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Wird der FCL mit leeren Energietanks stehen bleiben?
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Er ist einer von acht FCL-Spielern, die in den fünf Spielen seit Wiederaufnahme der Meisterschaft in der Startformation standen: der Brasilianer Ryder Matos. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Gleiche acht Spieler jeweils in der Startformation Wird der FCL mit leeren Energietanks stehen bleiben?

5 min Lesezeit 07.07.2020, 18:39 Uhr

Keinem anderen Super Ligisten läuft es im 2020 so rund wie dem FC Luzern: In zehn Spielen unter Fabio Celestini resultierten 23 Punkte. Der Trainer hat der zuvor abstiegsgefährdeten Mannschaft ein erfolgreiches Konstrukt verpasst. Aber für wie lange reicht der Schnauf?

Es ist die intensivste Zeit im Spielbetrieb des FC Luzern seit dessen Gründung vor beinahe 120 Jahren. Mit dem Auswärtsspiel am Mittwochabend in Genf sind die Luzerner nahezu bei der Hälfte des Mammutprogramms bis zum Meisterschaftsende am 2. August angelangt: bei Spiel 6 von total 13 innerhalb von sechs Wochen.

Die Beanspruchung von Körper und Geist ist enorm. Deshalb erlangen in diesen Tagen und Wochen Begriffe wie Regeneration und Rotation eine übergeordnete Bedeutung in der Super League.

Sie stehen in bislang jeder FCL-Stammformation

Beim FC Luzern fokussieren sie sich hauptsächlich auf die Regeneration. Weil Fabio Celestini nur ein kleiner Spielraum bleibt bei der Rotation – schliesslich hat er in den Tagen vor dem Schlussspurt in der Meisterschaft Captain Christian Schwegler und Tsiy Ndenge wegen einer Knieverletzung verloren.

In den fünf Spielen seither vertraute der 44-jährige Romand auf einen achtköpfigen Stamm:

  • Marius Müller (26): total 450 Spielminuten.
  • Lucas Alves (27): 450.
  • Marvin Schulz (25): 450.
  • Marco Burch (19): 446.
  • Ryder Matos (27): 423.
  • Francesco Margiotta (26): 391.
  • Lorik Emini (20): 379.
  • Ibrahima Ndiaye (22): 323.

Und hätte Stefan Knezevic (23) beim 2:2 gegen Servette nicht eine Sperre nach der vierten gelben Karte absitzen müssen, gehörte aller Wahrscheinlichkeit nach auch er den FCL-Fixstartern an. So steht der Innenverteidiger aber «bloss» bei 360 Spielminuten.

FCL vertraut auf harte Vorbereitung

Wird der FC Luzern deshalb mit leeren Energietanks stehen bleiben? «Das ist eine gute Frage», entgegnet Christian Schmidt. Gleichzeitig sieht der Konditionstrainer aber keinen Anhaltspunkt, die Frage zu bejahen.

Er erläutert: «Im Wissen darum, was für ein Rhythmus uns bis Meisterschaftsende erwarten wird, hat unser Kader in der Vorbereitung darauf so hart wie vertretbar trainiert. Deshalb ist der Hubraum der meisten Spieler wirklich gross und die vielen Wettkämpfe in schneller Reihenfolge kein unüberwindbares Hindernis.»

«Das Übernachten zahlt sich aus für jeden Einzelspieler und die Mannschaft als Ganzes.»

FCL-Konditionstrainer Christian Schmidt

Der 49-jährige Franzose glaubt, dass die Erfahrung im letzten Sommer mit neun Spielen in vier Wochen in der Super League und der gleichzeitigen Qualifikation zur Europa League für die Spieler eine hilfreiche sein kann bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderung.

