Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Wird Zug der fünfte Kanton ohne Frauen in der Regierung?
  • Politik
  • Wahlen
Eines der auffälligen Plakate der Frauenzentrale Zug stand letzte Woche an der Nordstrasse. (Bild: zVg)

Reine «Männerclubs» kommen in Mode Wird Zug der fünfte Kanton ohne Frauen in der Regierung?

3 min Lesezeit 01.10.2018, 04:23 Uhr

Barbara Gysel (SP) und Silvia Thalmann-Gut (CVP) profitieren bei den Zuger Regierungsratswahlen vom Frauenbonus, um den Einzug ins erlauchte Gremium zu schaffen. Doch gibt’s den überhaupt? Eine Tendenz in der Schweizer Politlandschaft lässt daran zweifeln.

Im kommenden Jahr wird Graubünden nur noch von Männern regiert. Die Bündner hatten im Juni keine Wahl. Denn für die fünf Regierungsratssitze stellten sich im Bergkanton nur sechs Herren der Schöpfung zur Verfügung. Die verdiente BDP-Magistratin Barbara Janom Steiner wäre locker gewählt worden, konnte aber wegen der Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten.

Graubünden ist der vierte Kanton in der Schweiz, der zur reinen Männerbastion wird – nach Luzern, dem Tessin und Appenzell-Ausserrhoden, wo ebenfalls keine Frauen mehr in den Kantonsregierungen vertreten sind.

Unterstütze Zentralplus

Zwei Kantone sind weiblich dominiert

Eine Frauenmehrheit in einer Schweizer Kantonsregierung existiert nur in der Waadt und im Thurgau – aber in allen Schweizer Kantonen gab’s vorübergehend meist eine oder zwei Frauen, die mit das Sagen hatten.

Nun also könnte Zug zum fünften exklusiven «Männerclub» werden. Und somit einen Trend fortschreiben, der 2015 begonnen hat.

Silvia Thalmann-Gut ist ursprünglich Primarlehrerin von Beruf.

Silvia Thalmann-Gut (CVP).

(Bild: woz)

Denn nachdem die grün-alternative Regierungsrätin Manuela Weichelt im Frühling darauf verzichtet hat, zu einer vierten Amtszeit anzutreten (zentralplus berichtete), liegt es im Bereich des absolut Denkbaren, dass von den sieben männlichen und zwei weiblichen Kandidaten eben nur die sieben Männer gewählt werden.

Bonus gegen Bonus

Zum Beispiel dann, wenn parteipolitisch alles beim Alten bleibt: Wenn CVP, SVP und FDP alle zwei Sitze machen und die Alternativen mit Weichelt-Nachfolger Andreas Hürlimann ihren Posten verteidigen. Dann guckt Barbara Gysel von der SP in die Röhre. Und Silvia Thalmann-Gut von der CVP steht vermutlich auch im Regen, da die beiden anderen CVP-Kandidaten, Beat Villiger und Martin Pfister, vom Bisherigenbonus profitieren.

«Bei bürgerlichen Wählern spielt die Geschlechterfrage kaum eine Rolle.»

Olivier Dolder, Politologe

Also muss für die beiden Damen ein anderer Bonus her – der Frauenbonus zum Beispiel. Dieser besagt, dass eine Menge Wählerinnen und Wähler eine Frau nur wegen ihres Geschlechts wählen. Und weil sie finden, dass die Gleichstellung auch in der Politik Einzug halten sollte.

Weltsicht entscheidet

Solches lässt sich mit Fug und Recht fordern (zentralplus berichtete). Aber lassen sich die Wähler auch davon beeindrucken? Wählen sie Leute aufgrund ihres Geschlechts?

«Das hängt ein wenig vom Elektorat ab», sagt der Luzerner Politologe Olivier Dolder, «je nachdem, aus welchem politischen Lager die Wähler kommen.» Bei bürgerlichen Wählern spiele die Geschlechterfrage kaum eine Rolle. «Für die Linken ist sie wichtiger. Dort spielt der Frauenbonus eher.»

Gute Nachricht für Linke

Eine gute Nachricht also für Gysel, während Thalmann-Gut sich damit trösten muss, dass die CVP ohnehin das Wählerpotenzial hat, um drei Leute in die Regierung zu hieven. So schied Martin Pfister, der später Peter Hegglin beerbte, 2014 bekanntlich als Überzähliger aus, weil es keine freien Sitze im Regierungsrat mehr gab. Das absolute Mehr hatte er erreicht, er war als dritter CVP-Vertreter gewählt worden.

Barbara Gysel von der Zuger SP vermisst das Staatsmännische im Handeln der beiden Regierungsräte.

Barbara Gysel (SP).

(Bild: mbe.)

Wobei: «Bei Majorzwahlen tun sich Frauen generell sehr schwer», liess Simone Curau-Aepli, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (EKF) und ehemalige CVP-Politikerin in der «Neuen Zürcher Zeitung», verlauten, als die NZZ im Mai die Entwicklung zu rein männlichen Regierungen in der Schweiz eingehend beleuchtete.

Auch Barbara Gysel kann also nicht zu sehr auf den Frauenbonus bauen, Silvia Thalmann-Gut wohl erst recht nicht.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare