Wirtschaft

Zukunft des Hotels Albana in Weggis
Luxuswohnungen im Hotelpark geplant

  • Lesezeit: 7 min
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Das Hotel Albana in Weggis hat mehrere Male die Besitzer gewechselt. (Bild: Robert Müller)

Der Mann ist kaum bekannt, aber hat grosse Pläne und Geld: Immobilieninvestor Daniele Obino aus Ruswil hat das Viersterne-Hotel Albana in Weggis gekauft. Im Hotelpark will er Luxuswohnungen bauen und stellt seine Pläne erstmals genauer vor. Wer ist Obino?

Ob er der neue Hotelkönig von Weggis ist, will zentral+ von Daniele Obino als erstes wissen. Der Mann lacht am Telefon und meint: «König passt nicht zu mir, ich bin ein bescheidener Mensch.» Die Frage drängt sich auf. Denn Immobilieninvestor Daniele Obino hat sich an der sogenannten Luzerner Riviera bereits ein grösseres Hotel-Portfolio zusammengekauft. In Greppen gehört ihm das Hotel St. Wendelin mitsamt Teilen der Wendelmatte, in Weggis besitzen er oder seine Familie die Hotels Beau Rivage und Central am See. Und nun ist vor rund einem Monat auch noch das denkmalgeschützte Hotel Albana dazu gekommen. Das Hotel ist bis im Herbst dieses Jahres verpachtet und wird vor allem mit chinesischen Reisegruppen belegt.

Sohn von Gastarbeitern

Daniele Obino hat das Hotel Albana von der Mobimo AG gekauft. Gemäss Recherchen von zentral+ soll er dafür rund vier Millionen Franken bezahlt haben, doch bestätigen will er das nicht. «Die Parteien haben sich geeinigt, dass der Kaufpreis nicht genannt wird.» Vor der Mobimo AG gehörte das «Albana» dem russischen Investor und Multimillionär Alexander E. Udodov (siehe Kasten unten).

Vater war Gastarbeiter

Doch wer ist Daniele Obino? Der 56-jährige gelernte Bauingenieur aus Ruswil ist in der Bau- und Immobilienbranche kaum bekannt. Obino schreibt dies seiner Biografie zu. «Ich bin Sohn italienischer Gastarbeiter, meine Mutter und mein Vater waren Fabrikarbeiter. Wie sie, habe auch ich mit nichts angefangen. Meinen Erfolg betrachte ich als grosses Glück, ich prahle nicht damit.» Wie auch immer, Daniele Obino ist ein gemachter Mann. Mit seinen verschiedenen Firmen verfügt er schweizweit über ein Immobilienportfolio, dessen Wert er auf rund 200 Millionen Franken schätzt. Er ist ausserdem Mehrheitsaktionär von zwei Architekturbüros in Sursee und Triengen.

Zu Geld gekommen ist Daniele Obino in der Mobilfunkbranche. Er war Gründer und Mehrheitsaktionär des auf die Planung und Realisierung von Mobilfunknetzen spezialisierten Firma Casaplan Holding AG in Sursee (heute Enkom). Die Firma baute für verschiedene Mobilfunkanbieter die Funknetze auf. Dabei profitierten die Gesellschaften der Casaplan Holding AG gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kräftig von der Mobilfunkeuphorie. «Das war wie Goldschürfen», sagt Daniele Obino, «in den guten Jahren haben wir zwei Mobilfunk-Antennenstandorte pro Tag abgeliefert.»

Zuletzt erzielte Daniele Obinos Firma mit gegen 300 Beschäftigten einen Umsatz von jährlich bis zu 70 Millionen Franken. 2007 verkaufte er die Casaplan Holding AG mit deren Tochtergesellschaften. «Seither widme ich mich wieder meiner angestammten Tätigkeit, Immobilienprojekte zu entwickeln. Das war schon immer meine Berufung. Ein Objekt entstehen zu sehen ist für mich ein erbauendes Gefühl.»

30 Wohnungen beim «Albana»

Ob ihm die neueste Immobilie Hotel Albana, Spass bereiten wird, ist offen. Bekannt ist, dass Daniele Obino das Hotel für rund 22 Millionen Franken renovieren und als Boutique-Hotel verpachten will. Und bekannt ist auch, dass Daniele Obino im Park des Hotels Albana Appartements bauen will, damit er den kaum rentablen Betrieb des dereinst renovierten Hotels quersubventionieren kann.

