Wirtschaft
Luzerner Wahrzeichen

Château Gütsch steht vor dem Verkauf

Gesa Eichler von der Château Gütsch Immobilien AG leitet den Umbau. (Bild: Marc Benedetti)

Das Tauziehen um das Luzerner Château Gütsch geht weiter: Während die Stadt auf die Umsetzung der Bauarbeiten wartet, verhandeln die Besitzer im Hintergrund über einen Verkauf. Wie zentral+ erfahren hat, werden derzeit Gespräche mit fünf Investoren geführt. Der Preis des Anwesens soll über 22 Millionen Franken betragen.

Im oberhalb von Luzern thronenden Schlösschen tut sich einiges. Die Vorarbeiten für den Innenausbau des Hotels sind beendet, die Luxus-Tapeten aus Los Angeles eingetroffen. Bis Weihnachten soll die Braut herausgeputzt sein. Der Grund: Es wird derzeit munter über den Preis des Château Gütsch gefeilscht. Eigentlich wollte Gütschbesitzer Alexander Lebedev 70 Millionen Franken in einen Erweiterungsbau stecken. Das Projekt Baluardo  sei zwar «noch nicht ad acta gelegt.» Denn ein Hotel mit 27 Zimmern wäre nur sehr schwer rentabel zu betreiben, wie die junge Geschäftsführerin der Château Gütsch Immobilien AG, Gesa Eichler, einräumt.
 
Man könne sich anstelle der Umsetzung der Pläne auch einen Verkauf vorstellen, verrät Eicher bei einer Besichtigung. Doch offenbar bleibt es nicht bei der Vorstellung. Es werden bereits Gespräche mit Investoren geführt. «Einige der Parteien, mit denen wir im Gespräch sind, sind sehr interessiert, dass der Innenumbau rasch abgeschlossen wird.»

Zum Preis meint die CGI-Geschäftsführerin, dieser werde nach Abschluss der Sanierung «deutlich über 20 Millionen Franken liegen». Auf unsere Nachfrage, verrät sie: «Ein Angebot von 22 Millionen Franken wurde bereits abgelehnt.»

Entschieden wird in London
 
Entschieden wird die Verkaufsfrage in London. VR-Präsident Matthew Cook und Michael Millership unterhalten einen direkten Draht nach Moskau zu Besitzer Alexander Lebedev.

Einer, der definitiv nicht beim Hoteldeal mitbieten wird, ist Bernhard Alpstaeg. Der Verwaltungsratspräsident der Swisspor-Gruppe wurde Anfang Jahr einmal als potentieller «Gütsch»-Käufer gehandelt. Er sagt auf Anfrage: «Das Hotel hat momentan null Wert.» Man müsse zuerst mindestens 20 bis 30 Millionen Franken investieren und erziele auch dann keine unmittelbare Rendite. Alpstaeg findet, die Stadt Luzern sollte das Hotel kaufen.

Plan B: Verpachtung
 
Sollte der Verkauf scheitern, gelangt der Plan B der Eigentümer zur Anwendung – eine Eröffnung als Pacht. Das Hotel soll als 4-Sterne-Betrieb eröffnet werden, da die Zimmer für die Luxuskategorie zu klein sind.
 
Zurzeit werden laut Gesa Eichler Gespräche mit drei bis vier interessierten Personen geführt. Denkbar wäre ein Mietvertrag oder ein Managementvertrag. «Ein Hotel zu führen braucht Knowhow von Profis, das wir nicht haben», sagt sie.
 
Noch offen ist der Zeitpunkt der Hoteleröffnung – ob mit oder ohne Erweiterungsbau. Der oft gehörte Termin kommendes Jahr sei «reine Spekulation». Während Luzerner Medien behaupten, dass die Bauarbeiten kaum vorwärts kämen, konnte sich zentral+ über die Fortschritte vor Ort ein Bild machen.

«Sollen wir das Haus rosa anmalen?»

«Es ist ja logisch, dass man von einem Innenausbau von aussen nichts sieht», ärgert sich die junge Geschäftsführerin über entsprechende Medienberichte. «Oder sollen wir das etwa das Gebäude rosa anmalen?»
 
In den letzten Monaten wurden die Hotelzimmer neu bemalt und saniert. Ein Teil der Badezimmer wurde beibehalten, staubige goldene Wasserhähne zeugen von vergangenen Zeiten. Andere Nasszellen wurden erneuert. Das Restaurant ist unverändert stehen geblieben seit der Schliessung Ende 2010.
 
Die Verzögerungen – das Umbau-Projekt hätte gemäss früheren Informationen der Besitzer bereits Ende 2012 abgeschlossen werden sollen, werden mit einem Wechsel im Verwaltungsrat erklärt (siehe Infobox). Dadurch kam es von November bis Anfang Februar zu einem Baustopp. Daneben räumt Eichler aber auch Mängel in der Kommunikation und logistische Probleme ein.

Stardesigner engagiert

So wurde der renommierte US-Innendesigner Martyn Lawrence Bullard verpflichtet, um dem seit zehn Jahren leer stehenden Hotel neues Leben einzuhauchen. Eines der Highlights sollen 30’000 Franken teure Vintage-Tapeten sein, die Bullard in Los Angeles herstellen lässt. Diese nach Luzern zu bringen, sei komplizierter als angenommen gewesen, erklärt Eichler. «Wir schaffen damit etwas, dass es in Luzern noch nicht gibt. Bullard würde es extraordinary nennen…»
 
Neben edlen Tapeten und Stoffen, die in jeder Zimmergruppe anders sind, wurden luxuriöse Möbel in Belgien und Italien erworben. Ausserdem sollen die Gemälde, Waffen und Statuen, mit denen das ehemalige «Gütsch» dekoriert war, nach der Renovation wieder ihren Platz bekommen (sie sind momentan eingelagert). Gesa Eichler: «Wir hoffen mit dem Umbau bis spätestens Weihnachten fertig zu sein.»

Gütschbähnli: Wer ist schuld?

Die Bauarbeiten für den neuen Schräglift, welche am Montag bei der Talstation beginnen sollen, dauern laut Eichler mindestens drei Monate. Die Stadt Luzern hat den «Gütsch»-Eigentümern im Juni dieses Jahres ein Ultimatum gesetzt. Bis 31. Oktober müsse die neue Gütschbahn in Betrieb sein. Ansonsten drohte die Stadt die gesamte Baubewilligung zu entziehen. Während Gesa Eichler gegenüber zentral+ von einer gewissen Kulanz sprach, die man ihr zugesagt habe, will die Stadt davon nichts wissen. Der Luzerner Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner: «Das Ultimatum bleibt.»
 
Auch beim Grund für die Verzögerungen ist man sich nicht einig. «Das Verschulden liegt nicht auf unserer Seite», sagt Eichler zu zentral+. Sie hätten mit der Baubewilligung bis 10. Juni  gerechnet. «Dann hätten wir im Juli loslegen können.» Die Bewilligung habe aber erst in der letzten Juni-Woche vorgelegen.
 
Der Grund sei unter anderem ein zusätzliches Gutachten gewesen, das die Stadt benötigte. Es ging um den Abstand der SBB-Brücke zur Gütsch-Bahn und dem Gebäude der Talstation. Laut Pete Widmer vom Büro für Bauökonomie in Luzern, das im Auftrag der Château Gütsch Immobilien AG das Baumanagement inne hat, wollen die SBB in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Brücke sanieren, was Vorarbeiten bedingte. Widmer: «Das war der Grund für die Verzögerung. In diesen Tagen können wir aber loslegen.»

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