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Markus Wäfler erfand Selecta-Schwangerschaftstest
Dank Luzerner: Verhütung «verpennt»? Automat gibt Rat

  • Lesezeit: 5 min
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Markus Wäfler vor einem Selecta-Automat. Hier kann der «maybe-baby»-Test ganz einfach gekauft werden. (Bild: moe)

Ein peinlicher Gang in die Notfall-Apotheke – das war früher. Ein Schwangerschaftstest kann diskret und jederzeit am Selecta-Automaten gekauft werden. Das ist bekannt. Doch wussten Sie, dass der Kopf dahinter ein Luzerner Unternehmer namens Markus Wäfler ist? Wir erzählen hier, wie er auf diese Idee kam und was für Sachen er sonst noch alles erfunden hat.

«Tiinaaa, watt kosten die Kondome?» Die Stimme der Supermarkt-Kassiererin gellt durchs Geschäft, der Käufer möchte im Boden versinken. Dieser Spot warb in den neunziger Jahren für Kondome und gegen Aids – und erreichte Kultstatus. Aufgebaut wird darauf, dass es vielen schlicht peinlich ist, gewisse Dinge im Laden zu kaufen.

Zum Beispiel, eben, Kondome. Glaubt man dem Luzerner Unternehmer Markus Wäfler, fallen auch Schwangerschaftstests in diese Kategorie. «Vielen Leuten, gerade jungen Frauen, ist es unangenehm, sich einen solchen Test in der Apotheke zu kaufen», sagt er. «Überdies wollen sie ihn oft sofort, auch mal mitten in der Nacht.» Das hat er, CEO der Firma Wäfler Diagnostics AG, sich zunutze gemacht: Seinen «maybe-baby»-Test gibt es seit 2011 an allen Selecta-Automaten zu kaufen (oder online beispielsweise hier).

«Ich wusste, das ist es. Das muss es sein!»

«Es war wie Liebe auf den ersten Blick», beschreibt er seine Idee. Denn er sei regelrecht, zwar nicht von Amors Pfeil, doch von einem Gedankenblitz aus heiterem Himmel getroffen worden, als er mit dem Auto an einem Rotlicht stand. Sein Blick war dabei auf einen Selecta-Automaten am Strassenrand geschweift. Und, zack war sie da, die Idee.

Er fuhr rechts ran und prüfte sogleich das Angebot. Ein Schwangerschaftstest gehörte nicht dazu. «Ich wusste, das ist es. Das muss es sein!» so Wäfler, obwohl er bisher nie etwas mit Schwangerschaftstests zu tun hatte und auch nicht auf der Suche war nach einem Produkt für den Automatenverkauf. Allerdings: Neue Ideen suchen, das macht der 49-Jährige immer. «Das ist wie bei einem PC-Prozessor, der im Hintergrund arbeitet. In meinem Hinterkopf studiere ich konstant an Neuem herum.»

Gewisse Menschen scheuen sich, Artikel wie Kondome oder Schwangerschaftstest in der Apotheke zu kaufen.
Gewisse Menschen scheuen sich, Artikel wie Kondome oder Schwangerschaftstest in der Apotheke zu kaufen.

(Bild: moe)

Chef persönlich am Apparat

Zum Angebot seiner Firma passt ein Schwangerschaftstest allerdings allemal. Die Wäfler Diagnostics AG mit Sitz in Kastanienbaum führt verschiedenste medizinische Schnelltests, zum Beispiel für den Nachweis von Allergien, Infektionen und Drogenkonsum. Es sind Selbsttests, die zur Prävention dienen sollen. Sie können online oder im Fachhandel, also in Apotheken, gekauft werden. Der Schwangerschaftstest aus dem Automaten bildet die Ausnahme.

Nach seinem Einfall an der Ampel stiess Wäfler bei der Selecta AG auf offene Ohren. Also liess er einen Schwangerschaftstest produzieren, der genau in die Automaten passt und nannte ihn «maybe baby». Unter diesem Namen ist er bis heute in den über 3000 Selecta-Automaten in der Schweiz erhältlich. Doch nicht bei allen stiess er mit dem Automatenverkauf auf Wohlwollen. Apotheker etwa monierten, dass die persönliche Beratung wegfalle. Doch Wäfler nahm’s gelassen und kann den Einwand bis heute nicht so recht nachvollziehen: «Ich weiss nicht, was man da beraten sollte.» Die Beratung benötige man ja wenn überhaupt, dann eher nach dem Test.

