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«Wir haben gezittert, gebibbert und gewartet»
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Das «Gelbe Haus» gehört nun offiziell den Künstlern. Die Stadt hat das Haus an die Stiftung Gelbes Haus verkauft. (Bild: zvg, zentral+)

Luzern hat das «Gelbe Haus» verkauft «Wir haben gezittert, gebibbert und gewartet»

5 min Lesezeit 29.01.2015, 20:01 Uhr

Seit zehn Jahren wohnen und werken Künstler und Kulturschaffende im «Gelben Haus» am Reussport – jedoch nur zur Miete. Nun hat sich das Blatt gewendet, der Kaufvertrag ist unterschrieben. Ab 1. Februar gehört Haus der «Stiftung Gelbes Haus». Jetzt ist erstmal feiern angesagt, anschliessend muss jedoch noch viel getan werden.

Freude herrscht im Gelben Haus am Reussport in Luzern. Die Kunst- und Kulturschaffenden haben es geschafft. Nach Jahren des Bangens können sie nun aufatmen. Das Haus, ein Ort für die Produktion von Kunst und Kultur, gehört ab dem 1. Februar offiziell ihnen.

Der Durchlauferhitzer

Ein Haus für die Kunst steht am Luzerner Reussport. Ein «Durchlauferhitzer» für Künstler und Kulturschaffende, die hier in günstigen Räumen schaffen und leben. 15 Räume sind es, aufgeteilt in Ateliers, Wohnateliers, zwei Küchen, sanitäre Anlagen, Gemeinschaftsraum. Dazu kommen Kellerräume, genutzt als Werkstätten, Proberäume, Fotolabor.

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«Der Verein hat geweibelt wie verrückt, und dann gebangt.»
Catherine Huth, Präsidentin der Stiftung Gelbes Haus

Auf 408 Quadratmeter arbeiten und wohnen hier seit 2004 immer wieder neue Kulturschaffende und so soll es auch bleiben. «Wir wollen das Haus nicht für die paar Leute, die jetzt darin arbeiten und leben, sondern für zukünftige Nutzer. Das Gelbe Haus soll ein lebendiger Ort bleiben», erklärt Catherine Huth, Präsidentin der Stiftung Gelbes Haus.

Vorverkaufsrecht hin oder her

Das Haus gehörte dem Kanton Luzern. Jedenfalls bis diesen Donnerstag, als die Stiftung Gelbes Haus den Kaufvertrag im Baurecht unterschrieb. Catherine Huth ist zufrieden. «Der Verein hat geweibelt wie verrückt, und dann gebangt.»

Denn bis vor kurzem war unklar, ob nicht doch noch ein höheres Gebot für das Haus eingeht und die Künstler ausziehen müssen. «Wir haben gezittert, gebibbert, gewartet», so Huth. Man habe zwar ein Vorkaufsrecht gehabt, trotzdem hätte ein höheres Gebot für das Projekt tödlich sein können. «Vorkaufsrecht hin oder her, der Meistbietende kriegt es.» Im Frühling 2014 wurde das Haus zum Verkauf ausgeschrieben.

«Vorkaufsrecht hin oder her, der Meistbietende kriegt es.»
Catherine Huth, Präsidentin der Stiftung Gelbes Haus

«Wir wollten auch nicht auf das Vorkaufsrecht pochen, sondern strategisch geschickt vorgehen.» Auch deshalb habe man sich grösstenteils in der Öffentlichkeit und der Presse zurückgehalten und alles in Ruhe geklärt. «Das hat viel Geduld gebraucht.» Jetzt sei man endlich am Ziel. «Nun werden wir feiern», freut sich Huth.

Der Kauf ist nur der Anfang

«Aber mit dem Kauf ist es noch lange nicht getan», so Huth. «Das Haus benötigt noch sehr viele Mittel für Investitionen, wie für eine sanfte Renovation und Sanierung. Dafür sind wir noch immer auf Geldsuche.» Denn die Stiftung rechnet mit ungefähr einer Million Franken für die Renovationen. Dazu würden die Kulturschaffenden mit Eigenleistungen ihren Teil beitragen.

