Verkehr & Mobilität Wirtschaft

«Ökologischere» Autos werden wohl teurer werden
Kanton Zug reagiert auf Plug-in-Pfusch bei Hybrid-Autos

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 6
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Regierungsrat Beat Villiger stellt höhere Steuern für Plug-in-Fahrzeuge in Aussicht. (Bild: Jakob Härter / zvg)

Eine Westschweizer Studie zeigt, dass die Ökobilanz von Hybrid-Autos mit Plug-in deutlich schlechter ist als angenommen. Für Besitzer solcher Wagen im Kanton Zug dürfte das finanzielle Konsequenzen haben.

Die Idee klingt gut. Anstatt nur auf eine Antriebsart zu setzen, verfügen Hybrid-Autos – wie es der Name andeutet – über zwei Antriebe: Einen herkömmlichen Verbrennungsmotor sowie einen Elektroantrieb. Der elektronische Antrieb unterstützt den Benzinmotor, wodurch sich der CO₂-Ausstoss des Autos verringert.

Allerdings ist die Reichweite der Elektrobatterie relativ klein. Rein elektrisch kommt man mit einem Hybrid-Auto darum nicht weit, maximal ein paar Kilometer. Die Autoindustrie hat Abhilfe geschaffen, und sogenannte Plug-in-Hybride entwickelt.

Diese Autos verfügen über eine grössere Elektrobatterie, die sich analog zu rein elektrisch betriebenen Autos an der Steckdose aufladen lässt. Die Reichweite des Autos vergrössert sich dadurch merklich. Durchschnittlich fährt ein Plug-in-Hybrid rund 50 Kilometer ausschliesslich mit dem Elektroantrieb und folglich ohne CO₂-Ausstoss.

Die Autos sind deswegen und aufgrund ihrer guten Umweltbilanz entsprechend beliebt. Gemäss Bundesamt für Statistik sind rund 10 Prozent der gekauften Neuwagen in der Schweiz Plug-in-Hybride und die Zuwachsraten sind enorm.

Plug-in-Hybride weniger umweltfreundlich als angenommen

Ist das Klimaproblem im Strassenverkehr damit gelöst? Naja. Eine Studie, die der Kanton Wallis in Auftrag gegeben hat, lässt Zweifel an der Umweltfreundlichkeit von Plug-in-Hybriden aufkommen. Die Studie des Unternehmens Impact Living aus Yverdon zeigt auf, dass die Ökobilanz dieser Autos deutlich schlechter ist, als es die Hersteller kommunizieren. Im Vergleich zu den Angaben der Produzenten stossen Plug-in-Hybride gemäss Daten aus der Studie 116 Prozent mehr CO₂-Emissionen aus. Mehr als doppelt so viel, wie angenommen.

«Plug-in-Hybride sind weit von ihren Versprechen entfernt und bieten nur geringe oder gar keine Vorteile gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor.»

Studie von Impact Living

Den Grund für die krasse Abweichung sehen die Studienautoren im Verhalten der Autofahrerinnen. Diese würden die Batterie zu wenig oft aufladen. Nur unter «idealen Bedingungen» werden die Angaben der Hersteller erreicht. Die Verfasserinnen der Studie kommen darum zum Schluss: «Plug-in-Hybridfahrzeuge sind weit von ihren Versprechen entfernt und bieten nur sehr geringe oder gar keine Vorteile gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor.»

Zug überprüft Steuerbonus

Aus ökologischer Perspektive ist diese Erkenntnis problematisch. Die Autos täuschen eine gute Umweltbilanz vor, die sie in Wirklichkeit gar nicht aufweisen. Das Ergebnis der Studie dürfte aber auch ein ökonomisches Nachspiel haben – zum Beispiel im Kanton Zug.

«Ein allfälliger Steuererlass als Bonus für klimafreundliche Autos wird geprüft.»

Beat Villiger, Sicherheitsdirektor Kanton Zug

Die Regierung überarbeitet nämlich aktuell die Motorfahrzeugsteuern im Kanton Zug. Wer ein Auto mit guter Ökobilanz fährt, profitiert derzeit von günstigeren Abgaben. Ökologische Alternativen zum herkömmlichen Verbrennungsmotor werden von der Regierung subventioniert. Ein Rechenbeispiel des TCS zeigt, dass es dabei nicht nur um ein paar Rappen, sondern um Beträge im dreistelligen Bereich geht.

Besitzer eines Plug-in-Hybrids der Marke Renault zahlen jährlich 284 Franken Fahrzeugsteuer. Wer in Zug beispielsweise einen Alfa Romeo fährt, der mit Benzin angetrieben wird, zahlt mit 432 Franken über hundert Franken mehr pro Jahr.

Mit dem Steuerbonus dürfte bald Schluss sein. So sagt der zuständige Sicherheitsdirektor Beat Villiger gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass Plug-in-Hybride mit der Revision der Fahrzeugsteuer teurer werden dürften: «Wir werden dabei die Resultate der Walliser Studie in unsere Überlegungen miteinbeziehen und dabei auch die Besteuerung von Plug-in-Hybriden prüfen.»

Kanton Zug will grünere Steuern

Wie viel teurer der Besitz eines solchen Autos künftig wird, will Villiger auf Anfrage von zentralplus jedoch nicht verraten. Dafür sei es noch zu früh. Die Vorlage für eine revidierte Fahrzeugsteuer kommt voraussichtlich im Frühling in die Vernehmlassung. Eine Umsetzung der Steuerrevision erfolgt darum wohl erst ab 2025.

