Verkehr & Mobilität Wirtschaft

Neue Strategie, alter Subventionsknatsch
Die VBL lösen sich schrittweise von ihrer Vergangenheit

  • Lesezeit: 6 min
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Die Verkehrsbetriebe Luzern stehen im Verdacht, zu viel Geld kassiert zu haben. (Bild: zvg)

Neuer Verwaltungsrat, neuer Direktor und nun auch eine neue Strategie: Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) unternehmen spürbare Schritte, um sich vom Ungemach rund um den Subventionsknatsch der letzten zwei Jahre zu distanzieren. Um sich endgültig von den Altlasten zu befreien, müssen jedoch noch offene Fragen beantwortet werden.

Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) haben zwei turbulente Jahre hinter sich. Ende Februar 2020 kam der Verdacht auf, dass das Unternehmen in den Vorjahren systematisch zu viel an Subventionsgeldern einkassiert hat (zentralplus berichtete). Seither ist enorm viel passiert, wenig davon erbaulich.

In den letzten Wochen und Monaten ist in der Hauptzentrale im Luzerner Tribschenquartier aber zunehmend ein frischer Wind aufgekommen. Während das Unternehmen unweigerlich weiter mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit konfrontiert ist, wird nun zunehmend klar, wie es in Zukunft weitergehen soll. So präsentierten die VBL unlängst eine neue Unternehmensstrategie (zentralplus berichtete).

2022 könnte für das Unternehmen die Chance für eine echte Kehrtwende bedeuten. In Zusammenhang mit der neuen Strategie und dem laufenden Rechtsverfahren bleiben aber noch einige offene Fragen und Herausforderungen.

Seit zwei Jahren im Subventionsknatsch

Zur Erinnerung: Die Verkehrsbetriebe Luzern stehen im Verdacht, mittels buchhalterischen Kniffen, zwischen 2010 und 2017 rund 16 Millionen Franken zu viel an Subventionsgeldern bezogen zu haben (zentralplus berichtete). Der Bund und der Verkehrsverbund Luzern (VVL) fordern das Geld zurück. Die VBL hinterfragen jedoch die Legitimität dieser Rückzahlungsforderung (zentralplus berichtete).

Die Stadt Luzern gab in der Folge einen externen Untersuchungsbericht in Auftrag. Spätestens mit dessen Veröffentlichung im November 2020 ging die Beziehung zwischen dem Stadtrat (die VBL gehört der Stadt Luzern) und der damaligen VBL-Führungsriege um Direktor Norbert Schmassmann und Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler komplett in die Brüche (zentralplus berichtete).

Kurz darauf reichten der Bund und der VVL Strafanzeige ein. Im Mai 2021 wurde klar, dass alle bisherigen Verhandlungsversuche gescheitert waren und der Fall definitiv vor Gericht kommt (zentralplus berichtete).

Was hat sich seither verändert?

Die VBL vom Januar 2022 ist jedoch nicht mehr jene von vor zwei Jahren. Der Führungsapparat des Unternehmens ist so gesehen kaum mehr wiederzuerkennen. Der Verwaltungsrat wurde praktisch komplett ausgewechselt und wird nun von Renzo Simoni präsidiert (zentralplus berichtete). Und auch der langjährige Direktor, Norbert Schmassmann, verliess Ende Juli 2021 die VBL und ging in Pension. Für ihn übernahm Laurent Roux das Ruder als Direktor.

Seit dem Antritt von Roux wurde es sehr still um die VBL. Insider fragten sich, ob und wie die neue VBL-Führungsriege Akzente setzen kann oder ob das Unternehmen bis zum Ende des Rechtverfahrens (mehr dazu später) in einer Art Schockstarre verharren würde.

Ein letzter Personalwechsel diente dann als klarer Vorbote für den nun eingeleiteten Neuaufbruch: Beat Nater, der langjähriger Leiter Markt und Vertrieb (und somit Mitglied der Geschäftsleitung), verliess Ende 2021 die VBL per sofort. «Die gegenseitige Trennung erfolgt aufgrund unterschiedlicher Auffassung über die zukünftigen strategischen Ziele des Unternehmens», erklärte Direktor Roux damals (zentralplus berichtete).

Wie geht es mit den VBL-Carreisen weiter?

Mit der Personalie Naters sind gleich zwei der grössten offenen Fragen rund um die neue VBL-Strategie verbunden. Da wäre etwa der Betriebszweig VBL Reisen. Die Carflotte von VBL Reisen besteht aus fünf 4-Sterne-Reisecars und einem Kleinbus. Die Reisebusse verfügen über 18 bis 80 Sitzplätze.

Der Betriebszweig wurde von Nater, in seiner Rolle als Leiter Markt und Vertrieb, wesentlich mitentwickelt und lag in seinem Verantwortungsbereich. Offensichtlich bestehen grosse Fragezeichen hinter der Wirtschaftlichkeit des Tochterunternehmens. Gerüchte in diese Richtung standen zwar schon länger im Raum. Nicht zuletzt, weil mit der Heggli AG und der Hess Taxi und Car AG bereits zwei weitere Carreiseanbieter im Raum Luzern bestehen. Nun sind es jedoch die VBL selbst, die die Frage aufs Tapet bringen.

