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«Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen»
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Es braucht mehr Werbung für die Gastroszene in Zug. (Bild: any )

Zug «Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen»

4 min Lesezeit 2 Kommentare 22.01.2013, 12:30 Uhr

Zwei Exponenten der Zuger Gastronomie und Hotellerie malen ein düsteres Bild: Die Gastroszene im Kanton habe keine Identität. Die Vizepräsidentin von Gastro Zug, Barbara Schneider, gibt ihnen teilweise recht. Und sie weiss, was zu ändern ist. 

«Die Zuger Gastrozene hat ein Identitätsproblem.» Mit dieser Aussage provozierte Ende vergangener Woche der Zuger Gastronom und Hotelier Fabian Schmid. Er und sein Branchenkollege Philip C. Brunner haben während eines gemeinsamen Gesprächs die aktuelle Situation des Gastgewerbes im Kanton Zug analysiert. «Wir haben in Zug zunehmend eine von Anonymität geprägte Gastroszene», findet beispielsweise Brunner. Was sagt Gastro Zug? Ist die Situation der Zuger Hotels und Restaurants wirklich so dramatisch? Barbara Schneider, Vizepräsidentin von Gastro Zug, gibt Auskunft. 

zentral+: Hat die Gastroszene im Kanton Zug tatsächlich ein Identitätsproblem?

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Barbara Schneider: In Zug ist es für die Gastroszene tatsächlich schwierig, eine eigene Identität zu finden. Der Kanton Zug hat ja selber kaum eine eigene Identität. Wofür steht Zug? Ich habe darauf keine wirkliche Antwort. Für viele ist Zug ist einfach ein Business-Kanton durch und durch. Und solange der Tourismus nicht mehr Einfluss auf das Geschehen in Zug hat, wird es für das Gastgewerbe schwierig bleiben sich zu behaupten und eben eine eigene Identität aufzubauen.

zentral+: Dann war es früher also einfacher?

Schneider: Ich arbeite nun seit mehreren Jahren hier, und ja, früher war es einfacher. Sicherlich haben auch die diversen Veränderungen im Gastgewerbe, wie die Senkung der erlaubten Promillegrenze und das andere Konsumverhalten der Gäste, dazu geführt, dass sich die Branche gewandelt hat und seine Identität ein Stück weit verloren hat. In Zug aber hatte ganz klar der Aufschwung der Wirtschaft und der damit einhergehenden Business-Welt am meisten Einfluss darauf.

zentral+: Hat die Attraktivität des Kantons Zug auch dazu geführt, dass hier immer mehr Ketten Restaurants und Hotels übernehmen und neu bauen?

Schneider: Ja, und diese Ketten führen auch dazu, dass die Identität des Zuger Gastroszene immer mehr verloren geht. Ich will nicht sagen, die von den Ketten eingesetzten Geschäftsführer würden sich nicht Mühe geben. Aber die meisten bleiben nicht lange, die Arbeitsmoral ist wohl auch ein wenig anders, als wenn man auf eigene Rechnung tätig ist. Diese oftmals anonymen Geschäftsleiter werden kaum je zu persönlichen Ansprechpersonen der Gäste. Doch genau solche soziale Ansprechpartner verleihen einem Gastlokal eine Identität, geben dem Gast das Gefühl, wahr- und ernst genommen zu werden.

zentral+: Somit ist es also nicht verwunderlich, dass die Zuger Gastroszene langweilig und ideenlos ist.

Schneider: Trotz des Identitätsproblems, das ich beklage: Wer genau hinschaut, merkt, dass die Zuger Gastroszene weder langweilig noch ideenlos ist. Gehe ich die Mitgliederliste von Gastro Zug durch, wird schnell ersichtlich, dass das Angebot im Kanton Zug eigentlich sehr abwechslungsreich und vielfältig ist.

zentral+: Aber?

