«Wir hatten uns nicht auf eine Kampfgeschichte eingestellt»
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Mit den Info-Tafeln in Einkaufszentren (Bild aus dem Metalli in Zug) gingen Korporation und Implenia neue Wege. Trotzdem stimmte eine knappe Mehrheit in Baar und fast die Hälfte der Stadtzuger Nein. (Bild: zVg)

Unterfeld Baar / Zug: Die Gründe für das Nein «Wir hatten uns nicht auf eine Kampfgeschichte eingestellt»

4 min Lesezeit 14.02.2017, 18:20 Uhr

Nach dem Baarer Nein vom Wochenende herrscht Ratlosigkeit, wie es im Unterfeld nach der verlorenen Abstimmung weitergeht. Der Stadtzuger Werner Schaeppi leitete die Informations-Kampagne der Grundeigentümer. Er übt überraschend offen Selbstkritik.

Werner Schaeppi hat mit seiner Zuger Firma Creafactory in den letzten 20 Jahren verschiedene Projekte in der Zentralschweiz kommunikativ begleitet. Darunter andere umstrittene Bauvorhaben, wie das Einkaufszentrum «Mall of Switzerland» in Ebikon, für das auch eine Volksabstimmung nötig war.

Die Mall ist im Bau. Das Unterfeld-Projekt ist aber seit dem Wochenende tot.

Schaeppi bezeichnet sich als eher linker Wähler, war aber für den Bebauungsplan Unterfeld, sagt er offen. Es sei bei dieser politischen Diskussion auch um unterschiedliche Ansichten über Stadtentwicklung gegangen. «Die einen fanden das Projekt einen urbanen mutigen Wurf. Andere hingen am kleinräumigen Bild von Zug und Baar und fanden es viel zu wuchtig.»

Dezente Ja-Kampagne, augenfällige Nein-Plakate

Das Ja-Komitee und die Grundeigentümer seien ein wenig überrumpelt worden von der Kritik. «Wir hatten uns nicht auf eine Kampfgeschichte eingestellt», sagt er. Deshalb sei die Ja-Kampagne mit den pastellfarbenen Plakaten in Zug eher «dezent und fröhlich» dahergekommen.

Die gegnerische Kampagne mit den rot-schwarzen Plakaten bezeichnet Schaeppi als «augenfällig». Das improvisiert wirkende Design habe authentisch gewirkt. Wichtige Argumente hätten weder Befürworter noch Gegner auf den Plakatstellen gebracht, dafür seien die Leserbriefe benutzt worden.

Mit dem Slogan der Nachhaltigkeit, hinter dem laut Schaeppi mehr steckt als nur eine Worthülse, habe das Ja-Komitee und die Grundeigentümer Baufachleute und ökologisch denkende Wähler ansprechen wollen. Das hat ja am Schluss funktioniert – zumindest in der Stadt Zug und bei einer dünnen Mehrheit.

Die Bedenken der Bürger

Doch die andere Hälfte der Zuger hat Nein gestimmt; bei einer nächsten Abstimmung könnte das Ergebnis auch kippen. Deshalb tue eine gründliche Analyse der Gründe not.

Werner Schaeppi ist hinter den Kulissen tätig und kommuniziert oft für die Bauherren von Wohnbauprojekten in der Zentralschweiz. Die Mall of Switzerland in Ebikon war eine Ausnahme.

Werner Schaeppi ist hinter den Kulissen tätig und kommuniziert oft für die Bauherren von Wohnbauprojekten in der Zentralschweiz. Die Mall of Switzerland in Ebikon war eine Ausnahme.

(Bild: zVg)

«Wir haben den Leuten auf der Strasse und in den Quartieren gut zugehört», sagt der Kommunikationsfachmann. In den Einkaufszentren Herti und Metalli und im Zugerland in Steinhausen konnten Interessierte verschiedene Grafiken und Modelle der geplanten Überbauung studieren. Im Baarer Gotthardzentrum habe man keine Bewilligung erhalten. Dafür wurden dort Wandzeitungen zum Projekt an Bushaltestellen aufgehängt, was gut angekommen sei. Aber er sei mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen.

