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«Wir werden diskriminiert»
  • Politik
  • Satire
Dass die Bratwurst für politische Debatten herhalten muss, macht sie unglücklich. (Bild: bra)

Interview mit einer Bratwurst «Wir werden diskriminiert»

2 min Lesezeit 12.09.2014, 10:44 Uhr

Sei es zu den Tankstellen-Shops oder zur Mehrwertsteuer: Es ist nun schon das zweite Mal innert Kürze, dass unschuldige Bratwürste für nationale Politkampagnen herhalten müssen. Eine Direktbetroffene meldete sich nun anonym. Hier das «nicht ganz ernst gemeinte» Interview.

Unsere heutige Gesprächspartnerin treffen wir beim Metzger des Vertrauens mitten in der Stadt Luzern. Sie möchte dieses Interview anonym führen. Es könnte politisch heikel werden, sagt sie, wenn sie von Gastro-Verbänden erkannt würde. Deshalb hat sie sich als Betroffene direkt an zentral+ gewandt. Sie habe genug von der Diskrimierung. Aufgebracht schildert sie ihre Sicht der Dinge. 

zentral+: Wieso haben Sie sich bei uns gemeldet? 

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Bratwurst: Um auf einen Missstand hinzuweisen. Wir Bratwürste werden diskriminiert. (Nervös rutscht sie auf dem Wachspapier hin und her). Erneut müssen wir zu Unrecht für nationale Abstimmungskampagnen herhalten.

zentral+: Wie sollen wir das verstehen? 

Bratwurst: Gestern morgen zum Beispiel, da haben sie am Bahnhof wieder Flyer verteilt, für die Initiative für unterschiedliche Mehrwertsteuer-Sätze. Sogar der Verbandspräsident von Gastro Luzern war dabei. Es ist ein Skandal! Eine Verschwörung!

zentral+: Bitte nicht so hastig. Erzählen Sie ruhig alles der Reihe nach. 

Bratwurst: Es ist so, wir Bratwürste werden nun schon zum zweiten Mal innert kurzer Zeit für eine nationale Abstimmungskampagne missbraucht. Ohne zu fragen wurden wir 2013 für längere Arbeitszeiten in Tankstellen-Shops instrumentalisiert. Jetzt wird mit uns Abstimmungskampf um Mehrwertsteuer-Sätze betrieben. (Sie zeigt ein Bild). 

 

zentral+: Und wo ist das Problem?

Bratwurst: Wir haben mit dem Ganzen absolut nichts zu tun. Damit muss jetzt Schluss sein.

zentral+: Aber Sie haben doch zur Meinungsbildung beigetragen. Die Schweizer Stimmbevölkerung sagte Ja zum erweiterten Arbeitsgesetz in den Tankstellen-Shops. 

Bratwurst: Das Problem ist: Wir Bratwürste sind nicht politisch. Und wir waren es auch nie. Nur weil uns viele Leute gerne essen, wird unsere Beliebtheit zur Meinungsbildung missbraucht. Wenn wir uns jetzt nicht wehren, wird mit uns gemacht, was man will. Das soll nun ein Ende haben. Es gehört zu unserem persönlichen Recht, uns zu wehren. 

zentral+: Werden Sie dagegen etwas tun?

Bratwurst: Wir werden uns zusammenschliessen und organisieren einen Bratwurst-Aufstand. Ich habe mich bereits mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Metzgereien abgesprochen. Demnächst wird es eine Gründungsversammlung geben.

zentral+: Aber Sie verstehen doch auch, dass es nicht fair ist, wenn man mehr Steuern bezahlen soll, nur weil Sie in einem Restaurant genossen werden statt an einem Take-away-Stand?

Bratwurst: Das ist mir sowas von Wurst. Gegessen werde ich ja sowieso. Und wenn es eine nette Bedienung ist, die mich an den Tisch bringt, dann darf es auch etwas mehr kosten. Immerhin werde ich in der Beiz ja nett garniert und liebevoll behandelt. Dafür verlangt der Beizer ja auch 15 Franken. Für diesen Preis kann er im Grosshandel gleich 15 meiner Kolleginnen und Kollegen kaufen.  

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