Wirtschaft
Luzern wird zur Ganzjahresdestination

Der Klimawandel «hilft» dem Luzerner Tourismus

Die Stadt Luzern wird durch den Klimawandel noch stärker zur ganzjährigen Tourismusdestination. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Der Klimawandel ist eine Bedrohung für unser alltägliches Leben. Anders präsentiert sich die Situation für die Tourismusbranche in Luzern: Sie darf sich gemäss Prognosen auf positive Auswirkungen des Klimawandels freuen.

Schmelzende Gletscher in den Bergen, Hitze in den Städten, ausgetrocknete Seen und Bäche – wer an die Auswirkungen des Klimawandels denkt, hat solche Bilder im Kopf. Auf viele unserer alltäglichen Lebensbereiche hat der Klimawandel negative Auswirkungen. Dies hält die Luzerner Regierung in ihrer überarbeiteten Klimastrategie fest, über die der Kantonsrat im Januar diskutieren wird (zentralplus berichtete).

Gleichzeitig verweist der Regierungsrat innerhalb dieses Berichts auf die Chancen, die der Klimawandel mit sich bringt. Und hierbei fällt auf: Im Tourismus tun sich zahlreiche Chancen auf – bei vergleichsweise geringen Risiken.

Die Luzerner Regierung betrachtet den zu erwartenden Anstieg der Durchschnittstemperaturen als Chance, den Kanton Luzern als ganzjährige Tourismusdestination zu vermarkten. Zudem wird aufgrund der heissen Sommer die Bedeutung des Sees und die Attraktivität von höher gelegenen Gebieten zunehmen.

Susanne Bäurle, Projektleiterin und stellvertretende Sekretärin des Umweltdepartements, ergänzt: «Die sogenannte Mediterranisierung der Region bietet sicher Chancen, zum Beispiel durch die wachsende Attraktivität von Strassencafés oder kulturellen Angeboten am Abend und in der Nacht.»

Projektleiterin Susanne Bäurle, Regierungsrat Fabian Peter und Klimaexperte Jürgen Ragaller präsentieren die überarbeitete Klimastrategie des Kantons. (Bild: ewi)

Gäste suchen Sommerfrische und goldenen Herbst

Sybille Gerardi, Mediensprecherin bei Luzern Tourismus, bestätigt die Haltung der Luzerner Regierung: «Die Auswirkungen des Klimawandels sind generell für das Reiseland Schweiz eine Chance und somit auch für Luzern.» Sie ist überzeugt, dass Gäste zukünftig nach Zielen mit kühleren Temperaturen suchen und deshalb in höher gelegene Gebiete ausweichen werden. Stichwort «Sommerfrische». Und: «Seen und andere Gewässer, die in der Destination in grosser Vielfalt vorhanden sind, könnten an Bedeutung gewinnen», so Gerardi.

Um diese Position zu stärken und gleichzeitig den Schutz des Klimas nicht ausser Acht zu lassen, hat die Luzerner Regierung in der Klimastrategie Massnahmen für den Tourismus definiert. So soll Luzern als «klimafreundliche und klimaangepasste Destination» positioniert und als Ganzjahresdestination vermarktet werden. Doch was heisst das konkret?

«Wir verfolgen seit Jahren das Ziel, Gäste und Besucher saisonal noch besser auf das gesamte Jahr zu verteilen.»

Sybille Gerardi, Mediensprecherin Luzern Tourismus

Sybille Gerardi von Luzern Tourismus sagt: «Es geht darum, einen klimaverträglichen und nachhaltigen Tourismus zu fördern und zusammen mit den lokalen Destinationen zu entwickeln.» So sollen nachhaltige Angebote ausgebaut, die Unesco Biosphäre Entlebuch gestärkt, lokale Produkte gefördert und häufiger CO2-Kompensationen eingeführt werden.

Die Vermarktung der Region als ganzjährige Tourismusdestination wird in Zukunft noch stärker hervorgehoben. Allerdings sei dies kein neuer Ansatz, sagt Gerardi: «Wir verfolgen seit Jahren das Ziel, Gäste und Besucher saisonal noch besser auf das gesamte Jahr zu verteilen, damit bestehende Kapazitäten in der Nebensaison besser ausgelastet werden.» Dazu wurden speziell neue Angebote für die Wintersaison geschaffen. Etwa das Lilu Lichtfestival in der Stadt Luzern.

Skigebiete sind am meisten gefordert

A propos Winter: In der verkürzten Wintersaison sieht der Regierungsrat das grösste Risiko für die Luzerner Tourismusbranche. Die Frage, ob die Luzerner Skigebiete aufgrund der sinkenden Schneesicherheit langfristig «verloren» sind, wollen zwar weder Gerardi noch Bäurle beantworten. Gerardi betont aber, dass die betroffenen Gebiete ihr Angebot längerfristig an den Klimawandel anpassen und entsprechend diversifizieren müssen. Was das konkret bedeutet, lässt sie offen.

Generell sind die in der Klimastrategie definierten Massnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung im Luzerner Tourismus sehr abstrakt. «Die Konkretisierung erfolgt im Rahmen der Überarbeitung des Tourismusleitbilds des Kantons», erklärt die kantonale Projektleiterin Susanne Bäurle. Dieser Prozess starte jetzt und beinhalte eine Überarbeitung des kantonalen Tourismusgesetzes. «Dabei handelt es sich um einen mehrjährigen Prozess, über den zuletzt auch das Parlament diskutieren wird», erklärt Bäurle das weitere Vorgehen.

Kritische Stimmen dürften von der SVP zu erwarten sein. Denn diese hatte in der Vernehmlassung zur Klimastrategie gefordert, dass das Handlungsfeld Tourismus komplett aus der Strategie gestrichen wird. Marketingmassnahmen seien nicht Aufgabe des Kantons. Und da die Chancen durch den Klimawandel die Risiken offensichtlich überwiegen würden, sei es sowieso nicht notwendig, im Bereich Tourismus spezifische Massnahmen zu definieren.

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