Wirtschaft
Neue Umfrage zeigt Erstaunliches

Luzerner Neustadt-Geschäfte profitieren kaum vom Tourismus

Das Bellini im Vögeligärtli in der Neustadt: Wie viele Touristen kommen hierher? (Bild: zvg)

Luzern lebt vom Tourismus – ganz Luzern? Eine Umfrage des Neustadt-Vereins zeigt ein anderes Bild. Für den Umsatz der dortigen Geschäfte ist der Tourismus vernachlässigbar.

Eine neue Umfrage bestätigt, was Luzernerinnen schon wissen: Touristen meiden die Neustadt grösstenteils. Zum Glück, sagen sich viele Einheimische, die wiederum die touristischen Ballungsräume Kapellbrücke/Schwanenplatz/Grendel weiträumig umfahren. Luzern – eine zwischen Massentourismus und Einwohnerschaft separierte Stadt?

Der Quartierverein Hirschmatt-Neustadt hat die Diskussion aufgegriffen und wollte von seinen Geschäften im Juni wissen, inwiefern diese von den Reisenden profitieren. Denn die Touristiker werden angesichts der Skepsis, die sich breitmacht, nicht müde zu betonen: Alle profitieren vom Tourismus.

Das trifft aber nur bedingt auf die Neustadt zu: «Die Umfrage zeigt auf, dass nicht automatisch alle vom Tourismusboom in Luzern profitieren», sagt Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins. Das Resultat entspreche seinen Erwartungen. «Nun wissen wir auch, dass es tatsächlich so ist.»

Grosser Rücklauf

Bei der Umfrage haben 74 von 167 angefragten Unternehmen – also rund 44 Prozent – mitgemacht. Die Neustadt lebt im Unterschied zur Altstadt von eher kleinen, unabhängigen Geschäften – Touristenshops und Luxus-Uhren sucht man hier vergebens.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Weniger als 5 Prozent des Umsatzes werde mit Touristen erzielt, gab die Hälfte der Geschäfte an. 31 Prozent teilten sogar mit, gar keinen Umsatz mit Touristen zu erzielen.

Es gebe zwar vereinzelt Geschäfte in der Neustadt, die dank des Tourismus an Aufträge kommen – es seien aber verschwindend wenige, so Schulthess.

So wenig Umsatz machen die Neustadt-Geschäfte mit Touristen:

Bei rund 40 Prozent der Geschäfte gehören Schweizer Tagestouristen und Individualreisende durchaus auch zur Kundschaft. Die mit Cars herbeichauffierten Gruppenreisenden hingegen schaffen es kaum in die Neustadt (nur 2 Prozent der Geschäfte).

Für Schulthess überraschend: «Viele Geschäfte haben Schweizer Tagestouristen, aber diese machen einen geringen Anteil am Umsatz aus.»

Welche Touristen verkehren in Neustadt-Geschäften:

«Gruppenreisende spielen bei den kleinen Läden und Unternehmen – ausgenommen bei den Hotels – keine Rolle», bilanziert der Quartierverein. Der Anteil der Touristen habe sich bei den allermeisten Unternehmen nicht verändert, obwohl sonst die Anzahl Besucher in Luzern seit Jahren steigt. Für Schulthess ist das eine erstaunliche Erkenntnis.

Wie folgende Grafik zeigt, ist bei 77 Prozent der Geschäfte der Anteil an Touristen unverändert geblieben, bei 19 Prozent hat er zugenommen – und bei 4 Prozent abgenommen. Und auf die Frage, ob das Geschäft von der kürzlichen Riesengruppe von chinesischen Touristen profitiert habe, sagten ganze 91 Prozent Nein.

So hat sich der Anteil von Touristen als Kunden verändert:

Beitrag an hitzige Diskussion

Man wolle mit der Umfrage einen Beitrag leisten an die aufgeflammte Diskussion, wohin sich die Touristenstadt entwickeln soll, so der Quartierverein. «Es ging uns aber nicht darum, den Tourismus in Luzern schlecht oder gut zu reden.»

Schulthess präzisiert: «Wir wollen erreichen, dass auch die kleinen Läden und Unternehmen der Neustadt gehört werden.» Denn diese drohen in der Debatte neben den einflussreichen und tourismusfreundlichen Vereinigungen unterzugehen.

Gutschein-Heftli reicht nicht

«Es gibt das Versprechen, dass man den Dialog mit der Bevölkerung über den Tourismus sucht, aber bisher hat man diesen gescheut», bedauert Schulthess. Denn Charmeoffensiven, wie das kürzlich lancierte Gutscheinheft der IG Weltoffenes Luzern, seien gut und recht, aber reichen nicht.

Die Umfrage wurde bei Mitgliedern des Quartiervereins und Nutzerinnen der lokalen Shopping-App «Findeling» durchgeführt. Sie erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch. 78 Prozent der Geschäfte, die teilnahmen, liegen in der Luzerner Neustadt, die restlichen im Bruchquartier, der Kleinstadt oder Altstadt.

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