Hauptkritikpunkte Hochhäuser und Verkehr

Die Leute hätten viel Detailfragen zum Projekt gehabt. «Ein Thema war das grosse Volumen der Häuser und die vielen hundert Wohnungen auf Zuger Seite.» Der Hauptkritikpunkt sei die Höhe der Hochhäuser bis zu 60 Metern gewesen. Aber auch die befürchtete Mehrbelastung der Nordstrasse durch den Autoverkehr war ein grosses Thema.

«Der meistgehörte Satz war: Ich glaube das nicht!»
Werner Schaeppi, Zuger Kommunikationsfachmann

Die vielen günstigen Wohnungen wurden von den einen begrüsst. Doch andere hätten Befürchtungen geäussert, wen diese Wohnungen anziehen könnten. Kurz vor der Abstimmung sei die Stimmung immer kritischer geworden. «Der meistgehörte Satz war: Ich glaube das nicht!», sagt Werner Schäppi. Bezweifelt wurde zum Beispiel, dass eine 4,5-Zimmer-Wohnung rund 1600 Franken kosten würde.

«Weiter» bei Implenia, «Marschhalt» bei Korporation

Auf Baarer Seite hat die Implenia sich gegenüber der «Zuger Zeitung» so geäussert, dass sie im Unterfeld weiterplanen will, am liebsten gemeinsam mit ihren bisherigen Partnern. Man wolle den Bedenken der Bevölkerung Rechnung tragen, sagte ein Mediensprecher ausserdem.
Auf Zuger Seite freut sich die Korporation über das Ja in Zug, spricht aber aufgrund des Baarer Neins von einem eingelegten «Marschhalt». In einer Woche wird man mehr wissen, nach der Sitzung des Korporationsrats. Sicher ist aber laut Korporationspräsident Urban Kaiser, dass eine so aufwendige und teure Planung für die Korporation nicht mehr infrage kommt. Zur Kritik am Projekt äusserte er sich nicht.

Auch zweifelten Zuger Einwohner, dass die Korporation tatsächlich 400 Wohnungen bauen würde. Dabei habe die Korporation doch bewiesen in den letzten Jahren, dass sie ein Garant für Qualität sei. «Es war ein grosses Misstrauen spürbar», so Schäppi, das ihn ziemlich erstaunt habe.

Ein externer Faktor, der mitgespielt haben könnte am Abstimmungswochenende, sei das Zusammenfallen mit der Abstimmung über die USR III.

Nachbesserung denkbar

Wie es nun weitergeht, weiss Schaeppi genauso wenig wie all die Vertreter von Gemeinden und Bauherren, die den Regionalmedien seit Sonntag ihre Ratslosigkeit offenbaren (siehe Box). Denkbar wäre ein nachgebessertes neues Projekt, bei dem die Grundeigentümer und die politischen Gemeinden Zug und Baar wieder zusammenspannen. Möglich wäre aber auch, dass die Korporation und Implenia je separate Projekte planen. Ein Bebauungsplan muss in Baar wieder vors Volk, in Zug ins Stadtparlament.

Bevölkerung befragen

Werner Schaeppi findet, es braucht jetzt zuerst eine gründliche Analyse. «Und man sollte die Bevölkerung meiner Meinung nach früher einbeziehen», sagt er. Vielleicht müsse das nicht über die klassischen Wege gehen wie Workshops oder Orientierungen, wo immer die gleichen hingehen oder fehlen. «Man könnte sich auch alternative und moderne Wege überlegen, wie man die breite Bevölkerung erreichen kann.» Denn viele hätten erst beim Lesen der Abstimmungsbroschüre realisiert, worum es überhaupt ging. Das habe er oft gehört.

Ein runder Tisch zum Thema sei nicht sehr repräsentativ, da immer die gleichen Leute teilnehmen würden. Die Gefahr bestehe sonst, dass im Unterfeld etwas «ziemlich Durchschnittliches» entstehen würde. Also eine 08-15-Architektur, ohne Park und Weiher als Anziehungspunkte.

zentralplus hat übrigens einen Vorschlag gemacht, wie man die Bevölkerung einbeziehen könnte, durch eine repräsentative Befragung (siehe Kommentar vom Sonntag).

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