Wirtschaft
Sponsoringideen gesucht

«Haribo macht Kinder froh und Studenten ebenso»

Der Lieblingssponsor von zentral+ parkierte vor der Uni Luzern. (Bild: ben.)

Die Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern hat politisch grünes Licht erhalten. Doch Geld gibt es weiterhin keines vom klammen Kanton. Vier Millionen Franken will die Uni für die Anschubfinanzierung aus Drittmitteln auftreiben. Doch Uni-Rektor Paul Richli will sein geplantes Finanzierungskonzept nicht öffentlich debattieren, wie er im Kurzinterview erklärt. Wir haben deshalb die Fantasie ein wenig walten lassen und präsentieren viele viele bunte Sponsoring-Ideen.

Uni-Rektor Paul Richli gibt sich verschlossen, nachdem er während der ersten Beratung des neuen Universitätsgesetzes im Januar noch munter Kommentare abgegeben hatte. Zur Sponsorensuche will er sich momentan nicht äussern. «Unser Finanzierungskonzept möchte ich nicht im Einzelnen in den Medien diskutieren, weil bei der Sponsorensuche auch Vertraulichkeit eine Rolle spielt», sagt Richli gegenüber zentral+. Und weiter: «Es liest niemand gerne in einem Medium, dass er für einen grösseren Beitrag angefragt wurde.»

Ende März wird das Universitätsgesetz zum zweiten Mal im Kantonsrat beraten. Wird es angenommen und gibt es keine Einsprachen, kann die Uni also mit der Suche beginnen. Paul Richli hat angekündigt, er werde die Sponsoringverträge gegenüber der zuständigen Kommission des Kantonsrats offenlegen. zentral+ hat dem Rektor noch einige weitere Fragen gestellt.

Sponsoring, Geheimhaltung und Öffentlichkeitsprinzip

Zentral+:  Herr Richli, Sie haben Ende Januar in den Lokalmedien erklärt, Sie seien nicht bereit, Sponsoringvereinbarungen zu veröffentlichen. Der Kanton Luzern kenne das Öffentlichkeitsprinzip nicht. Sind Sie eigentlich dafür, dass dies so bleibt?

Paul Richli: Ich bin nicht prinzipiell gegen das Öffentlichkeitsprinzip, aber dagegen, dass es nur für die Universität und nur für Donationen gelten soll. Es gibt im Übrigen auch im Rahmen des Öffentlichkeitsprinzips legitime Gründe für die vertrauliche Behandlung gewisser Daten, nämlich schützenswerte private und öffentliche Interessen.

Sie stehen im Spannungsfeld zwischen den Interessen der potentiellen Sponsoren und der Rolle als öffentliche Institution. Sind Sie da nicht etwas einseitig, wenn Sie die Geheimhaltungsinteressen höher gewichten als das Öffentlichkeitsprinzip? 

Mich persönlich stört der Generalverdacht, der – nicht zuletzt im Nachgang zum atypischen Fall in Zürich – gegenüber allen Donatoren gehegt wird. Es wird ja auch nicht erwartet, dass alle Arbeitsverträge veröffentlicht werden. Es gibt Donatoren, die kein Interesse haben, dass sie in der Öffentlichkeit bekannt werden, weil sie sich nicht dem Risiko aussetzen wollen, mit einer Flut von Gesuchen von anderer Seite eingedeckt zu werden, in denen geltend gemacht wird, wenn man schon der Universität eine Unterstützung gewähre, müsse man dies auch gegenüber X tun.

Glauben Sie an die Realisierbarkeit der Wirtschaftsfakultät ausschliesslich mit Drittmitteln?

Wir sind darauf angewiesen, genügend private Drittmittel einzuwerben, sonst können wir die Fakultät nicht eröffnen. Ich bin selbstverständlich zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird. Ich dokumentiere diese Zuversicht ja auch damit, dass ich selber 20‘000 Franken zur Verfügung stelle.

Die Universität Luzern hat im Januar erstmals Sponsoring-Richtlinien für die Annahme von Drittmitteln verabschiedet. An welchen anderen Universitäten respektive Hochschulen haben Sie sich allenfalls orientiert?

Wir haben uns nicht an auswärtigen Regelungen orientiert, sondern Richtlinien nach eigenen Vorstellungen entwickelt, die im Grunde nur das wiedergeben, was wir in der Praxis schon immer gehandhabt haben.

Sind diese Richtlinien strenger oder liberaler als die Richtlinien anderer schweizerischer Universitäten?

Wir haben keinen systematischen Vergleich gemacht. Unsere Richtlinien sind aber insgesamt vergleichbar streng wie etwa die Berner Regelung.