«Wenn man einmal daran geschnuppert hat, will man nichts anderes mehr.»

Trotzdem nahm er der Kontroverse den Schwung, indem er eine Hotline errichtete, die rund um die Uhr in Betrieb ist. Wer anruft, hat den Chef persönlich am Telefon: «Ich bediene die Nummer selbst, auch mitten in der Nacht.» Allerdings seien es nur rund fünf Anrufe pro Monat. «Meist will jemand wissen, ab wann man den Test anwenden kann.» Auch schon musste er allerdings verzweifelte Frauen an Fachstellen weiterleiten. Die Bedienung der Hotline empfindet er nicht als Belastung, im Gegenteil. Er bekomme so den direkten Kundenkontakt und könne «den Puls fühlen».

Inzwischen, sagt er nicht ohne Stolz, sei der «maybe baby»-Test zum Verkaufsschlager seines Sortiments geworden. Genaue Verkaufszahlen möchte er allerdings nicht öffentlich machen.

Markus Wäfler vor einem Selecta-Automat. Hier kann der «maybe-baby»-Test ganz einfach gekauft werden.
Markus Wäfler vor einem Selecta-Automat. Hier kann der «maybe-baby»-Test ganz einfach gekauft werden.

(Bild: moe)

Firmengründungen am Laufmeter

Wäfler sagt von sich, dass er blitzschnell spüre, ob etwas ein Business sei oder nicht. Zum finanziellen Erfolg seiner Geschäfte hält er sich generell bedeckt. Er lässt sich, ganz Businessmann, nur ungern in die Karten schauen. Doch unter Beweis gestellt hat er seine Nase fürs Geschäft schon oft. Nach dem KV arbeitete er zwar einige Jahre lang als Angestellter bei der damaligen Kreditanstalt. Danach aber gründete er ein Unternehmen nach dem anderen: Von der Prototypenherstellung über Selbstbedienungssolarien bis zur professionellen Raumbeduftung.

«Man sollte dann aussteigen, wenn die Konkurrenz grösser wird und dadurch die Preise fallen.»

Das Unternehmertum hat es ihm angetan, die Freiheit und die Selbstverantwortung, die es mit sich bringt. Über seine Eltern, die eine Fahrschule haben, atmete er diese Luft schon als Kind ein. «Wenn man einmal daran geschnuppert hat, will man nichts anderes mehr.» Eine schlanke Organisationsstruktur sei ihm dabei wichtig, denn er will stets agil bleiben. So lässt er für die Wäfler Diagnostics AG sämtliche Tests direkt bei den Herstellern produzieren und kümmert sich selbst ausschliesslich um Vertrieb und Marketing.

Agil bleiben heisst für ihn auch, nicht zu sehr an Dingen fest zu halten. Seine früheren Firmen hat er alle wieder verkauft. «Man sollte dann aussteigen, wenn die Konkurrenz grösser wird und dadurch die Preise fallen.» Nicht nur finanzielle Belange haben ihn seine Firmen abstossen lassen, sondern auch die Möglichkeit, dadurch wieder Platz für neue Ideen zu schaffen. Auch für Wäfler Diagnostics AG und den «maybe baby»-Test hegt er Verkaufsabsichten. Noch sei dies aber kein aktuelles Thema.

Markus Wäfler in seinem Büro. Immer wieder hat der Unternehemer neue Geschäftsideen.
Markus Wäfler in seinem Büro. Immer wieder hat der Unternehemer neue Geschäftsideen.

(Bild: moe)

Nicht nur Erfolge

Als Selfmademan, dem alles gelinge, möchte sich Wäfler nicht bezeichnet sehen. Es habe auch Dinge gegeben, die nicht funktioniert hätten, sagt er ausgleichend und bedacht auf einen bescheidenen Auftritt. Ausgeglichenheit ist ihm wichtig, auch übers Geschäftsleben hinaus. Dafür steht seine Leidenschaft für Taekwondo, einen südkoreanischen Kampfsport. Fasziniert ist er von der traditionellen Form, bei der die Betonung auf der Ästhetik der Bewegungsabläufe liegt, aber auch von der Philosophie, die dahinter steht: «Es geht um Respekt und Anstand, um Grosszügigkeit und Harmonie.» Dinge, von denen die Geschäftswelt gut noch mehr brauchen könne, auch wenn sie unspektakulär erschienen. Auch sich selbst bezeichnet er als unspektakulär und das Leben, das er führt, als ganz normal. «Hauptsache, mein Ideengenerator läuft im Hintergrund!»

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