«Wir sorgen für den Kitt in der Gesellschaft»
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Sie bauen in der Stadt Zug eine Vereinigung zur Nachbarschaftshilfe auf: Tabea Zimmermann (links) und Edith Stocker. (Bild: mam)

Kiss-Nachbarschaftshilfe neu auch in der Stadt Zug «Wir sorgen für den Kitt in der Gesellschaft»

3 min Lesezeit 17.11.2016, 14:09 Uhr

«Ich möchte mit anderen Ungarisch sprechen – und kann beim Kontakt mit Behörden helfen.» Dies ist ein Angebot aus der Nachbarschaftshilfe der Genossenschaft Kiss. Bereits 60 Leute sind in Zug seit September in der neuen Vereinigung Mitglied geworden und wollen sich das Leben gegenseitig erleichtern.

«Das Alltägliche ist häufig nicht so spektakulär. Aber es ist umso wichtiger, dass es funktioniert», sagt Tabea Zimmermann Gibson, die Präsidentin der Kiss Genossenschaft Zug. Das Zielpublikum der visionären Vereinigung sind Pensionierte. Vermittelt wird begleitete Nachbarschaftshilfe oder genauer: Genossenschafter erwerben mit Diensten Gutschriften für andere Dienste, die sie in Anspruch nehmen können. Das bedeutet in der Praxis oft: beim Einkaufen helfen, zusammen spazieren, jemandem vorlesen oder Ähnliches (zentralplus berichtete).

«Wir bezeichnen es gern als vierte Säule der Altersvorsorge.»

Edith Stocker, Geschäftsleiterin Kiss Zug

«Wir bezeichnen es gern als vierte Säule der Altersvorsorge», erklärt Geschäftsleiterin Edith Stocker. Statt Geld aus einer Pension bekommt man bei Kiss Zeit – und während dieser Hilfestellungen von anderen Leuten aus der Umgebung. Den zwischenmenschlichen Kontakt gibt’s gratis. «So sorgen wir ein Stück weit für den Kitt in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft – für Heimat», sagt Stocker.

Wünsche sind geklärt

Vor zwei Monaten hat die Kiss Genossenschaft Zug ihren Betrieb aufgenommen. In dieser Zeit haben die beiden Koordinatorinnen die meisten Genossenschafterinnen und Genossenschafter besucht und ihre Wünsche und Arbeitsangebote aufgenommen. Mithilfe einer Datenbank bringen sie Anbieter und Nachfrager einer Dienstleistung zusammen. «Tandems bilden» nennt das Stocker.

Wichtig dabei ist auch der Kontakt zu benachbarten Kiss Genossenschaften – etwa im Oberfreiamt und in Cham. Kiss Cham besteht schon länger und hat bereits über 150 Mitglieder – und ein entsprechend grosses Angebot an Diensten.

Grosse Pläne

«Allerdings müssen wir erst noch sehen, wie viele Genossenschafter wir überhaupt überblicken können», so Stocker. Klar ist, dass die Koordinatorinnen die Genossenschafter alle persönlich kennen müssen – die Nachbarschaftshilfe soll in erster Linie im Umfeld geleistet werden. «Bei grossem Interesse werden wir unsere Genossenschaft aufteilen – beispielsweise in Zug Nord und Zug Süd», sagt Tabea Zimmermann. Ihre Vision sei es indes, dass Kiss Genossenschaften in allen Gemeinden des Kantons Zug entstehen. Später in der ganzen Schweiz.

Scham ist ein Feind

Geben ist seliger als nehmen – das scheint auch bei der Nachbarschaftshilfe der Fall zu sein. «Wir haben jetzt in der Anfangsphase die Herausforderung, dass zahlreiche Interessierte helfen wollen und einen Dienst anbieten», sagt Edith Stocker. «Aber viele scheuen sich am Anfang, Hilfe in Anspruch zu nehmen.»

Da soll das Tauschsystem Abhilfe schaffen: Mit einer geleisteten Arbeit erwirbt man sich den Anspruch auf eine Gutschrift in der Höhe der geleisteten Stunden – das Gefühl, ein Almosenempfänger und eine Last zu sein, bleibt aus. «Der Austausch erfolgt so auf Augenhöhe», meint Stocker. «Durch den Kontakt mit anderen Menschen kann auch Vereinsamung gemildert werden.»

Später ins Pflegeheim

Eine weitere Herausforderung beim Aufbau der Genossenschaft ist Geld. Die Organisation arbeitet nicht gewinnorientiert. Mitglieder kaufen einen einmaligen Anteilschein von 100 Franken, den sie bei einem Austritt wieder zurückerhalten. So ist Kiss Zug einstweilen auf Beiträge von Stiftungen und Sponsoren angewiesen. «Durch unser Engagement können ältere Leute länger selbstständig bleiben», sagt Tabea Zimmermann. «Ein Eintritt ins Alters- oder Pflegeheim lässt sich so hinauszögern, auch wenn sie nicht mehr alles selber machen können.»

«Ein Eintritt ins Alters- oder Pflegeheim lässt sich so hinauszögern.»

Tabea Zimmermann, Präsidentin Kiss Zug

Das spare nicht nur Geld bei den Betroffenen, sondern komme auch die öffentliche Hand günstiger zu stehen. «Ein kleiner Anteil dieser Einsparungen könnte die Arbeit unserer Koordinatorinnen und der Geschäftsleitung mitfinanzieren», sagt Zimmermann.

Einstieg mit Kaffee und Kuchen

Über das Angebot von Kiss kann man sich natürlich über die Website kiss-zeit.ch informieren. Für alle Mitglieder und Interessierten veranstaltet die Kiss Genossenschaft Treffen, um sich auszutauschen und kennenzulernen – mit Kaffee und Kuchen. Oder abends bei einem Apéro. Das nächste Stadtzuger Kiss-Kafi findet am 5. Dezember 2016 um 14 Uhr im reformierten Kirchgemeindezentrum in Zug statt. Das übernächste am 30. Januar um 19 Uhr im Alterszentrum Herti in Zug. Lokale Kiss Genossenschaften gibt’s auch in Cham, dem Oberfreiamt, der Stadt Luzern und in Obwalden.

Stadt Zug lässt sich viel Zeit

Noch muss die Genossenschaft freilich auf diese Unterstützung warten. Zwar hat der Kanton Beiträge aus dem Lotteriefonds gesprochen, um den Aufbau einer Kiss Genossenschaft in jeder Zuger Gemeinde zu fördern. Doch die sind subsidiär und das Geld fliesst nur, wenn auch die Gemeinde ihr Scherflein dazu gibt.

In der Stadt Zug müssen sich die Initiantinnen immer noch in Geduld üben: Ihr Antrag wird bedächtig überprüft. Erste Gelder sind zwar zugesagt, aber noch nicht offiziell bestätigt. Also warten die Kiss-Leute auf den Advent und hoffen auf eine Weihnachtsbescherung.

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