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«Wir sind die Hefe im Zuger Brot»
  • Politik
SP-Wahlwerbung von 1970 für den angehenden Regierungsrat Thomas Fraefel. Kommt Zug ohne Sozialdemokraten aus? Diese Frage stellt sich auch bei den diesjährigen Regierungsratswahlen. (Bild: zvg)

Parteien vor den Wahlen: Die Zuger SP «Wir sind die Hefe im Zuger Brot»

5 min Lesezeit 17.08.2014, 13:15 Uhr

Die Sozialdemokraten haben es im Kanton Zug nicht leicht: Die Partei hat die guten Ideen, sagt der SP-Politiker Hubert Schuler, die die Bürgerlichen später für sich beanspruchen. Und das sei sogar gut so.

Letztes Jahr wurden die SP-Sektionen Zug und Baar einhundert Jahre alt. Sie ist eine ehrwürdige Dame, die Sozialdemokratische Partei im Kanton Zug. Und vielleicht ist gerade das ihre Krux: Die SP Zug hat seit vier Jahren keinen Regierungsrat mehr, ist in den Gemeinde-Exekutiven nur teilweise vertreten. Und hat im Kantonsrat nur noch 9 Sitze von ehemals 12. Schon 1988 hat der damalige Präsident der SP Kanton Zug, Othmar Birri, in einer Festschrift geschrieben: «Die SP hat und hatte es im Kanton Zug nicht leicht.»

Das scheint auch heute noch der Fall zu sein. Hubert Schuler, Kantonsratspräsident und ehemaliger Parteipräsident der SP Kanton Zug, sagt, weshalb es die SP in Zug trotzdem braucht.

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zentral+: Herr Schuler, spielt die SP in Zug überhaupt noch eine Rolle?

Hubert Schuler: Auf jeden Fall. Aber es ist eine Rolle, die sich nicht gut verkaufen lässt: Wir bringen die Ideen, die dann fünf Jahre später von den Bürgerlichen aufgenommen werden. Sie denken dann, es sei ihre Idee gewesen, und das ist auch gut so.

zentral+: Wieso gut?

Schuler: Es kommt in der Sache nicht drauf an, wer die Idee wirklich hatte, sondern dass sie umgesetzt wird. Die Bürgerlichen merken jetzt auch, dass es für ihre Kinder zu wenig Wohnraum gibt in Zug, deshalb fangen sie an, Wohnbaugenossenschaften zu fördern, günstigen Wohnungsraum. Das sind Ideen, die die SP vorangetrieben und immer wieder zur Diskussion gebracht haben.

zentral+: Das ist aber eine reichlich frustrierende Rolle.

Schuler: Naja, Sie müssen das so sehen: Wir sind die Hefe im Zuger Brot. Wir sorgen dafür, dass es Wachstum gibt, gute Ideen, und zwar so lange, bis die Bürgerlichen unsere Ideen übernehmen. Dass wir dabei in politischen Entscheiden immer wieder verlieren, das gehört halt dazu.

zentral+: Brennt man nicht aus dabei? Das ist ja ein relativ hoffnungsloser Kampf: Immer überzeugen, aber die Lorbeeren ernten die anderen.

Schuler: Doch natürlich. Deshalb sind wir auch immer wieder auf neue Leute angewiesen, die frischen Wind bringen und nicht ausgebrannt sind. Und wir müssen auch lernen, uns besser zu verkaufen.

zentral+: Was leistet denn die SP in Zug konkret?

Schuler: Die tatsächliche Politik findet in den Kommissionen im Kantonsrat statt. Das ist der Ort, wo unsere Mitglieder mit guten Argumenten auch politische Gegner überzeugen können. Da leisten unsere Leute gute Arbeit.

zentral+: Wird diese Arbeit wahrgenommen?

Schuler: Das kann man natürlich nicht ausweisen. Aber bei unseren vehementesten Gegnern werden wir schon wahrgenommen. Auch wenn sie uns vor allem aufs Parteiprogramm unserer Mutterpartei reduzieren und immer noch glauben, wir wollen den Kapitalismus abschaffen.

zentral+: Wollen Sie das nicht?