Aktuell wird für den Betriebszweig VBL Reisen ein Businessplan erarbeitet. «Dieser soll aufzeigen, ob und in welcher Form VBL Reisen weitergeführt werden kann», heisst es in der Medienmitteilung zur neuen Strategie. Eine Umstrukturierung oder gar der Abstoss des Cargeschäfts sind demnach tatsächlich zu prüfende Optionen. Wie die Zukunft der VBL Reisen – sofern eine besteht – aussieht, bleibt vorerst also abzuwarten.

Wie wird die VBL die Liegenschaft in Stans los?

Dann ist da die Liegenschaft in Stans. Einst das Vorzeige-Objekt für die Expansionsbestrebungen der VBL, scheint es nun eher ein Klotz am Bein des Unternehmens zu sein. 2016 übernahmen die VBL das Transportunternehmen Thepra AG mit rund 50 Mitarbeitern und Sitz in Stans. Die so erworbene Liegenschaft beinhaltet auch ein Hotel, das jedoch nicht Teil der Übernahme war, aber zur Pacht weiterhin dort situiert ist.

Gemäss informierten Kreisen soll Beat Nater auch bei diesem Geschäft eine zentrale Rolle gespielt haben. Auf Nachfrage bei der VBL heisst es dazu: «Der Kauf der Thepra AG lag in der Verantwortung des damaligen Verwaltungsrates, mit Einbezug von Geschäftsleitungsmitgliedern zu jener Zeit.» Tatsache ist, dass die aktuelle VBL-Leitung die Liegenschaft loswerden will. Der Besitz einer Liegenschaft mit einem Hotel gehört nicht zum Kerngeschäft eines Transportunternehmens, sind sich die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat der VBL einig.

Nur: An wen und zu welchem Preis soll die Liegenschaft verkauft werden? Zwei Faktoren werfen diesbezüglich Fragen auf. Zum einen ist da die Tatsache, dass über den Kaufpreis der Liegenschaft damals Stillschweigen vereinbart wurde. Zu welchem Preis soll die Liegenschaft also nun, rund sechs Jahre später, verkauft werden? «Es gilt das Bieterverfahren, die Liegenschaft wird an den Meistbietenden verkauft», heisst es auf Anfrage bei der VBL. zentralplus liegt eine Immobilienbewertung aus dem Jahr 2020 vor, welche der Liegenschaft im Baurecht einen Marktwert von rund 9,5 Millionen Franken bescheinigt. Ob diese Bewertung noch aktuell ist, ist unklar: «Über den Marktwert können wir uns aufgrund der laufenden Verhandlungen nicht äussern», heisst es seitens der VBL.

Die andere Frage: Wer käme als Käufer in Frage? Tatsache ist auch, dass lediglich die Liegenschaft und nicht das Grundstück, auf dem die Liegenschaft steht, verkauft werden kann. Das Grundstück selbst befindet sich im Besitz der Genossenkorporation Stans. Diese hätte bei einem Verkauf somit ein gewichtiges Wort mitzureden.

Welche Auswirkungen hat der Zoff mit dem VVL?

Die neue Strategie wurde auch «im Hinblick auf Ausschreibungen» formuliert, um das Unternehmen «wettbewerbsfähig» zu halten. Dahinter steckt das noch immer zerrüttete Verhältnis zum Verkehrsverbund Luzern (VVL). Im Editorial des VVL-Geschäftsberichts zum Jahr 2020 schreibt Thomas Buchmann, Präsident des Verbundrats: «Der Verbundrat bedauert es sehr, dass es nicht gelungen ist, eine aussergerichtliche Lösung zu finden und ist über das Verhalten der VBL-Führung enttäuscht. Er wird die künftige Zusammenarbeit mit der VBL überprüfen und insbesondere die Ausschreibung von ÖV-Linien vertieft prüfen.»

Im Klartext: Der VVL zieht in Betracht, Linien der VBL neu auszuschreiben. Auf diese Eventualität will die VBL nun also vorbereitet sein. Man habe seitens des VVL jedoch noch keine weiterführenden Signale diesbezüglich bekommen. Tatsache ist aber, dass das Rechtsverfahren zwischen der VBL und dem VVL deren Verhältnis weiter belasten wird und sich wohl auch auf künftige geschäftliche Verhandlungen auswirken könnte.

Wie geht es im Subventions-Knatsch weiter?

Damit stösst man unweigerlich auf den grössten Elefanten im Raum: das laufende Rechtsverfahren um die Subventionsgelder. So bemüht die VBL darum sind, in die Zukunft zu blicken – und dies mit der neuen Strategie auch umsetzen: Die Vergangenheit ist noch längst nicht bewältigt. Ausdruck davon war beispielsweise der unangekündigte Besuch von Polizei und Staatsanwaltschaft im Hauptsitz der VBL Mitte Dezember (zentralplus berichtete).

Welche Auswirkungen ein Gerichtsurteil haben könnte – egal wie dieses ausfällt – bleibt weiterhin die grosse offene Frage. Beide Parteien könnten ein Urteil selbstredend weiterziehen, man könnte sich aber davor oder danach auch noch aussergerichtlich einigen. Innenbetracht der hohen Summe, um die es hier geht, wäre eine schnelle und gütige Einigung eine echte Überraschung – das Jahr ist allerdings noch jung.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung der VBL zur neuen Strategie
  • Schriftliche Anfrage an VBL
  • Dokument zur Immobilienbewertung, das zentralplus vorliegt
  • Geschäftsbericht 2020 des VVL
  • Bisherige Berichterstattung (siehe Links im Text)
Weitere Quellen
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