINT-Förderangeboten der Schweiz, welches in einem systematischen Verfahren an den Volksschulen mehrheitlich verborgene MINT-Talente findet. Das heisst auch: 50 Prozent Mädchen. Diese werden kontinuierlich bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit gefördert und begleitet, um sie dann mit den Lehrbetrieben und höheren Bildungsanstalten aktiv zu vernetzen.

Das macht das Förderangebot so besonders

Was macht das Förderangebot des CSS ICT Campus besser? «Besser ist vielleicht das falsche Wort», sagt Dominik Strobel, Projektleiter Marketing und Kommunikation von ICT Scouts/Campus. «Aber anders.» Insbesondere drei Merkmale machen das Förderprogramm aus. «Wir sind das einzige MINT-Förderprogramm, welches in einem systematischen Verfahren an den Volksschulen mehrheitlich verborgene MINT-Talente findet – mittels Scouting –, diese kontinuierlich bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit fördert und begleitet – mittels Campus –, um sie dann mit den Lehrbetrieben und höheren Bildungsanstalten aktiv zu vernetzen.»

Eine weitere Spezialität sei der Fokus auf Selbstständigkeit im Campus. Es gibt keine Kurse, kein strukturiertes Angebot. Die Jugendlichen wählen und bearbeiten ihre Projekte selbstständig, informieren sich im Internet anhand von Tutorials, helfen sich gegenseitig oder werden von den ICT-Coaches unterstützt.

So ergibt sich im ICT-Campus auch eine Vielfalt von Themen. Von Programmieren über Robotik und Internet of Things, Webdesign, Game Design bis hin zu Animation und Video Produktion sei alles vorhanden.

ICT Campi: 45 Prozent Mädchenanteil

Warum entscheiden sich denn eigentlich nur so wenige Mädchen und junge Frauen für ein MINT-Studium oder eine MINT-Ausbildung? Das sei eine Frage für Psychologen, findet Strobel. «Und sie tun sich schwer damit.» In der Tat würden wohl alle erwähnten Faktoren wie eine geringere Selbsteinschätzung, fehlende weibliche Vorbilder so wie Stereotypen in Werbung, Erziehung und an Schulen eine Rolle spielen.

«Ich sage stets, wir finden die Mädchen, weil wir sie nicht suchen.»

Dominik Strobel, ICT Scouts/Campus

«Wir beschäftigen uns aber nicht mit dem Problem», so Strobel. Mit ihrem Campus wollen sie nach vorne blicken und viel mehr Probleme wie den Fachkräftemangel anpacken. «Rolf Schaub, der Initiant und Geschäftsleiter des Förderprogramms, hat, wenn nicht die Lösung, so doch zumindest eine Abhilfe zum Problem entdeckt und umgesetzt.»

Der Mädchenanteil in den bestehenden ICT Campi beträgt 45 Prozent, wie Strobel sagt. «Wir sind also noch nicht ganz bei 50 Prozent. Daran arbeiten wir aktuell.» Doch die Zahlen lassen sich sehen. Im Vergleich dazu sind lediglich 8 Prozent der aktuell Informatiklernenden weiblich.

Das Geschlecht spielt keine Rolle

Für ihre Förderprogramme suchen sie «Talente, ohne Fokus auf Geschlecht oder andere Kriterien», wie Strobel betont. «Ich sage stets, wir finden die Mädchen, weil wir sie nicht suchen.» Mädchen seien nicht die einzige Minorität im MINT-Bereich – lediglich die auffälligste. Durch die Systematik bei der Talentsuche erreiche man nahezu perfekte Diversität.

«Wir suchen damit jedoch nicht den besten Programmierer oder die beste Programmiererin.»

Dominik Strobel

Da sie weder nach Vorkenntnissen noch nach Mathekenntnissen oder ähnlichem suchen, stellen sie kaum Unterschiede zwischen Buben und Mädchen fest. «Unterschiede vielleicht in der Art, wie sie die Aufgabe angehen, aber nicht in der Fähigkeit oder in der Motivation, sie zu lösen», so Strobel. Obwohl Mädchen manchmal etwas mehr ermutigt werden müssten: «Es braucht manchmal etwas mehr Fürsprache, bis Mädchen die Einladung in den ICT-Campus annehmen und mehr Betreuung damit sie bleiben.» 

So werden Kids gefunden

Die Kids werden also in einem systematischen Verfahren an Schulen gefunden. Wie läuft dieses Verfahren konkret ab?

Strobel erklärt, dass sie dazu einen eigens dafür entwickelten Programmierworkshop anwenden, der vier Lektionen dauert. Jeweils zwei von ihnen speziell geschulte Lehrpersonen besuchen die Klassen. Der Workshop ist für die Schulen kostenlos und vermittelt Kompetenzen nach Lehrplan 21 im Bereich Medien und Informatik. «Wir suchen damit jedoch nicht den besten Programmierer oder die beste Programmiererin.»

Man suche nach «einem Feuer für die digitale Welt», und nach der Fähigkeit, abstrakte Probleme zu lösen. Da gebe es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ihnen sei es wichtig, ganze Klassen aller Niveaus einer Schule zu scouten. «Der eigentliche Bewertungsraster ist quasi Betriebsgeheimnis.»

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