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«Wir haben unsere kuschlige Nische gefunden»
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Mit «Daddy Cool» im Le Théâtre in Kriens setzt das Team erneut auf grosse Namen im kleine Rahmen. (Bild: zvg)

Grosse Musicals im kleinen Kriens «Wir haben unsere kuschlige Nische gefunden»

4 min Lesezeit 07.11.2015, 09:00 Uhr

Das neue Musical im Le Théâtre Kriens steht in den Startlöchern. Mit «Daddy Cool» bringt das kleine Haus erneut eine grosse Produktion auf die kleine Bühne. Der Leiter des Le Théâtre gibt Auskunft und hält dabei gleich ein Plädoyer auf die Populärkultur.

Bald geht’s los, die letzten Proben laufen. Vieles fügt sich jetzt zusammen, die einzelnen Teile werden zum Ganzen. Doch gewisse Übergänge funktionieren noch nicht, zu kurz ist die Zeit zwischen zwei Szenen und damit die Zeit zum Umziehen – die Darstellerin steht nur in einem Bruchteil des Kostüms auf der Bühne.

Co-Leiter Andréas Härry kann mittlerweile, nach zehn Jahren Le Théâtre, mit dem Stress umgehen. «In der letzten Woche ist es jeweils wie bei einem Dampfkochtopf, wenn sich der zweite Ring zeigt», sagt er und lacht.

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Internationales Team

Die neue Musical-Produktion «Daddy Cool» steht kurz vor der Premiere. Und mit dem Stück macht die kleine Bühne in Kriens einen weiteren Schritt. Hin zur eigenen Stilrichtung und mehr Bekanntheit für das Haus. Das zeige sich nur schon am Interesse internationaler Darsteller, betont Härry. 400 Darsteller hatten sich für die Produktion gemeldet, 150 wurden zum Casting eingeladen und 22 stehen nun auf der Bühne. Sie kommen aus der Schweiz, Deutschland, Holland, Italien und sogar Brasilien. Eine internationale Crew mit renomierten Darstellern entstand.

«Wir sind nicht elitär und nicht alternativ. Wir machen Populärkultur.»
Andréas Härry, Leiter Le Théâtre

«Es ist toll, dass wir solche Leute haben, die teilweise zu bescheideneren Gage hier auftreten, als sie vielleicht in London oder Hamburg bekommen würden. Aber sie wollen bei uns spielen», so Härry. Man habe einen Ruf aufbauen können, der es ermögliche, richtig gute Leute zu engagieren, deren Gage man sich sonst gar nicht leisten könne.

Entwicklung zur Professionalisierung

Gerade bei der Besetzung hat das Haus seit dem Start vor zehn Jahren einen riesigen Wandel durchgemacht. Zu Beginn waren bloss wenige Hauptrollen mit Profis besetzt, der Rest waren Laien. Heute besteht der ganze Cast nur noch aus Profis. «Aber wir stehen zu unseren Ursprüngen», sagt Härry und ergänzt: «Wir haben das Handwerk von Grund auf erlernt und uns selbst aufgebaut.»

Die fixe Leitung und das künstlerische Team in Kriens sind eingespielt. «Jeder von uns übernimmt etwa fünf verschiedene Rollen in der Organisation», erklärt Härry. 

Stolz auf die Populärkultur

Es sei eine anstrengende Arbeit, aber anders würden sie es nicht haben wollen, so Härry und beginnt gleich ein Plädoyer auf die Populär-Unterhaltung zu halten. Ja, ihre Musicals seien massentauglich. «Wir sind nicht elitär und nicht alternativ. Wir machen Populärkultur. Und wir lieben es und sind stolz darauf», so Härry. Was sie wollen, sei den Zuschauern ein positives Erlebnis zu schenken.

«Wir haben keine Subventionen, keinen Rappen»
Andréas Härry

Und das funktioniert offensichtlich. Das Haus bringt seit Jahren erfolgreiche Produktionen auf die Bühne und ist fast immer ausgebucht. «Wir haben daher auch keine Subventionen, keinen Rappen», erklärt Härry stolz. «Wir haben da auch keine Erwartungshaltung wie andere Kulturhäuser und –Veranstalter teilweise.» Der Staat müsse nicht «per Gesetz» Kultur unterstützen, die nicht funktioniere und nicht besucht werde. «Aber das ist nur meine Meinung», sagt er und lacht.

Ein Haus ohne Subventionen zu führen, sei durchaus möglich, wenn man kämpfe. Natürlich muss die Kultur dann massentauglich sein. «Dann kann man sich in der Privatwirtschaft behaupten», erklärt Härry. Dazu brauche es schliesslich auch die richtigen Sponsoren, die zu einem passen.

Andréas Härry

Andréas Härry

Und selbstverständlich auch ein treues Stammpublikum. «Ich spreche jetzt zwar vor allem von musicalaffinen Leuten: Aber wer einmal bei uns gewesen sei, der kommt immer wieder.»

Den Nachteil zum Vorteil gemacht

Wäre es bei dem Erfolg nicht sinnvoll, in ein grösseres Haus zu ziehen? «Nein. Dann wären wir wie die anderen Musicalbühnen und hätten viel mehr Konkurrenz», erklärt Härry und betont: «Ausserdem fordert uns das Haus immer wieder dazu heraus, die grossen Musicals auf ihren Kern herunter zu brechen.» Und das Team macht aus den Einschränkungen, die das Haus mit sich bringt, ein Markenzeichen.

Obwohl der Zuschauerraum doch etwas grösser sein dürfte. So spielen sie ganze 50 Vorstellungen für 18’000 Zuschauer.

Das Haus will die grossen Musicals – zeigt sie aber im kleinen Rahmen. «Wir haben uns durch unsere Produktionen und die Grösse einen Kultstatus aufgebaut in der Szene», erklärt der Leiter des Hauses.

Daddy Cool

Die Produktion Daddy Cool im Le Théâtre ist die Schweizer Premiere und Uraufführung mit deutschen Dialogen. Das Musical lebt von den Hits von Boney M. und anderen Formationen, produziert von Frank Farian.

Die hauseigene Inszenierung wurde in Co-Regie von Isabelle Flachsmann und Sean Stephens erarbeitet. Die musikalische Leitung übernimmt Arno Renggli.

«Wir haben unsere kuschlige, kultige Nische gefunden», so Härry. Und damit hat das Team heut die Möglichkeit, Uraufführungen von grossen Musicals zu machen. «Wir waren die ersten, die Flashdance auf Deutsch machen konnten, zum Beispiel», erzählt Härry.

Aber hat man sich auf Musicals festgelegt? Oder wird man im Le Théâtre vielleicht auch mal eine Operrette, oder ein Musiktheater zu sehen bekommen? «Wir studieren schon eine Weile daran herum. Aber das ist der Kompromiss, den wir eingehen müssen mit unserer finanziellen Situation in der Privatwirtschaft. Experimente liegen eigentlich nicht drin. Oder besser: Wir haben den Mut bisher noch nicht gefunden.»

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