Bislang allerdings war nicht klar, was der neue Besitzer genau plant. Nun präzisiert er gegenüber zentral+, er wolle im Park des Hotels Albana fünf bis zehn Bungalows mit ingesamt mindestens 30 Wohneinheiten bauen. Diese Wohnungen mit 2,5 bis 3,5 Zimmern sollen an gut betuchte Leute verkauft oder vermietet werden. «Das sind keine eigentlichen Alterswohnungen», präzisiert Daniele Obino, «sondern Wohnungen für Leute, die sich ein schönes Leben gönnen, die Aussicht auf den See oder den Park vom Albana aus geniessen möchten und sich das Serviceangebot des Hotels leisten können.»

«Es bedarf neuer touristischer Formen, speziell bei unserer starken Währung.»
Daniele Obino, Immobilieninvestor und Hotelbesitzer

Eine kleine Luxusoase im Park des Hotels Albana also. Doch um diese Pläne dürfte es ein mächtiges Gezerre geben. Denn das Hotel Albana liegt in der Kur- und Hotelzone von Weggis. Hier müssen zwingend 75 Prozent der Bruttogeschossflächen touristisch genutzt werden, der Fremdnutzungsanteil etwa für das Wohnen darf höchstens 25 Prozent betragen.

Gemeinde weiss noch nichts

«Wir wissen bisher nichts Konkretes über die Pläne des Eigentümers», sagt der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach (FDP). «Der Spielraum ist aber durch die Kur- und Hotelzone, den Ortsbildschutz und die Auflagen der Denkmalpflege definiert. Wir werden mit dem Eigentümer gemeinsam ausloten, welche Möglichkeiten es gibt.»

Baptist Lottenbach gibt zu verstehen, dass Weggis mit der Kur- und Hotelzone, die vor über 20 Jahren eingeführt wurde, bisher gute Erfahrungen gemacht hat. «Wir haben in Weggis immer noch eine intakte Hotellerie», sagt er, «das ist beispielsweise im Vergleich mit anderen Gemeinden, wo Jahr für Jahr Hotels verkauft und geschlossen werden, ein grosser Vorteil. Wir sind attraktiv geblieben.»

Plan B: Umzonung in Wohnzone

«Wir können die Touristen nicht zwingen, in Weggis Ferien zu machen», sagt dagegen Daniele Obino. «Es bedarf neuer touristischer Formen, speziell bei unserer starken Währung.» Er erhofft sich, dass ihm die Gemeinde bei der Auslegung der Bau- und Zonenordnung entgegenkommt, damit er mit der Überbauung des «Albana»-Parks genügend Rendite für die Quersubventionierung des Hotels erzielen kann. Wenn dies nicht funktioniere, gäbe es für ihn noch den Plan B. «Der Plan B ist eine Umzonung des Areals aus der Kur- und Hotelzone in die Wohnzone.» Er fügt bei: «Wenn das nicht funktioniert, kann die Renovation des Hotels Albana kaum finanziert werden. Dann wird das Hotel nicht überleben können.

Zonenplanänderung politisch heisses Eisen

Allerdings, ein Sonntagsspazierung wird die Zonenplanänderung nicht. Sie müsste von allen Behörden und vom Weggiser Stimmervolk an der Urne genehmigt werden, und ob die Bevölkerung schon wieder über ein solches Geschäft abstimmen will, ist fraglich. Erst 2013 hat Weggis über die Ortsplanungsrevision abgestimmt.

Der Investor kommt auch nicht um den Innerschweizer Heimatschutz und den Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee herum. Diese Verbände sind einspracheberechtigt, wenn das Bauvorhaben nicht dem Orts- und Landschaftsschutz entspricht. Die Schutzverbände haben schon einmal, gemeinsam mit den Nachbarn, eine wichtige Rolle gespielt, als sie zwischen 2010 und 2012 ein riesiges Hotelprojekt des russischen Vorbesitzers Alexander E. Udodov «bodigten».

