Wirtschaft
Weniger Chinesen zu Besuch in Luzern

«Die Terroranschläge verunsichern viele asiatische Gäste»

Sie gehören noch immer zu den Spitzenreitern: Doch im ersten Halbjahr 2016 haben deutlich weniger Asiaten Luzern besucht als im Vorjahr.

 

(Bild: Sandro Portmann)

Weniger asiatische Touristen und insbesondere weniger aus China: Der Tourismus in Luzern ist schlecht ins Jahr gestartet. Für Tourismusdirektor Marcel Perren ist klar: Der Terror schüchtert viele ein. Dennoch rechnet er mit dem zweitbesten Jahresergebnis.

Der Schein trügt: Obwohl asiatische Touristen das Bild von Luzern prägen, haben im ersten Halbjahr deutlich weniger Asiaten in der Region übernachtet. Die Stadt Luzern verzeichnete bei den asiatischen Touristen einen Rückgang von 7,3 Prozent, die gesamte Region gar ein Minus von 8,2 Prozent.

Als Hauptgrund erachtet Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus, die Terroranschläge in Frankreich, Belgien und Deutschland. «Die Terroranschläge verunsichern viele asiatische Gäste und halten sie davon ab, nach Europa und somit in die Schweiz zu reisen.»

«Marketing nützt nichts gegen diese Unsicherheit.»

Marcel Perren, Direktor Luzern Tourismus

Luzern Tourismus habe diesbezüglich kaum Möglichkeiten, zu reagieren. «Marketing nützt nichts gegen diese Unsicherheit», sagt Perren. Man arbeite aber eng mit Schweiz Tourismus und ihren Ländervertretungen zusammen, die versuchen, den Reisebüros in Asien aufzuzeigen, dass die Schweiz sicher sei. Perren ist zuversichtlich, dass sich die Lage beruhigen wird.

Offensichtlich ist die Sorge um die eigene Sicherheit nicht nur bei asiatischen Reisenden ausschlaggebend. Das Luzerner Hotel Montana verzeichnet einen spürbaren Rückgang im amerikanischen Markt, sagt Direktor Fritz Erni. Für ihn ist klar: «Der Grund ist offensichtlich die Terrorsituation in Europa. Die Amerikaner sind diesbezüglich sehr sensibel.» Auch wenn die Schweiz von Anschlägen verschont geblieben ist: «Sobald sowas in Europa geschieht, reisen viele Amerikaner auch nicht mehr in unser Land.»

 

Ins Flugzeug für ein Visum

Der Terror ist aber nicht alleine schuld. Im wichtigsten Markt China spielen laut Marcel Perren zudem neue Visa-Restriktionen eine Rolle. Um ausreisen zu können, braucht es gemäss einer EU-Regelung neu biometrische Visa. «Teilweise müssen chinesische Touristen einen Inlandflug absolvieren, nur um die Fingerabdrücke zu registrieren. Das erschwert das Reisen.»

Der Juni fiel zudem wettermässig ins Wasser. «Es war einer der schlechtesten Juni seit vielen Jahren», sagt Perren, «das hält besonders Gäste aus der Schweiz und den Nachbarländern ab.» Tatsächlich schnitt das Reiseziel Luzern im Juni besonders schlecht ab: Mit einem Minus von 5,9 Prozent liegt die Region klar hinter dem Schweizer Schnitt zurück.

Luzern steht allerdings nicht alleine da: Die diesen Freitag veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen: Schweizweit ist der Tourismus in vielen Regionen schlecht ins Jahr 2016 gestartet (zentralplus berichtete).

Zweitbestes Jahr erwartet

Trotz all der düsteren Zahlen: «Erfreulich ist zudem, dass nach der Euro-Krise nun auch wieder mehr europäische Touristen nach Luzern kommen», sagt Perren. Er weist auch darauf hin, dass 2016 mehr Gäste aus Nordamerika und der Schweiz registriert wurden. Der Schweizer Tourismus-Verband sagte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass die unsichere Lage in vielen ausländischen Ferienorten auch einen positiven Effekt auf die Schweiz habe. In der Zentralschweiz entfielen im ersten Halbjahr 2016 rund 43 Prozent der Übernachtungen auf einheimische Gäste – rund zwei Prozent mehr als im letzten Jahr.

Tourismusdirektor Marcel Perren sagt abschliessend: Man dürfe nicht vergessen, dass 2015 für den Luzerner Tourismus ein Rekordjahr war. «Im Vergleich mit dem überdurchschnittlichen Wachstum 2015 sind die Zahlen nun etwas gedämpft, aber keinesfalls besorgniserregend.» 2016 werde voraussichtlich trotz des Rückgangs das zweitbeste Jahr, prognostiziert Perren.

 

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