Wirtschaft

Zuger Konzerne setzen auf E-Mobilität
Glencore, Sika, Bossard: Woher Teslas eigentlich kommen

  • Lesezeit: 4 min
  • Wirtschaft
Investitionen in Elektromobilität sind für die unwahrscheinlichsten Unternehmen attraktiv geworden. (Bild: Adobe Stock)

Dass das Baarer Rohstoffunternehmen Glencore seine Kohleproduktion im Laufe der Zeit vermindern will, ist bekannt. Nun beteiligt sich der Konzern nicht nur als Rohstofflieferantin, sondern als Investorin auch unmittelbar im Elektromobilbereich – einem Geschäftsfeld, in dem auch andere grosse Zuger Unternehmen aktiv sind.

Zug möchte Schweizer Spitzenreiter im Bereich der Elektromobilität werden und kann sich darauf berufen, dass im Kanton der schweizweit höchste Prozentsatz an Elektrofahrzeugen unterwegs ist. Um diese Absicht  zu unterstreichen, fand im September ein E-Mobilitätstag statt, der von der Stadt Zug und dem Verein Elektromobilität Zug veranstaltet wurde. Mit dabei waren auch WWZ oder die Zugerland Verkehrsbetriebe. Betriebe, die man mit Elektrobussen oder Stromtankstellen in Verbindung bringt.

Neben diversen Garagen, dem TCS und mehreren Elektrofirmen war auch eines der umsatzstärksten Schweizer Unternehmen als Ausstellerin dabei: Glencore. Das erinnerte daran, dass die Elektromobilität auch für die wirklich grossen Unternehmen im Kanton Zug ein Betätigungsfeld mit Zukunfts- und Gewinnaussichten bietet.

Kohlegeschäft ausgliedern

Das Bergbau- und Handelsunternehmen wird zwar immer noch oft mit Kohle in Verbindung gebracht, womit es auch hervorragend verdient. Der Umsatzanteil ist indes in den letzten Jahren auf unter 20 Prozent gesunken und Glencore will den Kohlebereich in Zukunft verkleinern (zentralplus berichtete).

Für die Ausrichtung der Zukunft sinnbildlich ist ein anderes Investment. Jenes ins britische Start-up Britishvolt. Die britische Autoindustrie wird sich wie die gesamte Branche vorab auf Elektromobilität ausrichten. Nach dem Brexit hat sich für sie aber ein Problem akzentuiert: Das Land verfügt über keine eigene Batteriefabrik. Und ebendiese Lücke will Britishvolt schliessen.

Batteriefabrik in Nordengland

Im September begannen im northumbrischen Blyth die Vorarbeiten zu einem Fabrikbau auf 95 Hektaren. Noch 2023 soll die Produktion von Lithiumionen-Batterien beginnen. Bis zur vollständigen Fertigstellung 2027 sollen in der Fabrik 3’000 Stellen entstehen, 5’000 weitere in der Zulieferindustrie.

Glencore gab im August bekannt, sich an Britishvolt «in ungenannter Höhe» beteiligt zu haben. Ausserdem beschlossen die beiden Firmen eine strategische Partnerschaft und Glencore sicherte eine langfristige Belieferung der Batteriefabrik mit Kobalt zu.

Netto-null-Ziel bis 2050

«Wir gehören auch bei Nickel und Zink, die beide für die Elektromobilität und neue Energiesysteme wichtig sind, zu den führenden Produzenten und Vermarktern», sagt Glencore-Sprecherin Sarah Antenore. In der Tat hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren verstärkt auf Rohstoffe fokussiert, die für Elektrofahrzeuge oder erneuerbare Energien gebraucht werden.

Verbunden wird diese Ausrichtung mit dem Vorsatz, die gesamten C02-Emissionen der Wertschöpfungskette bis 2050 auf null zu reduzieren. Dieses Vorhaben klingt nicht nur gut, es ist auch mit konkreten Zwischenzielen und Massnahmen verbunden. «Bis 2026 wollen wir unsere Emissionen um 15 Prozent senken, bis 2035 um 50 Prozent», sagt Antenore. Das Unternehmen stelle einerseits die Rohstoffe bereit, die emissionsarme Technologien förderten, es wolle aber auch seinen eigenen Fussabdruck reduzieren. «Heute decken wir 13 Prozent unseres Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien wie Wind- und Wasserkraft ab», sagt die Unternehmenssprecherin.

