«Wir wollen keine Verhältnisse wie im Zürcher Niederdorf»
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In der Unter Altstadt herrscht meist tote Hose. Die IG Altstadt will nun Leben in den alten Zuger Stadtkern bringen – und bekommt unerwartete Schützenhilfe. (Bild: wia)

Zuger Altstadt als Publikumsmagnet? «Wir wollen keine Verhältnisse wie im Zürcher Niederdorf»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 31.03.2016, 09:00 Uhr

Kommt jetzt Schwung in die Bude? Die neu gegründete IG Altstadt will mehr Leben in den alten Zuger Stadtkern bringen. Solche Bemühungen sind nicht neu. Neu ist allerdings, dass für einmal sogar die Altstadtbewohner am gleichen Strang ziehen – unter einer Bedingung.

«Unbelebt», «museal», «tot»: Gewerbetreibende in der Zuger Altstadt haben nicht sonderlich schmeichelhafte Attribute auf Lager, wenn es um den historischen Stadtkern geht (zentralplus berichtete). Verständlich, ist ja schliesslich ihr Geschäftsumfeld. Und wenn dieses «tot» ist, sprich keine Kundschaft aufweist, dann harzt es auch mit dem Geschäften. Von der Politik scheinen sich die Ladenbesitzer indes nicht allzu viel Schützenhilfe zu erhoffen – trotz neuem Altstadtreglement (wir berichteten). Deshalb nimmt man die Sache nun in die eigenen Hände.

Gewerbetreibende in der Zuger Altstadt treten neu unter einer gemeinsamen Flagge auf: Sie gründeten vor kurzem die IG Altstadt. «Die Interessengemeinschaft ist aus einem regelmässigen Treffen einzelner Ladenbetreiber entstanden», erklärt Simone Glarner, die mit ihrem Hochzeitsgeschäft «Liebesding» selbst darin vertreten ist.

«Wir sind uns sicher, dass die Zuger Altstadt mit aktuell 143 verschiedenen Betrieben aus allen möglichen Bereichen die beste Ausgangslage hat, ein interessanter Verweilort für Einwohner und Gäste zu sein.»

Simone Glarner, IG Altstadt Zug

Das Bedürfnis, gemeinsam etwas zu bewegen, sei in letzter Zeit stärker geworden, führt sie aus. «Deshalb haben wir uns entschieden, aus diesem Kernteam die IG Altstadt zu gründen. Wir sind uns sicher, dass die Zuger Altstadt mit aktuell 143 verschiedenen Betrieben aus allen möglichen Bereichen die beste Ausgangslage hat, ein interessanter Verweilort für Einwohner und Gäste zu sein.» Mit gezielten Aktionen soll diese Attraktivität zusätzlich gestärkt werden.

Gestärkte Synergien

Da der alte Zuger Stadtkern zu einem grossen Teil aus Wohnquartieren besteht, hatten ähnliche Vorhaben allerdings bisher kein leichtes Spiel. Denn die Altstadtbewohner wollen vor allem eines: ihre Ruhe. Dass diese gerade in den Nachtstunden nicht gestört wird, dafür sorgen auch die bereits etablierten Nachbarschaftsvereinigungen (siehe Karte). Die Zeichen für die neue IG Alstadt stehen wider Erwarten allerdings gar nicht so schlecht. Denn die Nachbarschaftsvereine stimmen für einmal moderate Töne an.

«Es ist erfreulich, dass sich die Läden der Altstadt zusammentun und ihre Interessen gemeinsam gegen aussen vertreten», sagt beispielsweise Roland Hengartner von der Nachbarschaft Altstadt-Obergasse. Bei Pia Vonesch von der Nachbarschaft Dorf tönt es gleich: «Das ist sehr begrüssenswert. Durch die Interessengemeinschaft werden Synergien gestärkt.» Und auch Fredy Weller von der Nachbarschaft Münz blässt ins selbe Horn: «Ich finde das gut. Und alles was für die Altstadt gut ist, freut mich.»

Belebung ja, aber …

Allseits auf Anklang stösst der Umstand, dass mit der IG Altstadt ein Sammelbecken für alle Ladenbetreiber rund um das historische Zug entsteht. «Zusammen haben wir mehr Gewicht gegenüber den Behörden und Hausbesitzern», erklärt Roland Hengartner von der Ober Altstadt. Als Beispiele nennt er den Knatsch um die Schliessung der Zuger Hauptpost, das Parkplatzproblem und Umstellungen im öffentlichen Verkehr.

Die einzelnen Nachbarschaftsvereinigungen rund um die Zuger Altstadt.

Die einzelnen Nachbarschaftsvereinigungen rund um die Zuger Altstadt.

(Bild: zvg)

«Nachts soll weiterhin Ruhe herrschen. Wir wollen keine Verhältnisse wie im Zürcher Niederdorf.»

