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«Wir wollten hören, was glücklich macht und was hässig»
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Kernaussagen für ein ausgewogenes und vielfältiges Leben: Stadtentwicklerin Regula Kaiser (Bild: Falco Meyer )

Zug «Wir wollten hören, was glücklich macht und was hässig»

5 min Lesezeit 17.03.2013, 10:48 Uhr

Was geschieht im öffentlichen Raum in Zug, und wie soll der gestaltet sein? Über 300 Zugerinnen und Zuger haben sich im Mitwirkungsprojekt «Freiraum Zug» Gedanken gemacht, wie sie ihre Stadt künftig erleben wollen. Die Zuger Stadtentwicklerin Regula Kaiser hat diesen Prozess hautnah begleitet. 

Zugerinnen und Zuger haben an drei Terminen heftig miteinander diskutiert und um ein gemeinsames Verständnis vom öffentlichen Raum gerungen. Dabei ist eine Charta des öffentlichen Raumes entstanden, ein Leitbild für Politik und Veranstalter, Quartiervereine und Bewohner. Vor kurzem wurde die Charta von der Stadt Zug veröffentlicht. Sie enthält 15 Kernaussagen für ein ausgewogenes und vielfältiges Leben auf öffentlichem Raum. Darin wird etwa gefordert, dass der öffentliche Raum als Begegnungszone genutzt werden kann, dass die Stadt lebendig sein und einem vielfältigen Kultur- und Gesellschaftsleben Raum bieten soll. Mehr Freiräume für Jugendliche werden gewünscht, ein lebendiges Strassenbild mit mobilen Angeboten und, unter anderem, die Erneuerung der Bespielungspläne für öffentliche Plätze, vor allem im Hinblick auf authentische Veranstaltungen.

Stadtentwicklerin Regula Kaiser hat das Projekt «Freiraum Zug» aufgegleist, jetzt sitzt sie gerade im Arvenstübchen im Zollhaus und breitet die umfassenden Unterlagen aus.

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zentral+: Frau Kaiser, sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis des Mitwirkungsprozesses?

Regula Kaiser: Sehr, wir waren ehrlich erstaunt über die grosse Bereitschaft der Zugerinnen und Zuger, daran mitzuarbeiten: Schon beim ersten Termin sassen 120 Leute im Saal, fast so viele wie in den zwei folgenden Workshops. Es ist aber nicht nur die Zahl, die mich freut, sondern auch die Leute die dabei waren: Quartierbewohner, Veranstalter, Vertreter des Gemeinderats, der Quartiervereine, der Korporation und der Bürgergemeinde sind gekommen. 

zentral+: Was motivierte die Leute, mitzureden?

Kaiser: Es sind die, die etwas bewegen wollen, die an den Strippen ziehen. Dabei hat es Begegnungen gegeben zwischen verschiedenen Ansichten, Konfrontationen aber auch versöhnliche Kontakte, wie etwa zwischen Jugendlichen und Anwohnern der Seeuferanlage. Das Kernziel allerdings war es, in O-Ton zu hören, was die Leute gut finden in ihrer Stadt und was nicht. Was macht glücklich, was macht hässig? Meinungsumfragen sind sehr distanziert, in so einer Mitwirkung werden die Leute auch mal ehrlich wütend, das ist natürlich wunderbar, dann gibt es eine echte Diskussion.

zentral+: Die Resultate dieser Diskussion flossen in die «Charta für den öffentlichen Raum» ein. Was ist die Relevanz dieser Charta, hat sie Veränderungspotenzial oder verschwindet sie in den Schubladen?

Kaiser: Der Effekt solcher Leitbilder wird oft unterschätzt: In unserer Arbeit in den Departementen müssen wir jede einzelne Aktion im Aktionsplan zuordnen und erklären, welches Legislaturziel damit erreicht werden soll. Die Charta hat eine ähnliche Funktion, die einzelnen Punkte sind den Legislaturzielen zugeordnet und können so in den Aktionsplan übernommen werden. Zudem sind konkrete Projekte ausgearbeitet worden, die zum Teil schnell umgesetzt werden können, wie konsumfreie Pic-Nic-Zonen am Seeufer. 

