Wirtschaft
Petition gegen Grossanlass im KKL

Klimastreik stellt sich gegen «Erdölparty» im KKL

Petitionäre vom Klimastreik Zentralschweiz überreichten am Freitag vor dem Luzerner Stadthaus eine Petition. Darin fordern sie den Stadtrat und das KKL auf, das Schlumberger Digital Forum abzusagen. (Bild: moc)

Am Schlumberger Digital Forum im KKL trifft sich das Who's who der Erdölbranche. Nun fordert Klimastreik Zentralschweiz die Direktion des KKL und den Stadtrat auf, den Anlass abzusagen.

Vertreter der grössten Erdölgesellschaften der Welt treffen sich im September im KKL in Luzern. Unter den Teilnehmerinnen des Schlumberger Digital Forums befinden sich auch namhafte Grössen aus der Techbranche, unter anderem Microsoft-CEO Satya Nadella (zentralplus berichtete). Jetzt regt sich Widerstand gegen den dreitägigen Grossanlass mit über 1’000 Gästen.

«Die Öl-Barone, die sich im KKL treffen, sind die Schuldigen an der verheerenden Flut und den über tausend Toten in Pakistan, aber auch die extreme Trockenheit diesen Sommer und viele vergangene und zukünftige tödliche Umweltkatastrophen gehen auf ihr Konto», schreiben die Aktivisten vom Klimastreik Zentralschweiz auf der Online-Petitionsplattform Campax.

Sie fordern die KKL-Direktion und den Stadtrat auf, den Anlass abzusagen. «Die Veranstaltung ist nicht mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar und darf daher gar nicht stattfinden, schon gar nicht in einem mit öffentlichen Mitteln unterstützten Haus», heisst es auf der Plattform weiter.

Ein «anachronistischer» Event

Am Freitag überreichten die Petitionäre der Stadtkanzlei knapp 1’000 Unterschriften. Diese sind innert zwei Tagen zusammengekommen. «Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir sicher noch mehr Unterschriften gesammelt», sagt Adrian Muheim vom Klimastreik Zentralschweiz.

Er bezeichnet den Anlass im KKL als «anachronistisch». Es könne nicht sein, dass Luzern Unternehmen, die weltweit für Klimakatastrophen verantwortlich seien, eine Plattform biete.

Weil die Petitionäre die KKL-Direktion kurzfristig nicht erreichen konnten, überreichten sie die Petition der Stadtkanzlei.

KKL evaluiert «sehr wohl», wer veranstalten darf und wer nicht

Die Frage, ob das «Schlumberger Digital Forum» abgesagt werden soll, stellt sich für das KKL nicht. Aber: «Sehr wohl evaluieren wir, wer bei uns im Haus veranstaltet und wer nicht, und dabei gibt es Veranstaltungen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht im KKL Luzern durchgeführt werden können», schreibt Sprecherin Corinne Schneebeli auf Anfrage.

Dies gelte für die Bereiche Kultur, aber auch für andere Meetings, Ausstellungen oder Messen. Aus Datenschutzgründen will das KKL aber keine Veranstaltungen nennen, die das Kulturhaus in der Vergangenheit abgelehnt hat.

Dass das Schlumberger Digital Forum das gesamte Haus exklusiv gemietet hat und es während der Dauer der Veranstaltung für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, sei zudem nichts Aussergewöhnliches, heisst es vonseiten KKL weiter. «Auch andere Veranstaltungen hatten und haben das KKL exklusiv gemietet.»

Stadtrat sieht keinen Grund zur Intervention

Die Petition wird nun im ordentlichen Verfahren behandelt. Bis wann die Antwort des Stadtrats vorliegt, stehe zum heutigen Zeitpunkt nicht fest, schreibt Stadtpräsident Beat Züsli (SP) auf Anfrage. Klar ist aber: Bis dahin wird der Anlass von nächster Woche bereits stattgefunden haben.

Auch Züsli sieht keine Grundlage, um das Schlumberger Digital Forum abzusagen. «Die Durchführung solcher Grossveranstaltungen obliegt in der vollen Kompetenz und Verantwortung des KKL, auch wenn die Stadt Luzern jährlich finanzielle Mittel an die Trägerstiftung des KKL leistet», schreibt Züsli. Solange die Gesetze eingehalten würden, nehme der Stadtrat keinen Einfluss auf die Veranstaltenden.

Hinweis: Der Beitrag wurde mit der Antwort von Stadtpräsident Beat Züsli ergänzt.

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