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«Wir sind halt ziemlich pingelig»
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Nora Breitschmid hat Freude an den diesjährigen Trauben. Dank des warmen Sommers sind die Früchte jetzt schon ziemlich süss. (Bild: rob)

Der beste Bio-Weisswein kommt aus Meggen «Wir sind halt ziemlich pingelig»

5 min Lesezeit 15.08.2015, 16:00 Uhr

Zu teuer, zu sauer – Biowein war lange verpönt, nun heisst es umdenken: Der moderne, biologisch produzierte Wein kann durchaus schmackhaft sein. Zum Beispiel der Solaris vom Weingut Sitenrain in Meggen, der schweizweit beste des Jahres 2014. Dabei ist die Rebbäuerin Nora Breitschmid weder eine grosse Weinkennerin noch eine Bio-Tante. Dafür hat sie Biss.

Weinprämierungen gibt es viele in der Schweiz und sind deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Wenn aber Bio-Suisse und das Weinmagazin Vinum einen Preis verleihen, dann sollte schon was dran sein. Und tatsächlich: Der Solaris 2014 ist ein feiner Tropfen. Er duftet leicht nach Honig, hat eine angenehme Säure und die auf der Etikette versprochenen «intensiven Düfte von reifen Früchten» sind tatsächlich im Mund wahrnehmbar. Der, mit über 14 Volumenprozent, aussergewöhnlich starke Weisswein unterscheidet sich klar von anderen Weinen aus der Region Luzern.

Der Trick mit der Restsüsse

«Wir lesen die Trauben, wenn sie 100 Oechsle-Grad haben, sie also gut gereift sind», erklärt Nora Breitschmid. Die junge Winzerin verrät, dass der Wert letztes Jahr sogar noch etwas höher war. «Daraus ergibt sich der hohe Alkoholgehalt. Zudem wurde nicht der ganze Zucker umgewandelt, was dem Wein eine Restsüsse gegeben hat, die sehr schmackhaft ist.»

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Luzerner Wein: klein aber fein

Auf gut 56 Hektaren wird in der Zentralschweiz Wein angebaut, der grösste Teil davon, nämlich 48 Hektaren, liegt im Kanton Luzern. Dort gibt es 29, in der restlichen Zentralschweiz sind es weitere sieben Rebbaubetriebe. 36 verschiedene Sorten werden angebaut, am häufigsten trifft man gemäss dem Zentralschweizer Weinbauverein auf Riesling-Sylvaner (20 Prozent) und auf Blauburgunder (28 Prozent).

Gemäss dem Branchenverband Deutschschweizer Weine gehören Luzern und die übrigen Zentralschweizer Kantone zwar flächenmässig zu den kleinen Rebbaukantonen – der Anteil beträgt schweizweit weniger als ein halbes Prozent –, «die Weine gelten jedoch als qualitativ hochstehende Spezialitäten». Der Kanton Luzern hat drei Rebbaugebiete: Seetal, Vierwaldstättersee und Wiggertal. Diese Lagen mit günstigem Mikroklima an steilen Südhängen und an Seelagen profitieren vom Föhn und von wüchsigen Böden.

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum gerade ihr Wein von den 150 eingesandten Tropfen das Rennen machte. «Wir sind halt ziemlich pingelig», sagt die 26-Jährige und schmunzelt. Das sei vielleicht das falsche Wort, fügt sie an. Wichtig sei einfach, dass man sich intensiv mit den Reben beschäftige, dass zum Beispiel in der Traubenzone das Laub rausgenommen wird, damit die Trauben optimale Sonneneinstrahlung bekommen. «So reifen die Früchte besser, und gewisse Aromen kommen intensiver zur Geltung.»

14’000 Flaschen pro Jahr

Drei Hektaren gross ist das Weingut – der grösste derartige Biobetrieb in der Zentralschweiz. 14’000 Kilogramm Trauben wurden geerntet, etwa ebenso viele Flaschen Rot- und Weisswein produziert. Gekeltert wird vorläufig noch bei Toni Ottiger. Das soll sich bald ändern; aber davon später. Verkauft wird der Wein per Internet, direkt auf dem Weingut, bei Schubi-Weine und in verschiedenen Luzerner Restaurants.