Andere Massnahmen wie die Erarbeitung von neuen Bespielungsplänen für den öffentlichen Raum dauern länger, damit wird aber sofort begonnen. Und wir sind mit der Charta und der parallel vom Baudepartement durchgeführten planerischen Expertenstudie «Freiraumkonzept» gut vorbereitet auf die nächste Richtplanung und die darauf folgende Raumplanungsrevision. 

zentral+: Hat denn die Charta eine demokratische Legitimierung bei 300 Teilnehmern, trifft das die Sicht der Zugerinnen und Zuger auf ihre Stadt?

Kaiser: Die Mitwirkung ist so repräsentativ wie eine Meinungsumfrage. Und einerseits ist sie das auch: Sie repräsentiert die Meinung der dreihundert Teilnehmer an diesen drei Abenden. Andererseits ist sie aber auch das Ergebnis von lebhaften Verhandlungen im Saal. Wenn wir unsere Arbeit gut gemacht haben, dann ist die Charta ein Stimmungsbild, das vielen Zugern auf den Nerv treffen dürfte. Wir werden sehen, wie sie aufgenommen werden wird, bis jetzt haben wir sehr viele positive Rückmeldungen erhalten. 

zentral+: Bei früheren Mitwirkungsprozessen wie etwa «Wir sind Zug» hat es zum Teil lange gedauert, bis solche Projekte umgesetzt worden sind, wie steht es damit bei «Freiraum Zug»?

Kaiser: Auch bei «Wir sind Zug» haben gewisse Projekte grossen Erfolg, wie etwa die Veranstaltungen rund um die Chriesi, das hat eine ganz eigene Dynamik entwickelt, mit der niemand gerechnet hat. Wir haben aus diesen Prozessen viel gelernt und das Projekt «Freiraum Zug» noch besser in der Verwaltung vernetzt und abgestützt. Jedes Projekt hat einen Götti in der Verwaltung, der sich für seine Umsetzung engagiert. 

zentral+: Heisst das, es gibt einen Rückhalt in der Verwaltung?

Kaiser: Diese Vertreter der Departemente haben in den Mitwirkungsrunden die Diskussion moderiert und sich eingebracht. Die einzelnen Projekte, die aus der Charta hervorgegangen sind, wurden auch nicht von den Teilnehmern, sondern von den Departementen ausgearbeitet, um die in der Charta angeführten Wünsche und Ideen zu realisieren. Insofern gehe ich davon aus, dass die Projekte in den Departementen grösseren Rückhalt finden als bei früheren Mitwirkungen, und schneller umgesetzt werden können. 

zentral+: Allerdings sind einige dieser Projekte auch schon lange auf der Wunschliste, sind schon bei vielen Mitwirkungen aufgetaucht und bis jetzt nicht umgesetzt worden…

Kaiser: …wie etwa die Sommerbar von Jugendlichen für Jugendliche. Auch da: Es braucht immer einen Götti, und diesmal glaube ich, haben wir mit der Jugendanimation Zug eine Abteilung gefunden, die das Projekt realisieren kann, ohne die Jugendlichen damit alleine zu lassen. 

Zudem gibt es auch unter den Teilnehmern Leute, die die Projekte weiter verfolgen. Jemand hat zum Beispiel als Bedingung für seine Teilnahme an «Freiraum Zug» gefordert, dass wir ihm zuerst die Umsetzung der Projekte von «Wir sind Zug» dokumentieren und aufzeigen: Da sind fast alle Projekte umgesetzt, und an den anderen sind wir noch dran. Das finde ich sehr gut: Das gibt es Leute, die fordern, formulieren und dranbleiben.

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