Wirtschaft
Sperrungen wegen Mega-Event

Erdölbarone geben sich im KKL die Klinke in die Hand

Im September findet im KKL das «Schlumberger Digital Forum» statt. Das Who's who der Erdölbranche gibt sich ein Stelldichein. (Bild: KKL Luzern)

Saudi Aramco, Chevron, ExxonMobil: Alles, was in der Erdölbranche Rang und Namen hat, trifft sich im September in Luzern. Was hat es mit dem «Schlumberger Digital Forum» im KKL auf sich?

Für einmal sind nicht Beethoven, Brahms oder Schumann im KKL zu Gast, sondern Amin Hassan Nasser, Linda DuCharme und Ryan M. Lance. Keiner dieser drei ist bekannt für musikalische Höhenflüge, zeitgenössische «Dirigenten» sind sie aber allemal.

Nämlich dirigieren sie die Geschicke der grössten Mineralölunternehmen der Welt. Nasser ist CEO von Saudi Aramco, der weltgrössten Erdölfördergesellschaft. DuCharme steht ExxonMobil vor und Ryan M. Lance ist CEO von ConocoPhillips, beides ebenfalls führende und milliardenschwere Erdölkonzerne.

Gemeinsam ist den dreien, dass sie am «Schlumberger Digital Forum» teilnehmen, das vom 20. bis 22. September im KKL über die Bühne geht. Mit dabei: Über 1000 Wirtschaftsgrössen, Forscherinnen und Experten, grösstenteils aus der Erdölindustrie und der Techbranche.

Mega-Anlass im KKL mit über 1000 Gästen

«Connecting for a new future»: Unter diesem Motto lädt Schlumberger nach Luzern ein. Das Unternehmen mit Sitz auf der niederländischen Insel Curaçao in der Karibik ist die grösste Ölservicegesellschaft der Welt.

Um was dreht sich dieser gigantische Anlass, für den zeitweise sogar Teile des KKL-Geländes für die Öffentlichkeit gesperrt werden? Die Hochglanzbroschüre zum Forum gewährt einen Einblick in die Welt, in der sich die Teilnehmerinnen drei Tage lang bewegen: Ölfelder, Bohrungen, Energiewende, künstliche Intelligenz und Big Data sind die heissen Themen, denen Vorträge, Ausstellungen und Kaminfeuergespräche gewidmet sind.

Über all dem steht für den Veranstalter die Frage im Raum, wann sich die Digitalisierung positiv auf die Erdölindustrie auswirkt. Zum Beispiel, indem sie hilft, die Fördermengen zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten und den CO₂-Ausstoss zu reduzieren.

Tech- und Ölkonzerne rücken näher zusammen

Dass Erdölkonzerne schon fast symbiotisch mit der Techbranche verflochten sind, ist kein Geheimnis. Die Cloud-Dienste von Microsoft oder Amazon stellen die ungeheure Rechenleistung zur Verfügung, mit der die Ölgiganten versuchen, mehr Öl und Erdgas zu finden und zu fördern.

Es ist denn auch kein Zufall, dass am «Schlumberger Digital Forum» Microsoft-CEO Satya Nadella und IBM-Chef Arvind Krishna zugegen sind. Beides sind Unternehmen, die der Erdölbranche helfen, den digitalen Wandel und die Energiewende zu vollziehen, wie sie in ihren Whitepapers betonen.

So geben Microsoft und Amazon an, dass es Teil ihrer Nachhaltigkeitsarbeit sei, Ölkonzerne effizienter zu machen und ihnen zu helfen, unnötige Emissionen zu vermeiden. Dies schreibt das Finanz- und Wirtschaftsportal «Bloomberg» in einem kürzlich erschienen Artikel.

Das Problem: Keines der beiden Techunternehmen könne Beweise dafür vorlegen, dass ihre Projekte erfolgreich seien oder zumindest die Umweltschäden ausglichen, die durch die erhöhte Öl- oder Gasförderung ihrer Kunden verursacht würden, so Bloomberg.

Von Worthülsen und Marketingsprech

Das «Engagement» der Big-Tech-Firmen für die Mineralölbranche stösst denn auch auf Kritik – von aussen wie auch von den Mitarbeitenden. So gab Google 2020 auf Druck klein bei, als es versprach, keine KI-Software mehr an Öl- und Gaskonzerne zu liefern.

Worthülsen und Marketingsprech durchziehen deshalb wohl auch die Broschüre zum Digital Forum in Luzern. «Gemeinsam streben wir eine neue Zukunft an, in der die umfassende Digitalisierung unsere Unternehmen stärkt und es ermöglicht, uns in einer kohlenstoffarmen Welt zu entfalten», heisst es dort etwa.

Ein hehres Ziel für Konzerne wie Chevron, ExxonMobil, BP oder Shell, die zusammen für über 10 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses seit 1965 verantwortlich sind.

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