Das «Gelbe Haus»

Das Gebäude am Reussport 5 wurde 1923 am Stadtrand von Luzern gebaut. Seit 2004 ist das Gelbe Haus Produktionsort für eine wechselnde Belegschaft von Künstlern und Kulturschaffenden. Entstanden ist es durch die Initiative von Studenten, die für ihre Diplomarbeit an der Kunsthochschule geeignete Räumlichkeiten suchten. Gemeinsam begannen sie im Gelben Haus Arbeitsplätze einzurichten. Das Gelbe Haus wurde zu einem Ort des Austauschs, an dem Kreativität, die Verknüpfung von Informationen, Denkarbeit sowie das Generieren und Umsetzen von Inhalten stattfinden kann.

«Den Kaufpreis haben wir mittlerweile fast komplett zusammen», so Huth. Mit Hilfe der Albert Koechlin Stiftung (AKS), der Ernst Göhner Stiftung, Kanton, Stadt, kleinerer Stiftungsbeiträge, zinsloser Darlehen und Gönnern konnten der Verein und die Stiftung diesen Betrag stemmen. Doch es reicht noch lange nicht. «Wir lassen derzeit noch wöchentlich Gesuche an Stiftungen raus.» Und auch weitere Geldgeber würden noch gesucht.

«Das Haus ist ein Durchlauferhitzer.» Die Arbeit im Haus bringe die Kulturschaffenden in ihrem Schaffen weiter und helfe bei der Vernetzung und Weiterentwicklung. «Genau deshalb funktioniert auch der automatische Wechsel der Mieter ganz natürlich.» Es sei ja auch keine Wohnform, die man «ab einem gewissen Alter» noch unbedingt leben möchte. Aber für die Künstler, die gerade daran seien, den Sprung zu schaffen, sei das der perfekte Ort. «Es ist eine extrem lustige, turbulente und kreative Stimmung in diesem Haus, in welchem trotzdem so seriös gearbeitet wird.»

Organisch gewachsen

Das Haus, 1923 erbaut, war vor der Nutzung der Kunstschaffenden ein Heim für Asylbewerber und zuvor ein Personalhaus des Kantonsspitals. «Anfangs war es eine Art Zwischennutzung von Kunsti-Studenten. Und daraus ist das Projekt organisch gewachsen.»

Man habe es anfangs auch nicht kaufen wollen, so Huth. Als klar wurde, dass der Kanton das Haus gemäss der neuen Immobilienstrategie veräussern würde, wuchs die Angst, durch einen Verkauf des Hauses rauszufliegen. «Da entstand die Idee, das Haus selbst zu kaufen.»

Politische Verankerung

Catherine Huth, damals noch Geschäftsleiterin der IG Kultur, half dem Verein Gelbes Haus, dem Betreiber, mit den politischen Akteuren an einen runden Tisch zu kommen. «Da zeigte sich bereits: Die Aussichten stehen gut.» Danach wurde Huth als Stiftungsratsmitglied angefragt und die Stiftung gegründet.

«Wir haben Ende 2012 auch den gesamten Regierungsrat ins Haus eingeladen. Das hat sicher viel für die politische Verankerung des Projekts gebracht.» Auch sonst hätten sie die letzten Jahre und Monate viele Leute ins Gelbe Haus «hochgeschleift», Gespräche geführt, Aperos veranstaltet, das Projekt bekannt gemacht. «Und wir konnten ein sehr grosses Netzwerk und auch ein Patronatskomitee aufbauen, mit unterstützenden Persönlichkeiten aus der Stadt und der Kulturszene.» Dabei sei die Präsidentin des Vereins, Tatjana Erpen, stets eine sehr wichtige Person. «Sie ist das Standbein, ein Pfeiler des Gelben Hauses.» Der Verein organisiert den Betrieb des Hauses. «Die neuen Mieter werden gemeinsam ausgesucht. Es muss passen.»

Miete wird höher

Wird sich nun, da das Haus dem Verein gehört, etwas ändern? «Am Leben im Haus wird sich nichts ändern, am Vereinszweck ebenfalls nicht. Doch wir müssen die Mieten etwas erhöhen. Wir müssen die Sanierung bezahlen können.» Doch die Mieten seien noch immer tief und sollen so bleiben, so Huth. Tatsächlich liegen diese bei durchschnittlich 300 Franken.

Ansonsten soll jetzt auch nicht alles auf einmal angepackt werden. «Es wird kein totaler Stress», so Huth, während sie demonstrativ den Holztisch anfasst und lacht.

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