Villiger betont aber: «Der Regierungsrat hat sich eine energieeffiziente Mobilität mit möglichst wenig CO₂-Emissionen zum Ziel gesetzt. Darum wird ein allfälliger Steuererlass als Bonus für klimafreundliche Autos geprüft.» Im Hinblick auf die Studie aus dem Kanton Wallis dürfte das für Plug-in-Hybride bedeuten, dass ein möglicher Steuerbonus entfällt – oder zumindest kleiner sein wird, als bei rein elektrisch angetriebenen Autos.

Bezüglich Steuerbonus für emissionsarme Fahrzeuge hat der Kanton Zug tatsächlich Nachholbedarf, wie der Preisvergleich des TCS zeigt. Während die Steuer für Autos mit Verbrennungsmotor im Vergleich zur Schweiz eher tief ist, gilt für Autos mit wenig CO₂-Emissionen genau das Gegenteil. In mehreren Kantonen, beispielsweise in Zürich, Glarus oder Nidwalden, gibt es für Elektroautos nämlich gar keine Fahrzeugsteuer (zentralplus berichtete).

Steuereinnahmen sinken

Eine ökologische Gesinnung ist aber nicht das einzige Interesse, das der Regierungsrat mit der Revision der Fahrzeugsteuer verfolgt. Pro Fahrzeug wird der Betrag aus dieser Steuer nämlich seit Jahren kleiner, weil sich die Steuer im Kanton Zug aus der Grösse des Hubraums eines Autos berechnet. Weil der Hubraum bei neuen Auto-Generationen immer kleiner wird, sinken damit auch die durchschnittlichen Steuereinnahmen.

Villiger erklärt folglich das übergeordnete Ziel der Steuerrevision: «Ziel der Revision ist die Stabilisierung der Steuereinnahmen und die langfristige Sicherstellung der Strassenbaufinanzierung. Die Steuerbelastung soll darum unabhängig von der Motorentechnologie ausgeglichener ausgestaltet sein als heute.»

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6 Kommentare
  1. mvonrotz, 17.02.2022, 11:31 Uhr

    Erstens gibt es im Kanton Zug aktuell «nur» einen Bonus für komplett elektrische PKW, nicht für Hybride und Zweitens kommt es immer auf die Einsatzart an. Da ich zu 90% Homeoffice mache und auch der Grossteil meiner Fahrten pro Weg weniger als 25km sind und die wenigen Tage im Büro ich dort vor Ort laden kann und Nachts zu Hause, war für mich der Entscheid für einen Plugin-Hybrid klar. Von den knapp 5000km welche ich seit Mitte Juni letzten Jahres gefahren bin sind 3800 rein elektrisch, und der Rest Hybrid und oder rein mit dem Verbrenner zurückgelegt. Der Durchschnittsverbrauch Benzin für diese 1200km nicht rein elektrisch sind 3l/100km. Von diesen 1200km waren ca. 600km Langstreckenfahrten. Für mich passt das extrem gut.

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  2. Verursacher, 16.02.2022, 16:04 Uhr

    Fahrzeuge nach Abmessungen und Gewicht (Platz- bzw. Strassenkosten) und zusätzlich die Energie nach Ökokriterien besteuern!

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    1. mvonrotz, 17.02.2022, 11:10 Uhr

      und das gleiche für alle öffentlichen Verkehrsmittel machen. Wenn schon Verursacherkosten, dann für Alle!

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  3. guido.roth, 16.02.2022, 10:46 Uhr

    Der wichtigste Faktor für die CO2 Bilanz von Plug-In Hybriden hängt nicht am Fahrzeug und auch nicht am Fahrer: es ist die Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten. Wenn man an jedem Abstellplatz wo auch immer Strom verfügbar hätte (zu einem normalen Preis) würden die Fahrer dies nützen, und die Plug-In Hybride würden grösstenteils elektrisch fahren.
    In Realität kann man fast nur in Garagen von Einfamilienhäusern laden. In der Stadt Luzern zB gibt es kaum 10 öffentliche Ladestationen, und deren Gebrauch ist oft noch an den Besitz bestimmter zu kaufender Karten etc gebunden.
    Statt bei den Steuern rumzumäckeln, sollten die Kantone für massiv mehr Lademöglichkeiten und so für mehr elektrisch fahrende PI-Hybride sorgen.

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  4. Null Logik, 16.02.2022, 08:52 Uhr

    Es trifft nicht zu, dass im Kt. ZG Autos mit guter bzw. besserer Ökobilanz von günstigeren Abgaben profitieren. Die Berechnung basiert allein auf dem Hubraum (cm3). Hybridmodelle (Rekuperation, also nicht Plug-in) werden gleich behandelt wie normale Verbrenner. Konkret: Wer seinen Verbrenner (1998 cm3) gegen einen Hybriden (2494 cm3) eintauscht, der 2 Liter/100 km weniger verbraucht (5,5-6 l/100 km), bezahlt trotzdem fast 60 Fr. mehr Verkehrssteuern. Ein ganz schlechter Witz! Laut RR Villiger wird sich das nicht ändern, da ja die Steuereinnahmen stabilisiert werden müssen.

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    1. mvonrotz, 17.02.2022, 11:08 Uhr

      Für Hybrid Fahrzeuge ist Ihre Aussage korrekt. Für reine Elektrofahrzeuge scheint es einen Bonus zu geben, aber das wäre für diesen Artikel ja nicht relevant 🙂

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