Zähes Ringen um Grünzone

Nicht vollständig zum Ziel gekommen ist Daniele Obino letztes Jahr in der Nachbargemeinde Greppen. Dort hat er das Hotel St. Wendelin mitsamt Teilen der davor liegenden Wendelmatte gekauft, die sich bis zum Ufer des Küssnachterbeckens erstreckt. Diese Matte, eingezont als Bauland, wollte der Immobilieninvestor mit Wohnungen überbauen. Eine Scheune am Seeufer wollte er abreissen und an ihrer Stelle ein Haus für sich selbst erbauen.

Es gab ein langes und zähes Ringen, sagt Franz Gisler, Kantonsrat, Gemeindeammann und Bauvorsteher in Greppen (SVP). «Die Bevölkerung wollte einen Teil der grünen Matte zwischen dem Hotel St. Wendelin und dem See erhalten.» Dementsprechend verkleinerte sie bei der Abstimmung über die Teilrevision der Ortsplanung die Bauzone auf der Wendelmatte.

Daniele Obino reichte eine umfangreiche Beschwerde beim Regierungsrat ein. Doch die Regierung stützte im letzten Oktober den Entscheid der Stimmbürger von Greppen und wies die Beschwerden ab. «Statt der ursprünglich geplanten 9’000 Quadratmeter Wohnfläche kann ich jetzt lediglich 3’000 bis 4’000 Quadratmeter realisieren», bedauert Daniele Obino, doch er habe den Entscheid der Regierung akzeptiert.

Planerische Hürden

Was mit dem Hotel St. Wendelin geschehen soll, ist offen. Gegenwärtig ist dort im Untergeschoss die Fabrikation der Chocolateria und Gelateria «Dolce Amore» eingemietet, die in Luzern ein Café betreibt. «Wir werden nun über das ganze Areal einen Architekturwettbewerb ausschreiben und darauf gestützt einen Gestaltungsplan einreichen», sagt Daniele Obino.

Ähnliche Planungsschritte warten auf Daniele Obino auch beim Hotel Albana in Weggis.

Hier muss er differenzierte Volumenstudien und einen Architekturwettbewerb machen. Die grosse Frage ist, ob es Obino gelingt, ein zonen- und ortsbildkonformes Projekt aufzugleisen. «Sobald der noch bestehende bestehende Pachtvertrag fürs Albana ausläuft, kann ich loslegen», sagt Daniele Obino, «ich werde zwischenzeitlich zusammen mit Behörden und Verbänden ein passendes Projekt für das Albana-Areal entwickeln.»

 

Wechselvolle Geschichte des Hotels Albana

 

Das 4-Sterne-Hotel Albana wurde 1896 eröffnet. Seither ist es immer öffentlich zugänglich gewesen. Der berühmte Spiegelsaal des Hotels war eine wichtige Plattform für Kulturanlässe wie Konzerte, Lesungen und Ausstellungen.

2007 wurde das Haus vom russischen Investor und Multimillionär Alexander E. Udodov gekauft. Hinter Udodov stand ein weit verzweigtes Geflecht von Offshore-Briefkastenfirmen. Über diese Firmen sollen gemäss «Tages-Anzeiger» zwischen 2007 und 2009 insgesamt 330 Millionen US-Dollar in die Schweiz transferiert worden sein, darunter die Kaufsumme für das Albana. Weil die Herkunft der Gelder nicht schlüssig geklärt werden konnte, eröffnete die Bundesanwaltschaft ein Verfahren wegen möglicher Geldwäscherei. Ein Rechtshilfegesuch an den russischen Generalstaatsanwalt wurde jedoch nie beantwortet, sodass die Bundesanwaltschaft das Verfahren einstellen musste. Alexander E. Udodov werden exzellente Verbindungen in den Kreml nachgesagt. Die Vermutung, dass Udodov der Postino der russischen Nomenklatura ist, ist naheliegend, wurde aber nie bewiesen. Weil kein Verfahren gegen Udodov abgeschlossen wurde, gilt er als unschuldig.

Im Herbst 2013 übernahm die Mobimo AG das Hotel Albana. Nach etwas mehr als einem Jahr verkaufte sie das Albana an die Novoreal AG, die Daniele Obino gehört.

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