«Wir wehren uns mit allen Mitteln»
  • Politik
Urs Steiger vom LSVV ist vom Inseli-Standort für den Theaterneubau alles andere als begeistert. (Bild: zVg)

Landschaftsschutzverband gegen Standort Inseli «Wir wehren uns mit allen Mitteln»

4 min Lesezeit 18.04.2016, 18:34 Uhr

Mit deutlichen Worten stellt sich der einflussreiche Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee gegen eine Salle Modulable beim Inseli. Der Bau würde die Oase der Ruhe und Erholung zerstören. Zudem kritisiert der Verband, die Initianten hätten die Visualisierung verfälscht.

Das Inseli als Standort für die Salle Modulable ist seit zwei Wochen Streitthema Nummer eins in Luzern. Nun schaltet sich der Landschaftsschutzverbandes Vierwaldstättersee (LSVV) in die Diskussion ein – und macht es kurz: Ein Theaterneubau beim Inseli kommt für den Verband nicht in Frage. Dabei gilt es zu beachten: Der LSVV ist nicht irgendein Öko-Verbändli. Der LSVV hat durch sein Fachwissen und seine Hartnäckigkeit schon so manches Projekt versenkt.

«Der LSVV wird sich mit allen Mitteln für die Erhaltung des Inseliparks und die Wiederherstellung des Inselis einsetzen», teilt Präsident Urs Steiger mit. Das heisst: Der Verband würde allenfalls auch den Rechtsweg beschreiten, wie Steiger auf Anfrage sagt.

Skizze des Theaterneubaus: Der höchste Gebäudeteil soll 32 Meter betragen.

Skizze des Theaterneubaus: Der höchste Gebäudeteil soll 32 Meter betragen.

Ein grossvolumiges Gebäude auf dem Inseli als «visuelles Wahrzeichen» und mit dem architektonischen Anspruch «internationaler Ausstrahlung» widerspreche der historischen Bedeutung des Ortes als einer Oase der Ruhe und Erholung in der Luzerner Seebucht und zerstöre die einmalige Aufenthaltsstimmung, so der LSVV.

«Das nehmen wir in Kauf»

Bekanntlich bleibt für das Projekt Salle Modulable nicht mehr viel Zeit, jede Verzögerung gefährdet die verbliebenen 80 Millionen Franken aus dem Erbe von Engelhorn. Spätestens bis Ende 2018 müssen alle politischen Hindernisse aus dem Weg geräumt und die Finanzierung gesichert sein, sonst fliesst kein Geld aus dem Nachlass nach Luzern. Das Projekt wäre gestorben.

«Es kann nicht sein, dass man in einem geschlossenen Verfahren ohne Diskussion Stadtentwicklung betreibt.»

Urs Steiger, Präsident Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee

Was sagt Urs Steiger dazu, dass der LSVV mithelfen könnte, das Projekt zu versenken? «Das ist in Kauf zu nehmen», so Steiger. «Es kann nicht sein, dass man in einem geschlossenen Verfahren ohne Diskussion Stadtentwicklung betreibt – das ist der Stein des Anstosses», sagt Steiger. Die Projektinitianten gingen so bewusst hohe Projektrisiken ein – es sei für den LSVV nicht nachvollziehbar, dass ein offener Dialog, auch mit den Schutzverbänden, nun erst nach den definitiven Entscheiden erfolgen soll.

Die Argumente des LSVV gegen den Standort Inseli zusammengefasst:

  • Der geplante Neubau mit einer Grundfläche von 3400 Quadratmetern, einer Höhe von bis zu 32 Metern und mit den reduzierten Abstandsflächen zum See und zur Strasse beanspruche über die Hälfte des ursprünglichen Inselis und des Carparkplatzes. «Die Restfläche des Inselis beträgt lediglich noch ca. 4700 Quadratmeter und wird durch das massive Bauvolumen der Salle Modulbale verschattet.»
  • «Die Überbauung führt zu einer nachteiligen Konzentration und Konkurrenzierung grosser Bauvolumen im Bereich Inseli–Europaplatz», so Urs Steiger.
  • Der einmalige Charakter des Inselis als baumbestandenes kleines Eiland in der Luzerner Seebucht würde «unwiderruflich verloren gehen».
  • «Die Wiederherstellung des Inselis in seiner ursprünglichen Gestaltung wird mit der Bebauung verunmöglicht», meint der LSVV. Dies stehe im Widerspruch zu bisherigen Zielsetzungen der Stadtplanung.

