Wirtschaft
Luzerner Studie

Gesundheitskosten: Wenn tiefe Prämien teuer werden

Die obligatorischen Gesundheitskosten für eine vierköpfige Familie mit einem Jahreseinkommen von 72'000 Franken waren letztes Jahr in Horw am günstigsten. (Bild: )

Die obligatorischen Gesundheitskosten, die jede Person zu entrichten hat, unterscheiden sich nicht nur nach Prämienregion. Wie eine neue Studie aufzeigt, sind die Unterschiede auch in den einzelnen Gemeinden frappant. So kann eine Luzerner Familie je nach Wohnort bis zu 620 Franken sparen. Je nach Einkommen spielt der Steuerfuss der Gemeinde eine grössere Rolle als die Prämienregion.

Die Sparpotenziale bei den Gesundheitskosten sind ein regelmässiges Thema. Direkt beeinflussbar sind sie durch den Wechsel der Krankenkasse. Ebenfalls bekannt sind Unterschiede, die sich aus der Prämenregion ergeben. Vernachlässigt werden in der Regel jedoch steuerliche Anteile für die Gesundheitskosten. Eine neue Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) zeigt nun erstmals auf, wie sich diese Kosten innerhalb der Luzerner Gemeinden unterscheiden. Je nach Prämienregion, Einkommen der Haushalte und Steuerfuss der Gemeinde ergeben sich unterschiedliche Kosten.

Studienleiter Oliver Bieri vom Luzerner Forschungsunternehmen Interface versucht, die komplexe Berechnung in einfache Worte zu fassen: «Die obligatorischen Gesundheitsausgaben setzen sich aus drei Elementen zusammen: Der Prämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP), der Prämienverbilligung und dem Anteil der Steuern, welcher vom Staat für Gesundheitsbelange verwendet werden.» Damit werden in der in der Regel Spitäler, Heime, Spitex, Verwaltung und Prävention unterstützt.

Nehmen wir als fiktives Beispiel das Ehepaar Meier, das mit seinen beiden schulpflichtigen Kindern im luzernischen Hasle wohnt. Die Familie hatte im Jahr 2012 ein Bruttoeinkommen von 72’000 Franken. An obligatorischen Gesundheitskosten zahlte sie 7‘858 Franken. Gemäss der Studie im Auftrag wäre die Familie besser gefahren, wenn sie in Horw gewohnt hätte. Dort hätte sie nämlich nur 7‘238 Franken bezahlt und somit 620 Franken gespart.

«Bislang haben wir jeweils nur Kantone und Hauptorte miteinander verglichen. Nun konnten wir erstmals ausführlich auf Gemeindeebene differenzieren», so Oliver Bieri. Dabei wurden die Gemeinden der beiden Kantone Luzern und Bern genauer unter die Lupe genommen.

Im Kanton Luzern gehören Kriens, Horw, Emmen, Ebikon und Luzern in die erste Kategorie und weisen somit die höchsten OKP-Prämien auf. Zur Prämienregion 2 gehören 19 Gemeinden wie Malters, Sursee, Sempach und Rothenburg. In den übrigen Gemeinden, die der Region 3 zugeordnet sind, zahlen die Einwohner die tiefsten Prämien.

Unterschiede bis zu 620 Franken

Während die Kostenunterschiede im Kanton Bern für dieselbe vierköpfige Familie um gut 1‘200 Franken variieren sind die Unterschiede in den Luzerner Gemeinden eutlich weniger frappant. Hier beträgt die Spannweite 620 Franken.

Ein weiterer Unterschied zu Bern ist, dass in Luzern die teuersten Prämienregionen nicht zwingend auch die höchsten Gesundheitskosten haben, wie das Beispiel von Familie Meier zeigt. Ihr Wohnort Hasle liegt in der Prämienregion 3, Horw hingegen in der Region 1. Für eine Luzerner Familie mit tiefem Einkommen würde es sich in Bezug auf die obligatorischen Gesundheitskosten also durchaus lohnen, in einer Gemeinde aus der Prämienregion 1 zu wohnen.

Grund dafür ist die Prämienverbilligung. Diese fällt je nach Einkommen und Prämienregion höher oder tiefer aus. Im Falle von Familie Meier betrug sie in Hasle 1’408 Franken und in Horw 2’464 Franken.

Anders sieht es für eine junge KV-Absolventin mit einem Einstiegslohn von 45‘000 Franken aus. Sie sollte nach Weggis (Prämienregion 3) ziehen. Dort würde sie jährlich 219 Franken weniger an obligatorischen Gesundheitskosten zahlen als in Emmen, obwohl ihr dort eine Prämienverbilligung zustünde. In Weggis erhielte sie aufgrund ihres Einkommens zwar keine Prämienverbilligung mehr, doch wäre ihre OKP-Prämie tiefer als in Emmen. Zudem fiele ihr Steueranteil für die Gesundheitskosten günstiger aus – aufgrund des tiefen Steuerfusses von Weggis.

Für ihre ältere Schwester, die als Kaderfrau 100‘000 Franken verdient, würde nebst Weggis auch Meggen in Frage kommen. Sobald die Prämienverbilligung aufgrund des hohen Einkommens wegfällt, gewinnt der Einfluss des Steuerfusses überhand. Dies gilt auch für Familien mit Einkommen über 100’000 Franken. Generell gilt: Je höher das Einkommen, desto grösser die Spannweite der Gesundheitskosten unter den Gemeinden.

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