Wurden diese Richtlinien aufgrund des Sponsoring-Falls der UBS mit der Universität Zürich erarbeitet? (Anm. d. Red. die Grossbank erhielt für 100 Millionen Franken ein eigenes Institut an der Uni Zürich. Diese wollte die Vereinbarung zuerst nicht öffentlich machen. Zwei Journalisten erzwangen aber die teilweise Veröffentlichung)

Nein. Der UBS-Fall kann sich bei uns nicht ereignen, er kann daher auch nicht Vorbild für die Regelung sein. Es zeigt sich aber, dass private Drittmittel in den Medien und in der Öffentlichkeit auf vermehrtes Interesse stossen und dass man mehr Transparenz möchte. Diesem Anliegen wollen wir Rechnung tragen.

Könnten diese neuen Regeln nicht abschreckend wirken auf Firmen?

Unsere Richtlinien verankern im Wesentlichen nur die bisherige Praxis. Sie sollten daher nicht mehr abschrecken als die bisherige Praxis.

Wer könnte die Fakultät sponsern?

Die Wirtschaftsfakultät braucht also Geld, einige Millionen Franken, will sie das Licht der Welt erblicken. zentral+ hat für einmal, statt harten Fakten nachzugehen, der Fantasie freien Lauf gelassen und präsentiert – mit einem Augenzwinkern – Vorschläge zum Uni-Sponsoring.

Der Autor schnupperte zur Inspiration ein wenig Uniluft. Zufall oder Fügung – vor dem futuristischen Gebäude der Uni Luzern steht just in diesem Moment ein Lieferwagen von Haribo! «Haribo macht Kinder froh…und Studenten ebenso».  Mit diesem Slogan könnte man die Studis per Lautsprecher in der Mittagspause beschallen und ihnen natürlich ein genügendes Angebot an Haribo-Naschereien an einem Spezialautomaten zur Verfügung zu stellen. Jeder Student und jede Studentin erhält einmal im Monat einen Beutel mit farbigen Haribo-Süssigkeiten und nimmt an einem Wettbewerb teil.  Preis: 200’000 Franken

Nachher die Zähne putzen

Naschereien fördern Karies. Deshalb nicht vergessen, die Firma Trisa in Triengen anzufragen. Der Zahnpastahersteller hat sicher noch ein Werbebudget. Dafür darf die Firma Muster ihrer Zahnpasta in allen WCs der Uni aufstellen – oder am besten gleich neben dem Haribo-Automaten.
Preis: 100’000 Franken

Delikatessen statt Einheitskost

Die Mensa ist an jeder Uni ein Dauerthema. Das Essen soll günstig sein und trotzdem gut. Dennoch beschweren sich die jungen Leute regelmässig. Es wird deshalb Zeit, dass man wegkommt von der «Verpflegungsidee» und die Studis kulinarisch ein wenig verwöhnt.
Unser Vorschlag: Emmi veranstaltet einmal im Monat eine Degustation mit dem «Höhlengereiften» aus der Kaltbachhöhle. Ausserdem präsentiert der Ueli-Hof seine Bio-Fleischspezialitäten. Weitere Spezialitätenanbieter können sich der Aktion anschliessen.
Preis: 100’000 Franken

Grossbank kriegt einen Hörsaal

Die UBS braucht studierte Betriebsökonomen und ist mit über 400 Angestellten ein mittelgrosser Arbeitgeber in der Zentralschweiz. Es spricht nichts dagegen, einen Sponsoringvertrag mit der Grossbank abschliessen. Die Uni Luzern hat im Gegensatz zur Uni Bern ihre Sponsoringregeln bewusst offen formuliert und keine ethischen Standards verankert (die Berner hatten dies getan, was Paul Richli in den Medien als «problematisch» bezeichnete, weil man dann unter Umständen kein Geld von einer Bank annehmen könne ohne zu überprüfen, ob das Unternehmen allenfalls im Ausland Recht verletzt habe.)
Natürlich müsste der Betrag kleiner sein als bei den Zürchern, damit es nicht so auffällt. Für ein paar Millionen Franken würde Richli sogar einen Hörsaal umtaufen, sagte er gegenüber Radio 3fach. Und natürlich müssten «legitime Geheimhaltungsinteressen» der Sponsoren berücksichtigt werden. Unser Vorschlag: Ein Hörsaal wird künftig in Nikolaus-Senn-Hörsaal umgetauft; der  Ehrenpräsident der UBS ist politisch unbestritten und darf sogar gegen Millionensaläre wettern. Einem Oswald-Grübel-Hörsaal oder gar einem Marcel-Ospel-Hörsaal würde wohl weder Uni noch UBS zustimmen.
Zur Sponsoringvereinbarung gehört ausserdem: Einmal im Monat darf die UBS interessierte Studenten zu einem Apéro mit Fachgespräch zu einem Bankingthema einladen. Zudem dürfen die Studierenden, die im Bereich Finance und Banking forschen, ihre Arbeiten UBS-Spezialisten zur Korrektur einreichen, damit etwas Brauchbares daraus resultiert. Der Hörsaal wird mit UBS-Logos an den Wänden dekoriert.
Preis: 2 Millionen Franken