Zuger liefern an Tesla

Als bedeutender industrieller Kobalt-Produzent ist Glencore auch für Tesla interessant, Marktführerin bei den Elektrofahrzeugen. Im vergangenen Jahr wurde ein Liefervertrag unterzeichnet. Tesla sieht durch Glencore einen verantwortungsvollen Abbau in der Demokratischen Republik Kongo sichergestellt.

Bei Tesla finden sich auch andere grosse Zuger Unternehmen unter den Zulieferern. Jedes Auto besteht unter anderem aus Schrauben, welche Teile zusammenhalten. Diese liefert fürs Modell 3 der Zuger Schraubenhändler Bossard, wie eine Studie der Fachhochschule Dortmund öffentlich machte, über die kürzlich die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete. Demnach soll auch der Baarer Konzern Sika Teile fürs selbe Auto liefern – nämlich Akustikteile und Stossdämpfer.

Kleben, dämmen, abdichten

Sika ist ein interessanter Fall: Landläufig gilt das Unternehmen als Bauchemiekonzern. Sika hat sich aber schon vor Jahren zusehends auf Klebstoffe und Verbindungstechnik verlegt, die etwa im Schiffsbau zum Einsatz gelangten. Mit diesen Kompetenzen – kleben, abdichten und dämmen – hat sich der Konzern immer stärker in den Automobilbereich bewegt. «Leichtbauweise, Akustiklösungen und  Technologien für Elektroautos sind die drei strategischen Bereiche, in denen sich das Unternehmen mit starken Produkttechnologien positioniert» lautet die Losung, die im Geschäftsbereich 2018 ausgegeben wurde und die durch Neuakquisitionen gestützt wird.

Wie auch Glencore hat sich Sika selbst eine jährliche Reduktion der CO2-Emissionen auferlegt. Wie bei Glencore verbindet sich die Fokussierung auf Fortschritt und Nachhaltigkeit durch Technik mit dem Interesse, Geld zu verdienen. Im vergangenen Geschäftsjahr resultierte zum wiederholten Male ein Rekordgewinn. Das mag vielleicht nicht sonderlich überraschen, da der Bausektor durch Corona wenig gebeutelt wurde, sondern im Gegenteil boomt. Aber aufhorchen lassen dann doch die ehrgeizigen Unternehmensziele, die neben ständiger Innovation auch eine kontinuierliche Verbesserung der Rendite vorsehen: Per 2023 soll sie 25 Prozent aufs eingesetzte Kapital erreichen.

Du bist noch kein Möglichmacher? Als Möglichmacherin kannst Du zentralplus unterstützen. Mehr erfahren.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Mach jetzt zentralplus möglich

Unterstütze mit einem freiwilligen Abo

Schon über 660 Personen stehen ein für Medienvielfalt in der Zentralschweiz. Denn guter Lokaljournalismus kostet Geld. Mit deinem freiwilligen Abo machst du zentralplus möglich. Wir sagen danke. Hier mehr erfahren

×
×
jährlich monatlich
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
zentralplus unterstützen
Du machst es möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglich
  • Du wirst klüger und glücklich (ohne Garantie)
CHF5.00 / Monat
CHF60.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst es möglicher
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du machst zentralplus möglicher
  • Du wirst klüger und glücklicher (ziemlich sicher)
CHF15.00 / Monat
CHF180.00 / Jahr
zentralplus unterstützen
Du machst das Unmögliche möglich
  • Zugriff auf alle Inhalte von zentralplus
  • Reiche Deine Ideen ein und bestimme monatlich mit, über welches Thema wir einen Artikel verfassen
  • Bewerten von Nutzerkommentaren
  • Täglicher und / oder wöchentlicher Newsletter
  • Du kannst an einer Redaktionssitzung teilnehmen
  • Du machst das Unmögliche möglich
  • Du wirst klüger und noch glücklicher (sicher)
  • Du machst uns sehr glücklich
CHF30.00 / Monat
CHF360.00 / Jahr
zentralplus unterstützen