Schuler: Wenn man die momentanen Krisen betrachtet, schafft der sich ja gerade selber ab.

zentral+: Was will die SP dann erreichen?

Schuler: Wir wollen, dass der Kanton Zug ein sozialer Kanton bleibt. Und da muss man auch sagen: Es läuft nicht so schlecht. Zug hat nicht wie Schwyz einfach immer weiter Steuern gesenkt, sondern seinen Reichtum auch genutzt, um gute Sozialwerke aufzubauen. Zug hat eine Entwicklung durchgemacht, in der nicht nur das Geld herrscht. Man hat sehr viel Positives umgesetzt. Ich will nicht sagen, dass uns damit die Themen weggerollt sind, günstiges Wohnen ist immer noch ein grosses Problem, bei dem die öffentliche Hand noch mehr leisten muss. Aber grundsätzlich läuft es im Kanton Zug gut, auch die bürgerlichen Regierungsräte leisten gute Arbeit.

zentral+: Braucht es denn da die SP überhaupt noch?

Schuler: Natürlich, wie gesagt: Wir sind die Hefe. Viele dieser positiven Entwicklungen stammen aus unserer jahrelangen Arbeit. Und auch wenn die bisherigen Regierungsräte ihre Arbeit nicht schlecht machen, gäbe es doch noch Dinge, die man anders machen könnte. Wir wollen wieder in die Regierung, denn da hat man die grösste politische Gestaltungsmöglichkeit. Aber es wird schwierig, die Nuss Regierungsrat zu knacken: Keiner tritt zurück, niemand hat grosse Fehler gemacht. Aber wir kämpfen und versuchen durch unsere Leistung während der Legislaturperioden auf uns aufmerksam zu machen. Denn es ist für den Kanton wichtig, dass es zwei Frauen in den Regierungsrat schaffen. Die männliche Überrepräsentierung in den Gremien ist schon fast unangenehm.

zentral+: Das klingt nicht sehr rebellisch. Hat sich die SP mit ihrer Rolle in der Zuger Politlandschaft schon abgefunden?

Schuler: Wir sehen uns als moderate linke Partei. Nicht wie die Grünen, die links an uns vorbeigerauscht sind. Wir haben uns natürlich ein Stück weit arrangiert, auch mit den Bürgerlichen. Das ist nicht negativ gemeint, es läuft gar nicht so daneben. Trotzdem bin ich froh, dass wir eine so aktive Jungpartei haben, es ist gut, dass sie uns ältere Semester aufmischen und neue Ideen ausprobieren wollen, oder auch alte, die wir auch schon probiert haben.

zentral+: Aber könnte es denn nicht auch eine starke SP im Kanton Zug geben, eine, die Abstimmungen für sich gewinnen und die Politik des Kantons bestimmen kann?

Schuler: Wir werden nie eine linke Mehrheit im Kantonsrat haben, das ist schlicht unrealistisch. Wir können vielleicht keine Entscheide aktiv durchbringen, aber wir tragen trotzdem viel zur Politik im Kanton bei. Auch wenn die Bürgerlichen vielleicht sagen würden, es braucht keine SP (lacht). Wir wissen, dass es uns braucht.

zentral+: Was begeistert Sie persönlich an Ihrer Partei?

Schuler: Die Grundhaltung und die Werte. Ich bin Sozialarbeiter und ich wusste schon immer: Ich will mich nicht nur für den Einzelfall engagieren, sondern auch für die Gesellschaft. Denn viele Ausgesteuerte sind nicht nur aufgrund ihrer persönlichen Entscheidungen am Rand der Gesellschaft. Sondern auch aufgrund der Gesellschaft an sich. Begeistert bin ich aber auch von den Leuten in der SP. Da gibt es spannende Menschen. Mit ihnen zu arbeiten, das stellt mich auf.

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