Schneider: Für diese Vielfalt wird viel zu wenig Werbung gemacht. Wir müssen uns hier an der eigenen Nase nehmen, wir könnten wirklich mehr tun, um auf uns aufmerksam zu machen. Aber vielfach sprechen die Gastronomen und Hoteliers nicht gerne miteinander, wer welche Projekte verfolgt. Eifersucht und ein grosses Konkurrenzdenken hindert sie daran.

zentral+: Sie tönen sehr kritisch.

Schneider: Es entspricht der Wahrheit, dass die Gastroszene Zug viel mehr erreichen könnte, wenn die einzelnen Akteure zusammenspannen würden. Dies beginnt bereits mit einem Besuch der Versammlungen von Gastro Zug. Zusammen wären wir stark, zusammen könnten wir etwas erreichen.

zentral+: Was gilt es denn zu erreichen?

Schneider: Gemeinsam könnten wir Druck ausüben, auf die Wirtschaft, auf den Tourismus.

zentral+: Erhält denn Gastro Zug keine Unterstützung von Zug Tourismus?

Schneider: Das Problem ist, dass hier in Zug fast nur der Tagestourismus existiert. Dieser bringt für die Gastronomie und Hotellerie aber nicht sehr viel. Und tatsächlich ist es so, dass die Zuger Gastronomie und Hotellerie kaum beworben wird. Wir sind nun im Gespräch mit Zug Tourismus, und es scheint, als würde sich in diesem Punkt etwas bewegen, worüber ich sehr froh bin.

zentral+: Also braucht es schlicht mehr Werbung für die Zuger Restaurants und Hotels, damit das Gastgewerbe erfolgreicher wird?

Schneider: Nicht nur. Es geht mit der Werbung auch für den Kanton Zug darum – jetzt sind wir wieder beim Stichwort – eine Identität aufzubauen. Wir haben eine wundervolle Landschaft mit romantischen Wanderwegen. Doch wer Auswärtige fragt, was Zug sei, erhält von allen die Antwort: ein Steuerparadies. Seit mehreren Jahren positioniert sich Zug aber auch als Chriesi-Kanton. Das Thema Chriesi hat ein riesiges Potenzial, doch noch wirkt diese Werbung meiner Meinung nach nur gegen innen. Doch es gilt, den Kanton vor allem ausserkantonal und im Ausland als attraktives Reiseziel zu präsentieren. Gerade auch die Seepromenade in der Stadt Zug – es ist doch schade, wenn nicht andere auch erfahren, wie wunderschön es ist, dort entlang zu spazieren.

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2 Kommentare
  1. Michèle Kottelat, 24.01.2013, 09:25 Uhr

    Ein Leuchtturm in der Zuger Gastronomie ist das Restaurant Tisch und Bar in Holzhäusern von Ursi Gisler. Sie ist eine Gastronomin die alles gibt, ihren “Laden” mit Leidenschaft, Engagement und viel Phantasie führt. Dort stimmt alles das Dekor, die Qualität, die abwechslungsreiche Speisekarte. Einziger Wermutstropfen meist muss man reservieren, um einen Platz zu bekommen. Wie würde doch ein “Tisch und Bar” die Stadt Zug beleben!
    Michèle Kottelat

  2. Philip C. Brunner, 23.01.2013, 15:40 Uhr

    Bravo Barbara Schneider – Du hast es gut auf den “Nasenspitz” gebracht 😉 ! Das Zitat “Diese oftmals anonymen Geschäftsleiter werden kaum je zu persönlichen Ansprechpersonen der Gäste. Doch genau solche soziale Ansprechpartner verleihen einem Gastlokal eine Identität, geben dem Gast das Gefühl, wahr- und ernst genommen zu werden” trifft genau, was Aige-Erfinder Fabian Schmid eben gut gemacht hat, er hat seinem Lokal – “aigene-Identität gegeben” – bzw. Identität “erfunden” … und warum es fair gewesen wäre, hätte er weitermachen können, besonders dann, wenn die Stadt genügend Geld hat um einen Fasnachts-Nasen-Parcours an öffentlichen Gebäuden zu veranstalten …