Schmiergelder für Unterhändler

Glencore nimmt Tschad mit dreckigem Öl-Deal aus

Der Öl-Deal zwischen Glencore und dem Tschad soll alles andere als fair austariert sein. (Bild: Symbolbild: Adobe Stock)

Mit einem einseitigen Öl-Deal soll Glencore den Tschad ausgenommen haben. Auch Millionen von Schmiergeldern sollen geflossen sein – an den Unterhändler des Tschads.

Tschad gilt als zweitärmstes Land der Welt. Um an das Öl des afrikanischen Staats zu kommen, schloss Glencore vor rund zehn Jahren einen Deal mit dem Land ab. Der Rohstoffkonzern mit Sitz in Baar gewährte dem Tschad ein Darlehen von 1,45 Milliarden US-Dollar. Diesen Betrag sollte das Land in den Jahren darauf in Form von Erdöl zurückerstatten.

Weil kurz darauf der Ölpreis in sich zusammenfiel, vergrösserte sich die zu liefernde Menge so sehr, dass Glencore fast das gesamte Öl des Tschads für sich beanspruchen konnte. Der Tschad geriet in eine Schuldenspirale.

Geheime Dokumente belasten Glencore

Nun wurden dem «Blick» und der britischen Investigativplattform «Source Material» Dokumente zugespielt, die zeigen sollen, dass ein Mann, der massgeblich am umstrittenen Ölhandel beteiligt war und dabei offiziell die Interessen des Tschads vertrat, insgeheim für Glencore arbeitete. Er soll mit 1 Prozent des Kredits, also mit 14,5 Millionen US-Dollar, am Deal beteiligt gewesen sein. Abgewickelt wurde die Zahlung offenbar über eine karibische Handelsfirma.

Die Dokumente lassen vermuten, dass der Mittelsmann darauf hingewirkt hat, dass der Deal vor allem für Glencore attraktiv sein würde. Doch gegenüber dem «Blick» äussert sich Glencore nur kryptisch. Paraphrasiert lautete die Botschaft in etwa: «Der Fall wurde in Kooperation mit den Behörden aufgearbeitet und gehört der Vergangenheit an. Denn heute ist Glencore sauber.»

Antikorruptionsexperte Mark Pieth ist sich da nicht so sicher. Gegenüber dem «Blick» meint er: «Ob beim Konzern tatsächlich ein tiefgreifender Strukturwandel stattgefunden hat, muss die Zukunft zeigen.» So hat Glencore zwar auf internationalen Druck hin den Deal mit dem Tschad angepasst. Doch dabei offenbar nur die Rückzahlungsfrist verlängert, während der ausstehende Betrag nicht reduziert worden ist.

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2 Kommentare
  • Profilfoto von Reto
    Reto, 25.02.2024, 16:05 Uhr

    … und was passiert nun? Die Bestochenen bleiben reich, die skrupellosen Geldmacher juckts nicht und machen einfach weiter und die armen Leute werden weiter ausgenommen … Die Gier und die Menschen – erbärmlich!

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    • Profilfoto von Koni
      Koni, 26.02.2024, 07:26 Uhr

      Ist doch klar, was jeweils passiert: Die geschundenen Menschen machen sich auf den Fluchtweg nach Europa. Glencore sollte zu Millionenbeiträgen im Asylwesen verurteilt werden, im Sinne eines Schadenminderungsbeitrags.

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