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«Wir haben den Entscheid provoziert»
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Widerstand in Walchwil: Die Gruppe IG NeatZug hält die SBB mit einer Beschwerde auf Abstand. Der Doppelspurausbau ist wohl für ein Jahr auf Eis gelegt. (Bild: Archiv )

Zuger Stadtbahn vom Fernverkehr überrollt «Wir haben den Entscheid provoziert»

3 min Lesezeit 30.06.2016, 16:16 Uhr

Die Stadtbahn kommt unter die Räder der Schnellzüge. Das sei aber nicht das eigentliche Problem, sagt der Zuger Volkswirtschaftsdirektor. Er hofft, der Entscheid befeuere den öffentlichen Druck – und den Druck auf gewisse Richter.

«Wir haben diesen Entscheid provoziert», sagt der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel. Die Volkswirtschaftsdirektion hat am Donnerstag mitgeteilt, dass die Zuger Stadtbahn auf der Strecke Zug–Arth-Goldau teilweise weichen muss – weil sie mit den Schnellzügen von Zürich in Richtung Tessin kollidiert (zentralplus berichtete). Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels bekommt die Stadtbahn Konkurrenz auf der Ostseite des Zugersees.

Den Entscheid, welche Züge Vorrang haben, hat die Trasseevergabestelle (Trassee Schweiz AG) gefällt. «Wir wollten, dass dieser SBB-interne Entscheid nicht aufgrund irgendwelcher SBB-interner Diskussionen gefällt wird, sondern nach allen Regeln der Kunst», sagt Michel. 16 Stadtbahn-Verbindungen pro Woche sind betroffen – sie können der Schnellzüge wegen nicht mehr fahren.

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Der Schaden ist ein anderer

«Das klingt vielleicht nicht nach viel», sagt Michel. «Aber der tatsächliche Schaden ist ein anderer: Sobald der regelmässige Takt unterbrochen wird, ist das für die Benutzer schlecht», sagt Michel: Wenn die Stadtbahn jede Stunde fahre, aber dann plötzlich doch nicht, gehe das Vertrauen verloren. «Dieser Schaden ist weit grösser als der tatsächliche Verlust von 16 Verbindungen pro Woche.»

«Wir hoffen, dass damit ein öffentlicher Druck entsteht, damit auch die Richter in dieser Sache merken, wie wichtig das ist.»

Matthias Michel, Volkswirtschaftsdirektor

Wieso hat man diesen Entscheid dann provoziert? «Wir wollten, dass dieser SBB-interne Konflikt ganz klar gelöst wird. So dass auch klar wird, was das für Zug bedeutet, wenn der Doppelspurausbau in Walchwil nicht kommt.» Eine Gruppierung von Anwohnern verhindert mit Einsprachen den Ausbau der Doppelspur Walchwil. Momentan ist das Vefahren vor dem Verwaltungsgericht hängig. Eigentlich hätte der Ausbau schon beginnen sollen, die SBB rechnen mit einer Verzögerung von einem Jahr.

Hoffnung auf öffentlichen Druck

«Dadurch, dass wir der SBB nahegelegt haben, diesen Konflikt zwischen Nahverkehr und Fernverkehr durch die Trasseevergabe klären zu lassen, ist es jetzt auch publik geworden», sagt Michel. Und das sei deshalb wichtig, damit die Bevölkerung sehe, warum es den Doppelspurausbau in Walchwil brauche. Und nicht nur sie: «Wir hoffen, dass damit ein öffentlicher Druck entsteht, damit auch die Richter in dieser Sache merken, wie wichtig das ist.»

Matthias Michel, Volkswirtschaftsdirektor

Matthias Michel, Volkswirtschaftsdirektor

(Bild: zvg)

Diese Situation halte so lange an, bis die Strecke Zug–Arth-Goldau saniert und ausgebaut sei, schreibt der Kanton in seiner Medienmitteilung. Hans-Kaspar Weber, Leiter Amt für öffentlicher Verkehr, hofft, «dass das seit langem hängige Bewilligungsverfahren zum Bau einer Doppelspurinsel in Walchwil nun rasch vorankommt, damit diese Fahrplansituation künftig nicht mehr entsteht.» Auch die Trassenvergabestelle habe mitgeteilt, dass der Konflikt nicht auf ein Fahrplanjahr beschränkt sei. Sie sei daher ebenfalls sehr daran interessiert, dass der Ausbau am Zugersee-Ostufer rasch realisiert werden kann.

Die IG Neat, die den Doppelspurausbau verzögert, argumentiert allerdings ebenfalls mit der Vergabepraxis der Trassee AG. Es steht die Angst im Raum, dass auf der Doppelspurlinie Zug–Arth-Goldau zukünftig auch Güterverkehr unterwegs wäre – und damit für die Anwohner grosse Lärmemissionen entstünden. Michel entkräftet: «Es steht überhaupt kein Interesse an einer Güterverkehr-Nutzung im Raum. Die haben ihre Linien bereits. Deshalb glaube ich nicht, dass das ein Thema werden wird.»

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