Roland Hengartner, Nachbarschaft Altstadt-Obergasse

Selbst das Stichwort «Belebung» ruft seitens der Nachbarschaftsvereine keine Abwehrreflexe hervor. Durchs Band spricht man sich für eine Belebung der Altstadt aus – allerdings mit einer Einschränkung: «Wir sind nicht generell gegen jede Belebung. Solange es sich um eine gute Idee handelt und sich die Aktivitäten auf den Tag beschränken, ist unsere Unterstützung gewiss», meint Hengartner. «Man muss aber die Balance zwischen Wohnen und Belebung finden. Nachts soll weiterhin Ruhe herrschen. Wir wollen keine Verhältnisse wie im Zürcher Niederdorf.»

Daniel Acklin von der Unteraltstadt spricht von einem Nebeneinander, das man in der Zuger Altstadt anstreben müsse. «Wir sind froh, wenn Läden in die Altstadt kommen. Auch Restaurants und Cafés sind wilkommen. Bars mit Nachtbetrieb vertragen sich aber nicht mit einem Wohnquartier.» Deutliche Worte äussert auch Pia Vonesch von der Nachbarschaft Dorf. Sie findet, dass man gewisse Emissionen aushalten muss. «Eine Belebung finde ich gut. Allen kann man es ohnehin nicht recht machen.»

Mit Ostereier zur friedlichen Koexistenz

Simone Glarner von der IG Altstadt ist sich sicher, dass von einem breiten Angebot letztlich alle profitieren werden: Die Anwohner ebenso wie die Zuger Bevölkerung, die Hausbesitzer und die Läden der Altstadt. Sie macht aber auch unmissverständlich klar: «Da die IG Altstadt grösstenteils aus Ladenbesitzern besteht, stehen die Bedürfnisse der Gäste und Passanten im Vordergrund.» Was die Bewohner angeht, sei man der Auffassung, dass die Koexistenz mit den Anwohnern nicht tangiert werde – immerhin: Die Zuger Altstadt besteht zu über 60 Prozent aus Wohnungen.

Das Kernteam der IG Altstadt

Folgende Personen sind in der IG Altstadt vertreten:

  • Jaqueline Amrhein (Wunderbox),
  • Sindrea Baltisberger, (Fine Bulle),
  • Lilian Bumbacher (Atelier Glasklar),
  • Monica Eckenstein (Alpaka),
  • René Freiermuth (RLF Soft GmbH),
  • Simone Glarner (Liebesding),
  • Felix Horta (Hausbesitzer Zeughausgasse),
  • Raphael Meyer (Goldart & Juwelen),
  • Sabine Pralat (La Principessa),
  • Regula Kaiser (Vorstand Stadtentwicklungsgruppe Zug),
  • Bruni Loos (Max Iten Goldschmiede)
  • Aase Vogler (Oleana).

Der Auftrag ist klar: Mit gezielten Aktionen will man die Attraktivität des historischen Stadtkerns stärken und die Menschen zum dortigen Verweilen anregen. Doch wie sie das anstellen will, weiss auch Glarner noch nicht: «In einer ersten Phase geht es darum, die Situation zu analysieren und einen starken Auftritt aufzubauen», sagt sie. Eine neue Webseite sei gerade im Aufbau und auch auf sozialen Medien wolle man zunehmend präsent sein. Zudem möchte die neue Interessengemeinschaft die bereits bestehenden Events und Attraktionen unterstützen, begleiten und ausbauen.

«Wie sich die Zuger Altstadt entwickeln wird, können wir als Ladenbesitzer nicht sagen», merkt Glarner an und fügt hinzu: «Wir sind jedoch überzeugt, dass sich der alte Stadtkern als sympathischer Verweilort mit einer grossen Auswahl an einzigartigen Produkten und Dienstleistungen positionieren kann.»

Ein erstes Zeichen konnte die neue IG immerhin setzen: Über die Ostertage wurde ein Foxtrail initiiert. Es galt, goldene Ostereier in diversen Geschäften zu finden und damit das Lösungswort zusammenzustellen. Ein kleiner Schritt, um etwas Leben auf moderate Weise auf die alten Pflastersteine zu bringen. Weitere Überraschungen werden folgen, verspricht Glarner.

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1 Kommentare
  1. René Freiermuth, 02.04.2016, 09:06 Uhr

    Ob die Altstadt „belebt“ werden muss, darüber lässt sich streiten. Dank der Anwohner spielen Kinder in den Gassen und es flanieren auch Touristen in den Strassen, dies dank der wervollen alten und gepflegten Gebäuden. Unbestritten ist, dass wir uns Mühe geben müssen, die Attraktivität zu steigern. Gerade hier haben die Ladenbesitzer entscheidende Möglichkeiten, mit ihren geschmackvollen Auslagen ein Zeichen zu setzen und deshalb auch am Abend die Schaufenster zu beleuchten.
    Jedes Haus hat seine Geschichte und es wird viel getan dies zu zeigen.
    Es ist toll, wenn die Presse darüber informiert.
    Herzlichen Dank

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