Wirtschaft

Anna Hug und Marianne Wüthrich übernehmen
Guetzli-Firma Hug setzt auf doppelte Frauen-Power

  • Lesezeit: 5 min
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Anna Hug (links) und Marianne Wüthrich-Gross (rechts) leiten ab Juni 2022 die Geschicke von Hug im Co-Leitungsmodell. (Bild: WeArePepper/HUG)

An der Spitze des Luzerner Gebäckherstellers Hug steht eine neue Co-Leitung. Anna Hug und Marianne Wüthrich leiten ab dem Sommer das Familienunternehmen.

«Fast exotisch» war es, als Anna Hug vor vier Jahren die Idee einer Co-Leitung aufs Tapet des Backwarenherstellers Hug brachte. Schliesslich war das Leitungsmodell neuartig. Das Experiment: Anna und ihr Onkel Andreas Hug teilen sich die Leitung des Familienunternehmens. «Die Familie war schnell begeistert, beim Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung traf ich zwar nicht gerade auf Widerstand – aber es brauchte Überzeugungsarbeit», sagt Anna Hug rückblickend.

Seit 2020 führen Anna und Andreas Hug das Unternehmen unter einer Co-Leitung (zentralplus berichtete). Und nun, zwei Jahre später, kommt es erneut zu etwas Besonderem an der Doppelspitze: Denn ab diesem Sommer teilen sich Anna Hug und Marianne Wüthrich die Co-Leitung. Andreas Hug wird künftig das Verwaltungsratspräsidium übernehmen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Luzerner Familienunternehmens, das 1877 als Bäckerei gegründet wurde, stehen zwei Frauen an der Spitze. Das gab Hug am Donnerstag an einer virtuellen Pressekonferenz bekannt.

«Es haben sicherlich nicht gleich alle aufgejubelt, dass sich zwei Frauen die Co-Leitung teilen wollen.»

Anna Hug

Und: Wüthrich, die aktuell Projektleiterin des Backhauses ist, gehört nicht zur Familie. Ganz etwas Neues ist dies jedoch nicht. Bereits der Urgrossvater von Anna Hug sei schon von einem Co-Leiter, der nicht zur Familie Hug gehört habe, unterstützt worden.

Marianne Wüthrich gehört nicht zur Familie – aber ist doch Teil davon

«Es haben sicherlich nicht gleich alle aufgejubelt, dass sich zwei Frauen die Co-Leitung teilen wollen», sagt Anna Hug später in einem Telefonat. «Aber dem Team war wichtig, dass ich weiterhin in einem Teilzeitpensum für das Unternehmen tätig sein kann, um Zeit für meine Familie zu haben. Und dass Marianne ein Teil der Hug-Familie ist – wenn auch nicht biologisch – hat sicherlich geholfen. Sie ist eine lange Weggefährtin von mir.»

Marianne Wüthrich Gross ist seit 20 Jahren bei der Hug AG tätig. Sie hat die Wernli AG geleitet und den Standort Trimbach. Zuletzt verantwortete die studierte Lebensmittel-Ingenieurin das Grossprojekt Backhaus. Andreas Hug wird künftig das Verwaltungsratspräsidium übernehmen.

Modell der Co-Leitung hat sich etabliert

Das Modell der Co-Leitung hat sich in den letzten zwei Jahren bewährt, wie Andreas Hug an der Pressekonferenz sagte. «Es war nicht eine ganz einfache, sondern eine bewegte, ja eine verrückte Zeit. Die Leitung zu zweit zu teilen, haben wir als sehr positiv erlebt.»

Schliesslich konnten sie eine breite Sicht in die Gesamtleitung einbringen, beide konnten den Fokus auf ihren Fachbereich legen. Andreas Hug betonte zudem die positive Ausstrahlung, als moderner und attraktiver Arbeitgeber zu gelten, nach aussen und gegen innen.

«Beim Familienunternehmen Hug habe ich es immer sehr geschätzt, wie sehr ich mich einbringen durfte. Dass man mir etwas anvertraut und zugetraut hat.»

Marianne Wüthrich

«Für mich hat es den Einstieg sehr erleichtert, weil ich mit Andreas einen erfahrenen CEO an meiner Seite hatte», resümiert Anna Hug, die Delegierte des Verwaltungsrates wird. «Und ich glaube, dass jeder Entscheid, den wir gemeinsam getroffen haben, besser war, als wenn wir das alleine getan hätten.» Mit besser meint die 49-Jährige reflektierter.

Natürlich gebe es auch Nachteile des Co-Leitung-Modells. Man muss sich abstimmen und auch war es nicht immer ganz einfach, Termine für gemeinsame Meetings festzulegen, da beide Teilzeit arbeiten. Aber die Vorteile würden klar überwiegen.

Neue Co-Chefin fühlt sich geehrt

Nun werden die beiden Frauen das Modell der Co-Leitung weiterführen. «Ich fühle mich schon ein wenig geehrt, in ein solches Amt gehoben zu werden», sagt Marianne Wüthrich zu zentralplus. «Gerade in einem Familienunternehmen rechnet man ja gar nicht damit.»

Nach ihrem Studium an der ETH stieg sie bei der Hug AG ein, bildete sich weiter – und kam zurück zum Luzerner Backwarenhersteller. «Beim Familienunternehmen Hug habe ich es immer sehr geschätzt, wie sehr ich mich einbringen durfte. Dass man mir etwas anvertraut und zugetraut hat», sagt die 55-Jährige. Wie beim neuen Backhaus. «Dass ich mithelfen durfte, so ein grosses Projekt zu denken und zu bauen und so ein grosses Budget verantworten durfte, ist wirklich keine Selbstverständlichkeit. Schliesslich investierten wir ins neue Backhaus etwas mehr als einen halben Jahresumsatz.» Nämlich rund 60 Millionen Franken.

Die beiden Frauen ergänzen sich – fachlich und menschlich

Sie ist überzeugt, dass sie und Anna Hug sich ideal ergänzen werden. Einerseits der fachliche Background der beiden Frauen – Anna Hug ist Betriebswirtin, Marianne Wüthrich Lebensmittelingenieurin. «Beides braucht es in einem produzierenden Betrieb», ergänzt Anna Hug.

«Wir können gut miteinander denken.»

Anna Hug

Aber auch menschlich würden sie sich gut ergänzen. Marianne Wüthrich unterstreicht, wie wunderbar Anna Hug auf Menschen zugehen und ihnen gut zuhören könne sowie Standpunkte überprüfe. «Und Marianne ist super unternehmerisch – vielleicht fast ein wenig mehr als ich», sagt Anna Hug und lacht. «Sie ist härter im Beurteilen und eine tolle Verhandlerin. Zu verhandeln, das habe ich bei ihr gelernt. Und sie hat eine schöne Bodenständigkeit, die mir sehr guttut. Wir können gut miteinander denken und tolle Ideen entwickeln.»

Die Visionen der neuen Führungsspitze sind klar. «Wir wollen die Unternehmung weiterhin erfolgreich führen», sagt Anna Hug. Das Gastrogeschäft ausbauen, den Detailhandel weiterhin pflegen. «Und eine gute Zeit miteinander haben. Die Hug-Familie soll ein schönes Universum bleiben, in dem Menschen gerne zur Arbeit kommen.»

Verwendete Quellen
  • Teilnahme virtuelle Pressekonferenz Hug vom 27.01.2022
  • Medienmitteilung Hug
  • Persönliches Telefongespräch mit Anna Hug
  • Persönliches Telefongespräch mit Marianne Wüthrich
Weitere Quellen
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