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Die Zuger zentral+-Redaktion malt sich ihren Kanton rosa an. (Bild: zentral+)

Die Wunschliste unserer Zuger Redaktion Wir malen uns Zug schön

6 min Lesezeit 01.01.2016, 17:15 Uhr

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr? Unsere Zuger Redaktionsmitglieder haben da ganz konkrete Ideen, was sie sich von ihrem Kanton wünschen würden. Mit dabei: Ein zweites Stanserhorn, die «Seesicht», einfach umgekehrt, mehr Rücksicht auf Allergiker und mehr Kirsch über Mittag.

Vom Christkind gibt’s wohl Socken. Im besten Fall handgestrickt, im schlimmsten Fall weisse Tennissocken. Oder Duftkerzen. Hier ist jeder Fall der schlimmste. Nun, Weihnachten ist vorbei. Wir erzählen Ihnen nun präventiv und brühwarm, was wir uns für das kommende Jahr vom Kanton Zug wünschen. Und hoffen inständig, dass uns der eine oder andere Wunsch erfüllt wird. Nach den Tennissocken brauchen wir das. Was sich die Zuger Redaktion wünscht? Hier kommt’s:

Philipp Bucher:

Nach Roman Signers «Seesicht» plädiere ich für eine «Luftsicht», also eine Treppe in den Himmel (ja genau, Stairway to Heaven!). Da gibt’s zwar keine Fische zu beobachten, dafür aber Möwen, Dohlen, Amseln und so. Die Stufen zum Himmel würden sich besonders in den Herbst- und Wintermonaten eignen, um dem Nebel zu entfliehen – wer will schon täglich den Zugerberg besteigen? Ideal, um sich über den Mittag eine Prise frischer Höhenluft zu schnappen und die Durchblutung in den Schenkeln anzuregen – gerade für sitzgeplagte Büromenschen. Ausserdem ist das ja fast wie Hochhäuser bauen, aber eben nur fast. Denn das ist Kunst, kein Wolkenkratzer, und darf daher auch gerne höher als 80 Meter sein.

«Das Westufer könnte man doch problemlos fluten.»

Toll wären zudem weniger Algen im Zugersee. Das Grün steht dem Nass einfach nicht sonderlich gut. Und wenn wir schon dabei sind: Es birebitzeli grösser dürfte das Gewässer auch sein. Denn spätestens im August ist da nix mehr mit Abkühlung. Das Westufer könnte man doch problemlos fluten. Oder gleich einen Durchbruch zum Vierwaldstättersee für ausgedehnte Segeltörns? Et voilà, der «Zentralsee» ist geboren! Die Namensähnlichkeit mit einem bestimmten Zentralschweizer Onlinemagazin ist natürlich purer Zufall. Er könnte auch «Seeplus» oder «Das unabhängige Gewässer der Zentralschweiz» heissen. Auf jeden Fall ist er gross, also perfekt, damit das «Ship of Tolerance» seine Botschaft weitflächig verkünden kann.

Natürlich wäre das nicht so fair, wenn die Ennetsee-Gemeinden einfach so der Zugersee-Ausdehnung zum Opfer fielen. Die haben selbstverständlich weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Deshalb wird im neuen grossen «Zentralsee» eine Insel aufgeschüttet. Die Ennetsee-Gemeinden werden dadurch zu einer Insel-Gemeinde. 360 Grad Seeanstoss mit Sandstrand und fast schon mediterranem Flair. Das wär doch was! Jetzt fehlt nur doch ein Hafenkran – was Zürich kann, können wir schon lange. Das wäre doch gelacht! Über eine gigantischen Hängebrücke made by Calatrava wird die neue Inselgemeinde mit dem «Festland» verbunden. Oder mit einem gigantischen Tunnel, da liegen doch bestimmt noch irgendwo ein paar verstaubte Projektpläne rum…

Valeria Wieser:

Es ist ein grosser Wunsch, den ich hege. Seit Jahren. Einer, der immer wieder gelindert wird, von Hoffnungen durchflutet, und dann wieder im Keim scheint. Was ich von der Stadt Zug will, ist ein Café. Klingt einfach? Ist es aber nicht.  Ich wünsch mir einen gemütlichen Ort, wo es guten Cappuccino gibt. Wo sich das Arbeiten so federleicht anfühlt, als sässe man an der italienischen Riviera, idealerweise in Santa Margherita. Ein Café, bei dem man nicht jedes Mal, wenn man zum Eingang kommt, fürchten muss, dass es bereits wieder dichtgemacht hat. Eines, das über WLAN verfügt, das auch tatsächlich funktioniert, und das auch sonntags geöffnet ist.

Und weiter?

Dass etwas wird, aus Baar. Dieser vertrocknete Flecken des Kantons soll wiederbelebt werden. Dass dieses ganze Getue von «unser Dorf» endlich aufhört, dass sich Baar ein Herz fasst und endlich wagt, ganz Stadt zu werden. Seien wir doch ehrlich. 24’000 Einwohner, das ist schon lange kein Dorf mehr. Wir brauchen ein Baarer Stadtparlament, müssen modern sein.