 

Der LSVV hält nach wie vor die Standorte Theaterplatz und Schotterplatz Alpenquai für besser geeignet. Diese würden bei den Schutzverbänden und Bevölkerung zu einer deutlich höheren Akzeptanz führen, glaubt der Verband.

Zone mit höchstem Erhaltungsziel

Einzigartige Landschaftsbereiche wie das Inseli oder die Halbinsel Tribschenhorn zählen laut LSVV zu den besonders schützenswerten Uferlandschaften am Vierwaldstättersee. «Die in grösseren Zeitabständen immer wieder geforderten Überbauungen dieser Areale zeugen von einer Geringschätzung dieser Werte», so Steiger. Das Gebiet Inseli sei im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) einer Umgebungszone mit höchstem Erhaltungsziel zugeordnet.

Und so fügt sich der Theaterbau ins Inseli: Die Grünfläche bleibt grösstenteils erhalten.

Und so fügt sich der Theaterbau ins Inseli: Die Grünfläche bleibt grösstenteils erhalten.

(Bild: Visualisierung PD)

Gestaltung und Qualität öffentlicher Räume würden in hohem Mass die Attraktivität einer Stadt bestimmen, meint der LSVV. «Das Inseli trägt nebst den begrünten städtischen Plätzen, den Quaianlagen am See, der Ufschötti und dem Tribschenhorn ganz wesentlich zum einmaligen Reiz der Stadt Luzern bei.» Mit seinem markanten Baumbestand bilde der Inselipark einen Ruhepol inmitten des hektischen Stadtlebens.

Visualisierung zeigt nicht richtige Ausmasse

Salle Modulable: So geht's weiter

Der weitere politische Fahrplan für das Projekt «Neues Luzerner Theater/Salle Modulable» ist sportlich: Der Regierungsrat entscheidet am 17. Juni über den Projektierungskredit, der Stadtrat am 13. Juli über Projektierungskredit und Baurechtsvertrag. Die Parlamente folgen am 19. September (Kanton) und 29. September (Stadt). Die erste Volksabstimmung folgt in der Stadt Luzern am 27. November. Entscheide zu Baukredit und Anpassung der städtischen Bau- und Zonenordnung folgen 2018.

Der LSVV kritisiert auch die Visualisierungen zum geplanten Theaterbau auf dem Inseli: Sie würden nicht die tatsächlichen Ausmasse des Projektes zeigen. «Die Visualisierungen sind verharmlosend und kaschierend», sagt Urs Steiger.

Die geplante Salle Modulable erreicht voraussichtlich eine Höhe von 32 Metern (zentralplus berichtete) und ist damit rund 10 Meter höher als das KKL und die angrenzenden Bauten. «In der Visualisierung ist kein Höhenunterschied zwischen diesen Gebäuden und der Salle Modulable erkennbar», kritisiert der LSVV. Zudem werde der Baukörper vereinfacht dargestellt und durch eine «waldartige Bepflanzung kaschiert, die an diesem Ort nicht möglich ist».

Hinweis: Seitens Salle Modulable sowie der Stadt Luzern konnte am Montagabend noch niemand Stellung beziehen, weil man noch keine Kenntnis von der Position des LSVV hatte.

Lesen Sie passend zum Thema auch: Höher als erlaubt: Theater hat Hochhausdimension

Alle unsere bisherigen Beiträge zur Salle Modulable finden Sie in unserem Dossier

Mit Volumenstudien prüften die Studien, wie sich der Neubau in die Gegend einfügt – hier am Beispiel Inseli.

Mit Volumenstudien prüften die Studien, wie sich der Neubau in die Gegend einfügt – hier am Beispiel Inseli.

(Bild: Visualisierung PD)

 

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