Schlaf- oder Napboxen

Wer viel lernt, muss viel ausruhen oder feiern – da kommt der Schlaf gerne mal zu kurz. Um den Uni-Alltag dennoch ausgeruht meistern zu können, bieten so genannte Schlaf- oder Napboxen die Möglichkeit für ein Nickerchen zwischen den Vorlesungen. Möbel-Pfister am Löwenplatz sponsert die Wirtschaftsfakultät und darf dafür gratis die Napboxen im öffentlichen Aufenthaltsbereich neben der Mensa einrichten. Betten Thaler liefert dazu die passenden Accessoires. Auf Wunsch der Studierenden gibt es auch einige Doppelbett-Boxen für entspannende Momente nach der Uni. Die Uni-Öffnungszeiten werden dafür abends ausgeweitet.

Preis: 200’000 Franken

Freibier für Wirtschaftsstudis

Luzern ist trotz Eichhof-Frust, nach wie vor ein wichtiger Bierfabrikationsstandort. Freibier für alle Studenten der Wirtschaftsfakultät nach jeder Vorlesung müsste deshalb drin liegen. Die alternativen Bierbrauer wie Luzerner Bier sollten aber der Fairheit halber ebenfalls eine Plattform erhalten. Diese soll Heineken als Grossbrauerei, die immer wieder von der Förderung der Biervielfalt spricht, gratis zur Verfügung stellen. Dafür darf Heineken die bunte Uni noch ein wenig bunter machen und in der Mensa seine Werbung aufhängen.
Preis: 1 Million Franken

Urban Gardening auf dem Dach

Hochschulgebäude und Campus-Areale sind meist karg und praktisch gehalten, Grünflächen sind rar. Dabei könnte der entspannende Moment nur wenige Treppenstufen entfernt sein. Urban-Gardening – urbaner und kleinräumiger Gartenbau auf ungenutzten Flächen – erfreut sich in einigen Städten bereits grosser Beliebtheit.
Man könnte Rosen, Tulpen oder Tomaten auf dem Dach der Uni Luzern pflanzen. Die Blumenbörse Luzern AG hat dafür einen Sponsoring-Vertrag mit der Hochschule abgeschlossen und bepflanzt das Dach stets mit frischen Blumen, Sträuchern und Gemüse.
Preis: 100’000 Franken einmaliger Sponsoringbeitrag durch die Aktionäre der Blumenbörse Luzern AG, die Pflanzen kommen als Naturalspenden dazu

Spitzenleistungen auszeichnen

Spitzenleistungen gehören ausgezeichnet. Genau so sollten vorbildliche Professoren gewürdigt werden. Bei einer jährlichen Gala werden die Vorschläge über die Internetplattform zentral+ gemacht. Die Abstimmung übernimmt entweder eine Jury oder die gesamte Studentenschaft. Kategorien wie «beste Lehre», «bestes Skript» oder «unterhaltsamste Vorlesung» sorgen für die nötige Vielfalt. Bei einer jährlichen Gala werden die besten Dozenten mit einer Trophäe geehrt. Gesponsert würden diese von den Luzerner Firmen Confiserie Bachmann, Heini, Waldis Büromöbel, Victorinox und Pistor. Die Firmen erhalten im Gegenzug Werbemöglichkeiten an der Gala und dürfen Muster und Prospekte abgegeben.
Preis: 100’000 Franken

Werbeplakate im Weltformat

An der Fassade der Uni gibt es noch Platz für ein oder zwei überdimensionale Werbeplakate. Die «Hochschule Luzern – Wirtschaft» als direkter Konkurrent um die Studierenden der geplanten Wirtschaftsfakultät könnte dort beispielsweise ihre Bachelor- und Master-Studiengänge sowie die Weiterbildungen anpreisen.
Das Motto könnte lauten: «Im Kassensturz-Test hat die Managementbildung der Hochschule Luzern – Wirtschaft im Vergleich zu anderen Institutionen am besten abgeschnitten. 40 Jahre Erfahrung. Besuchen Sie uns auf www.hslu.ch/wirtschaft.»
Autofirmen könnten zum Beispiel mit schnittigen neuen Automodellen und günstigen Leasingverträgen für Studierende werben. Oder – im Turnus? – Kleinkreditfirmen. Aber auch die Luzerner Kantonalbank, Kleidermarken, Migros oder Coop. Ein solcher Plakatstandort müsste natürlich möglichst teuer verkauft werden.
Preis: 200’000 Franken

Gibt summa sumarum alles zusammengezählt ein Total von vier Millionen Franken. Der Gründung der Wirtschaftsfakultät steht nichts mehr im Weg.

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