Vier zentrale Punkte für die Erholung

Zudem herrscht beim FCL ein ausgeklügeltes Regenerationssystem, das einzig und allein auf ein schnelles Aufladen der Batterien ausgerichtet ist. Laut Christian Schmidt sind das die vier Eckpunkte:

  • In den 30 Minuten nach jedem Ernstkampf trinkt jeder eingesetzte Spieler einen Proteinshake, um die Energiereserven in den Muskeln wieder aufzuladen.
  • Statt auszulaufen, stehen Hometrainer in Form von Velos zur Verfügung – auch bei Auswärtsspielen. Das schont Muskeln und Gelenke.
  • Für die Muskulatur stehen zumindest kalte Massagen zur Verfügung. In der Swissporarena gar ein Eisbad. Pascal Schürpf, mit bald 31 einer der FCL-«Teamsenioren» und wachsendem Einfluss aufs sportliche Wohl der Luzerner (zentralplus berichtete), sagt lächelnd: «Ohne Eisbad würde ich das Ganze nicht überstehen.»
  • Richtig essen und gut schlafen. Darum ist der FCL nach dem Sieg in Sion (2:0) auch heute wieder einen Tag vor dem Ernstkampf gegen einen Direktkonkurrenten um einen Europa-League-Platz nach Genf gereist. Er wird vor und nach dem Spiel vor Ort übernachten. «Das hat zwar seinen Preis, aber es zahlt sich aus für jeden Einzelspieler und die Mannschaft als Ganzes», bezieht sich Schmidt auf den wichtigen Schlafrhythmus.

Das ist Celestinis zweite Garde

Neben den acht Stammkräften hat FCL-Cheftrainer Fabio Celestini noch zehn weitere Profis eingesetzt in den letzten fünf Spielen, aus denen zehn Punkte resultierten:

  • Simon Grether (28): Der defensive Wadenbeisser, der seinen Vertrag bis zum Ende der Corona-Saison 19/20 verlängert bekam, wurde dreimal in die Startformation berufen und kommt auf 286 Spielminuten.
  • Pascal Schürpf (30): Der vormalige Captain ist zu einem Edeljoker geworden und absolvierte bislang 232 Spielminuten.
  • Idriz Voca (23): Der Abräumer im defensiven Mittelfeld kommt zwar auf zwei Nominationen in der Startformation, fehlte zuletzt zweimal aus privaten Gründen.

Die bislang aufgezählten Einzelspieler und erst recht die Ergänzungsspieler (David Mistrafovic, Silvan Sidler, Blessing Eleke, Darian Males, Marco Bürki und Mark Marleku) haben Eines gemeinsam: Entweder stehen sie am Anfang oder höchstens in der Blüte ihrer Karriere. Sie müssen im Saft sein. Der einzige Ausreisser in den Herbst der Karriere ist der unermüdliche Antreiber und Teilzeitarbeiter Schürpf.

Guter Lauf bedeutet mentalen Rückenwind

Fabio Celestini ist in diesen Tagen und Wochen daran, herauszufinden, wie sich seine Schützlinge bei dieser hohen Belastung fühlen – und wie sie funktionieren. Als ehemaliger Schweizer Nationalspieler und vielleicht aktuell spannendster Trainer der Super League weiss er genau, wie die Profis ticken.

«Der Mensch läuft mehr mit dem Kopf als mit den Beinen.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Darum sagt er: «Wenn es dem Team läuft, haben die Spieler Rückenwind. Dann will jeder spielen.» Egal, ob der Spieler die in den Körper kriechende Müdigkeit mehr oder weniger spürt.

Doch Celestini weiss auch aus eigener Erfahrung: «Der Mensch läuft mehr mit dem Kopf als mit den Beinen.»

Warum Celestini noch nicht fünf Spieler wechselte

Ins Auge sticht nicht nur, dass Celestini einem FCL-Stamm von acht bis neun Spielern vertraut. Er hat in jedem der fünf Spiele im Schlussspurt der Meisterschaft auch stets darauf verzichtet, sein Auswechselkontingent auszuschöpfen. Wegen des hohen Rhythmus an Ernstkämpfen ist es für diese Ausnahmesituation von drei auf fünf Spieler erhöht worden.

Celestini erklärt: «Läuft das Spiel, ist für mich nur das Resultat und das, was mein Team auf dem Platz macht, wichtig.» Signalisiert eine Mehrheit der Spieler, dass sie durchhalten, sieht er keinen Grund für einen Wechsel. Darum habe er bislang bloss viermal drei Spieler und erst zuletzt gegen Thun deren vier ausgewechselt.

Zwischen den Spielen macht sich Celestini im Sinne einer mittelfristigen Einsatzplanung aber durchaus Gedanken darüber, wann die Rückkehr eines zuvor verletzten Spielers für die Mannschaft Sinn macht. Schliesslich ist es kaum ratsam, das FCL-Pulver in einer einzigen Schlacht zu verschiessen.

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