Wirtschaft
Ein Besuch auf der Seerose

Die wohl pinkeste Baustelle der Welt

Lansgsam wird sichtbar, wie gross die Seerose werden soll. (Bild: Kilian Bannwart)

Vor der Werft in Luzern schwimmt zurzeit ein riesiges, pinkes Gerüst. Die Bauarbeiten an der Gästival-Seerose laufen auf Hochtouren. Für die Luzerner Firma «Shiptec» ist es ein sehr spezielles Projekt, denn sie bauen und restaurieren ansonsten Schiffe. Ein Besuch vor Ort zeigt den Fortschritt des Baus.

«Im Moment werden die Tribünen aufgebaut», sagt Pius Barmet, Marketingleiter von Shiptec und zeigt auf einen Kran, an dem ein Treppenstück hängt. Aus diesen fertigen Einzelstücke wird die runde Tribüne im Herzen der Seerose gebaut. Ihre Grösse ist jetzt schon erahnbar, wenn man vor ihr steht: 48 Meter Durchmesser wird sie haben und 16 Meter hoch wird sie sein.

Für die Shiptec ist es das erste Projekt dieser Art. «Von der Grössenordnung her kann man es mit der Grossrenovation der MS Schwyz vor zwei Jahren vergleichen», so Barmet. Von der Projektorganisation gäbe es darum Ähnlichkeiten. Doch eine schwimmende Plattform, das hatten sie noch nie.

«Die Pontons können teilweise auch geflutet werden, damit die Seerose etwas absinkt.»

Pius Barmet, Marketingleiter Shiptec

Auf dem Gerüst sind einige Bauarbeiter zu sehen: Sie balancieren auf den Stahlbalken, platzieren ein weiteres Tribünenstück oder schweissen Teile zusammen. «Von der Shiptec sind derzeit circa drei Arbeiter an der Seerose tätig», so Barmet. Die anderen zehn Arbeiter gehören zu einem der Unterlieferanten. «Wir haben einige Aufgaben an andere Zentralschweizer Firmen delegiert», sagt Barmet. Um die Montage der Tribünenstücke kümmert sich etwa «Iromet», eine Alpnacher Stahlbaufirma.

Seerose kann absinken

Für die Seerose engagierte die Shiptec einige Partnerfirmen mehr als üblich, weil sie eine andere Art von Stahlbau benötige als beim normalen Schiffbau. Und einen Motor wird es für die Seerose auch nicht geben, denn sie wird von Schleppschiffen gezogen. Barmet: «Die Seerose wird von mehreren schwarzen Pontons getragen, die teilweise auch geflutet werden können, damit die Seerose etwas absinkt.» So soll sie auch unter der Achereggbrücke hindurchfahren können.

Als Nächstes werden am Gerüst die oberen Blütenblätter montiert. Diese werden ein- und ausklappbar sein. «Dann werden die unteren Blütenblätter für die Flaniermeile angebaut. Sie machen die Seerose nochmals um einiges grösser», erklärt Barmet. An ihrem jetzigen Standort vor der Werft werde sie dann nicht mehr genügend Platz finden und deshalb weiter hinausgezogen. Zum Schluss wird der Innenausbau getätigt, wie etwa die Wasser- und Abwasseranlage, Elektroinstallationen und die Feuerlöschanlage.

Die Löschanlage brauche es dafür, dass die Seerose überhaupt als Schiff zugelassen wird. «Wir mussten zudem Berechnungen abliefern, wie die Plattform sich bei einem Sturm oder einseitiger Beladung verhält. Und somit den Nachweis liefern, dass sie sicher ist», erklärt Barmet.

Scheinwerfer für Algen

Etwas Spezielles muss zuletzt noch von Tauchern unter der Plattform installiert werden: Eine Unterwasserbeleuchtung. Es wird dadurch jedoch kein nächtliches Lichtspektaktel für die Besucher geben – das Licht ist für Wasserpflanzen gedacht. Denn vor rund einem Jahr erhob der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee Einsprache gegen das Anlegegesuch der Seerose beim Musikpavillon im Luzerner Seebecken. Dies weil es dort bedrohte Pflanzen gäbe und der Schattenwurf der Plattform diese Algen gefährden könnte. Durch die Beleuchtung soll dieses Problem nun vom Tisch sein.

Catering von der Schwesterfirma

Für die Shiptec gibt es unterdessen noch viel zu tun. «Bisher lief alles reibungslos und auch das Wetter spielte mit», so Barmet. Falls es doch noch zu einem Schlechtwettereinbruch kommen sollte, wäre das nicht ganz so schlimm. Barmet: «Wir haben noch einige zeitliche Reserven.» Wo es jedoch eng werden könnte, ist beim geplanten Budget. «Das Budget wurde extrem knapp bemessen», sagt Barmet. Das sei für alle beteiligten Unternehmen eine grosse Herausforderung, dass man in diesem Budgetrahmen die Seerose fertig stellen kann. Insgesamt soll die Seerose 3 Millionen Franken kosten.

Ende März soll die Seerose dem Verein «200 Jahre Zentralschweiz» des Gästivals übergeben werden. «Bis dann muss der Innenausbau fertig sein, damit der Gastrobereich eingerichtet werden kann», so Barmet. Wenn die Seerose in Betrieb genommen wird, werde dann eine Schwesterfirma der Shiptec einspringen. Die Tavolago AG wurde für den Gastronomie-Service auf der Seerose engagiert.

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