«Und ein richtiger Berg für Zug wär schön. So in der Grösse des Stanserhorns. Nicht zu prahlerisch, aber dennoch imposant.»

Verstehen Sie mich nicht falsch. Das bedeutet nicht, dass man dem alten Dorfkern nicht Sorge tragen und Traditionen nicht aufrechterhalten soll. Doch wir brauchen Anziehungspunkte. Brauchen mehr Puls, mehr Charisma. Die Leute sollen Baar kennen – nicht nur wegen der Höllgrotten und der Lego, die ja bereits vor Jahrzehnten das Feld geräumt hat. Es braucht Restaurants und Läden, die funktionieren, braucht professionelle Kultur, die über das Dorftheater hinausgeht.

Aber vor allem braucht Baar ein neues Selbstbewusstsein. Denn es braucht Stärke, um neben dem grossen Bruder Zug wahrgenommen zu werden.

Und ein richtiger Berg für Zug wär schön. So in der Grösse des Stanserhorns, so just 1900 Meter. Nicht zu prahlerisch, aber dennoch imposant. «Erwanderbar» in drei Stunden, mit einer senkrechten Granitwand in Richtung Südosten. Ein Berg, gerade so hoch, dass wir vom Rest der Zentralschweiz nicht mehr ausgelacht werden. Denn seien wir doch ehrlich. Unser Rossberg ist bloss ein etwas besserer Üetliberg.

Marc Benedetti:

Ich wünsche mir, dass die Zuger Gastronomen auf mehr Kundenbedürfnisse eingehen. Gluten- und laktosefreie Menüs anbieten, vegi, koscher, halal und so weiter. Oder dass es mutige Gastronomen gibt, die sich auf eines dieser Bedürfnisse spezialisieren, da immer mehr ihrer Gäste unfreiwillig (Allergie) oder freiwillig anderes essen wollen.

«Ich wünsche mir ein Zug, das alle an seinen schönen Seiten teilhaben lässt und nicht Einzelne privilegiert, die es sowieso bereits sind.»

Ich wünsche mir ein Zug, das alle an seinen schönen Seiten teilhaben lässt und nicht Einzelne privilegiert, die es sowieso bereits sind.

Falco Meyer:

Ich wünsche mir, dass plötzlich und völlig unvorhergesehen alle Immobilienhaie das Interesse an der Stadt verlieren. Dass die Jugend einen neuen Aufstand wagt und sich wieder für die Stadt interessiert, statt nach Zürich abzuwandern. Dass im Kantonsrat wirklich mal konstruktiv was abgeht, weil wir ja in den Kommissionen nicht Einsitz nehmen dürfen – und damit die ganze, wirklich interessante Debatte verpassen. Dass mal ein Zuger Musiker zum Weltstar wird – auch, damit wir sagen können, wir hätten ihn entdeckt. Dass die Zuger Rohstoffhändler alle auf einmal finden, jetzt sei es Zeit für Fairtrade. Dass die Zuger Gemeinden weiterhin gute Orte für aufwachsende Teenager sind.

«Dass es Verbrüderungsszenen gibt wie damals im Ersten Weltkrieg, zwischen russischen Managerinnen und amerikanischen Hausmännern – mitten im Coop City.»

Dass in der Stadt Zug die Zivilgesellschaft jünger wird, weniger auf sich selbst bezogen, sondern breit und interessant. Dass am «Rock the Docks» auch mal bis um zwölf Uhr Bands spielen können. Dass das Zuger Sparpaket keine bleibenden Schäden in der Bildung hinterlässt. Dass sich die politischen Grabenkämpfe de-ideologisieren. Dass es Verbrüderungsszenen über die Fronten gibt wie damals zu Weihnachten im Ersten Weltkrieg, zwischen russischen Managerinnen, Schweizer Kassierern und amerikanischen Hausmännern –mitten im Coop City.

Dass es eine neue Besetzerszene gibt, und eine Besitzerszene, die das sogar gut findet, weil die Subkultur einer Stadt auch Bedingung ist für deren wirtschaftlichen Erfolg. Mehr «D’Wohnig». Dass es einen Dschungel gibt zwischen Chollermühli, Steinhausen, Baar und Zug, mit Löwen und Grosswildjägern und Pygmäen.

Ich wünsche mir eine Universität für die Stadt Zug. An der nur Philosophie, Physik und Informatik gelehrt wird. Einen Space-Shuttle-Start-Flughafen. Gute Bars mit Konzerten. Mehr Singvögel. Mehr verrückte Stadtoriginale. Vielleicht auch englischsprachige. Einen Skilift von hinten auf das Scheibenhaus. Weniger Kirschtorte, mehr Kirsch über Mittag. Im Parlament. Allgemein: Gelassenheit und Kreativität. 

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