Das Weingut ist traumhaft gelegen, der Südhang offenbart eine einmalige Aussicht über Meggen hinweg auf den See und die Berge. Wer davon träumt, Winzer zu werden, ist hier genau am richtigen Ort. Von «Träumen» kann bei Nora Breitschmid allerdings keine Rede sein. «Ich bin eher zufällig in diesen Beruf reingerutscht», sagt sie. Aber das Ganze sei eine komplexe Geschichte fügt sie an und lächelt. Eigentlich hatte ihr Vater, Inhaber der Dentalprodukte-Firma Curaprox, das verlotterte Bauernhaus auf dem Gipfel des Rebberghügels gekauft, weil er es bewohnen wollte. Für den dafür nötigen Umbau musste er aber ein paar Auflagen erfüllen. «Weil es in der Landwirtschaftszone steht, muss es verbunden sein mit einem Vollerwerbsbetrieb», sagt Nora Breitschmid.

«Ich bin eher zufällig in diesen Beruf reingerutscht.»

Nora Breitschmid, Winzerin

Vom Studium zur Rebbäuerin

Darauf habe man ihnen empfohlen, auf Bio-Weinbau zu setzen. Warum eigentlich nicht, dachte sich die Familie, und so kam vor rund 10 Jahren alles ins Rollen. «Es war eine ziemlich unkonventionelle Herangehensweise», gibt Nora Breitschmid zu. Benno Schwager, ein professioneller Winzer, wurde eingestellt, und Nora entwickelte sich zu einer «autodidaktischen Winzerin». Sie machte noch ihren Bachelor an der Hochschule Luzern in Kommunikation und Marketing fertig und ist seither als Rebbäuerin tätig. «Es macht mir Spass, ich mag es, draussen und mit den Händen zu arbeiten.»

Auf dem Weingut Sitenrain in Meggen werden auf drei Hektaren Reben angebaut.

Auf dem Weingut Sitenrain in Meggen werden auf drei Hektaren Reben angebaut.

(Bild: rob)

Mit im Team ist auch noch Carla, die jüngere Schwester, die Teilzeit im Weinberg arbeitet. Reich wird Nora Breitschmid nicht als Rebbäuerin, zurzeit lebt sie in einer WG in Kriens. Aber der Betrieb laufe gut, meint sie, man sei professionell aufgestellt. «Und die Arbeit macht mir Spass», betont sie. Nicht immer ganz einfach ist der Umstand, dass der eigene Vater der Chef ist. «Eine spezielle Situation, manchmal ist man halt etwas emotionaler, als in einem normalen Angestelltenverhältnis. Aber insgesamt haben wir es sehr gut», sagt sie und fügt an: «Er ist ja auch nicht jeden Tag hier.» Dennoch lässt es sich der vielbeschäftigte Unternehmer nicht nehmen, den Direktverkauf am Samstag meist selber zu übernehmen.

«Aussenposten» auf Sizilien

Wenn der Umbau des Bauernhauses dereinst gemacht werden kann, soll dann auch noch die Kelterung in die eigenen Hände genommen werden. «Dann können wir unserem Wein noch mehr einen eigenen Charakter verleihen», sagt die Winzerin.

Zum Betrieb gehört auch noch ein 12 Hektaren grosser Rebberg auf Sizilien. Der Winzer Benno Schwager weilt diesen Sommer in Süditalien und kümmert sich um diesen «Aussenposten». «Der Wein von dort ist natürlich ganz anders als unsere Luzerner Tropfen», so Nora Breitschmid.

Was bedeutet eigentlich Bio beim Weinbau? Schwefel, Tonerde, Bittersalz und ganz wenig Kupfer wird nämlich auch auf dem Weingut Itenrain gespritzt. «Wir setzen keine Herbizide, Pestizide oder andere chemische oder synthetische Substanzen ein», erklärt die Winzerin. Gespritzt wird nur zwei- bis viermal pro Jahr – konventionelle Betriebe hingegen kommen auf bis zu 15 mal. Unkraut wird nicht tot gespritzt, sondern von Hand gejätet.

Der Weisswein «Solaris 2014» hat die Auszeichnung Bioweisswein des Jahres erhalten.

Der Weisswein «Solaris 2014» hat die Auszeichnung Bioweisswein des Jahres erhalten.

(Bild: rob)

Interessant ist, dass die Breitschmids trotz Verzicht auf Schädlingsbekämpfungsmittel von der gefürchteten Kirschessigfliege verschont blieben. Warum das? «Unsere Traubensorten haben eine relativ dicke Haut, durch die die Fliege nicht durchkommt», sagt Nora Breitschmid. Vielleicht hätten sie bisher aber auch einfach Glück gehabt, fügt sie an.

Letzte Frage: Trinkt die Familie Breitschmid nur den eigenen Wein? «Ich nicht, ich mag auch mal einen anderen Tropfen», gibt sie zu. «Aber die Eltern trinken ihn jeden Abend. Sie sind stolz auf das eigene Gewächs.»

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