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«Wir haben das Pokalfinale neben Niko Kovac geschaut»
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Alessandro und Lorenzo Müller: Zusammen wollen sie grosse Ziele erreichen. (Bild: pze )

FCL-Junioren spielen gegen internationale Topteams «Wir haben das Pokalfinale neben Niko Kovac geschaut»

7 min Lesezeit 21.05.2018, 11:56 Uhr

Beim Pfingst-Masters-Turnier massen sich am Wochenende die FCL-Junioren mit dem Nachwuchs aus In- und Ausland. Dabei können sich die Teenager für Grosses empfehlen. Doch trotz viel Einsatz und Schweiss der Jungen, der FCL rechnet nicht damit, ein überraschendes Talent zu entdecken.

Über Pfingsten spielte der FC Luzern international: Man mass sich mit Teams wie dem SC Freiburg oder dem frischgebackenen deutschen Pokalsieger Eintracht Frankfurt. Wie ist das möglich, spielten Gerardo Seoanes Mannen doch ihr letztes Saisonspiel in Basel am Samstagabend?

Für einmal geht es nicht um das Profiteam, sondern um den Luzerner Nachwuchs. Die Kategorien U10 bis U13 massen sich am Pfingst-Masters-Turnier mit Konkurrenten aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland. Die künftigen Fussballstars konnten sich in der Allmend über die Schweizer Grenzen hinaus präsentieren.

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«Es ist auf jeden Fall eine Plattform für die Jugendlichen», sagt Pasquale De Simone, Leiter Footeco (siehe Box am Ende) beim FCL. Aber er macht auch klar: «Es geht vordergründig um die Freude der Junioren. Es ist für die Jugendlichen eine Möglichkeit, sich im internationalen Vergleich mit Gleichaltrigen zu messen.»

Spektakuläres Foul vom Torhüter

Gerade läuft ein Spiel des FC Luzerns in der Kategorie U13. Der Gegner ist der FC Winterthur. Coach Christian Nyffeler und sein Co-Trainer Patrik Zurkirchen betreuen ihre Mannschaft aktiv, es wird gestikuliert, gerufen, Anweisungen werden gegeben. Jeder Fehler wird sofort mit den Spielern auf der Bank besprochen – eine konstante Live-Analyse. Die Spieler stecken in der Ausbildung, jede Gelegenheit zur Weiterentwicklung wird genutzt.

Nachwuchstrainer Christian Nyffeler

FCL-Nachwuchstrainer Christian Nyffeler.

(Bild: pze)

Der FCW geht in Führung – aus einer vermeintlichen Abseitsposition, schwer zu sehen für den Schiedsrichter. Die Luzerner sind eigentlich besser, erspielen sich mehrere Chancen, dann ein weiter Ball, mehr ein Klärungsversuch der Winterthurer als ein strukturierter Angriff, doch plötzlich ist in der FCL-Verteidigung alles offen.

Torhüter Alessandro Müller spielt mit und spediert den Ball ohne Rücksicht auf Verluste weg – er trifft sowohl Spielgerät wie den FCW-Stürmer. Bei den Profis wäre er mit der Grätsche vielleicht durchgekommen – auf Junioren-Level wird er mit der gelben Karte und fünf Minuten Auszeit auf der Bank bestraft. Der Torhüter nervt sich sichtlich über die Entscheidung und stapft wütend vom Feld. Ein Feldspieler ersetzt ihn.

«Die Pubertät verändert noch vieles»

Draussen gehen Spieler des SC Kriens vorbei, sie sehen die Szene und lächeln. Sie kennen den Ad-hoc-Torhüter mit Namen. «Die Spieler sind wirklich sehr gut vernetzt», erklärt Nachwuchstrainer Christian Nyffeler.

Denn die Nachwuchsarbeit des FC Luzern beinhaltet mehr als bloss ein Team: Zug 94, den SC Kriens, die Förderteams aus Wigger- und Seetal, bis nach Schwyz und Uri – das Einzugsgebiet und die Kooperationen des FCL überspannen die ganze Zentralschweiz.

Nyffeler kennt sich in der Nachwuchsarbeit aus. Der 34-Jährige hat an der Seite des jetzigen FCL-Trainers Gerardo Seoane ein Jahr lang die U21 betreut. Jetzt ist er wieder bei den Jüngeren, also «in meinen Gefilden», wie der Sekundarlehrer sagt.

Er beobachte die Spieler der anderen Teams natürlich, wer auffällt, über den wird gesprochen. «Die Trainer der Partnerteams des FCL stehen aber im regen Austausch. Wir kennen die Spieler gut, daher kommt es selten zu grossen Überraschungen», sagt Nyffeler. Dadurch werden einzelne Auftritte weniger wichtig, die konstante Leistung der Jugendlichen rückt ins Zentrum.

Die Trainer sprechen stets mit den Spielern auf der Bank.

Die Trainer sprechen stets mit den Spielern auf der Bank.

(Bild: pze)

Dabei gelte die Regel «Nur die Besten sind beim FCL» auf der U13-Stufe noch nicht. «Die Spieler sollen sich in ihrer Region entwickeln können. Wer mit 12 Jahren noch bei Zug oder Kriens spielt, hat auf der U15-Stufe ebenfalls die Chance, zum Nachwuchsteam des FCL zu wechseln.» Erst dort werde dann eine Selektion in Richtung Profifussball vorgenommen. «Die Pubertät verändert noch so vieles, das ist oft nicht vorhersehbar», sagt Nyffeler.

Die Prioritäten und Ambitionen der jungen Fussballer fasst Nyffeler so zusammen: «Auf unserer Stufe wollen sie einfach kicken.» Doch bei vier Trainings die Woche müssen nicht nur die fussballerischen, sondern auch die schulischen Leistungen stimmen – wer die Ausbildung vernachlässigt, mit dem wird das Gespräch gesucht. Dabei sei auch möglich, dass ein Spieler beispielsweise ein Training pro Woche auslässt. «Auch mit drei Einheiten können sich die Jugendlichen prima entwickeln», sagt der Nachwuchstrainer.

FCL-Goalie mit Ambitionen

Zurück zum Spiel gegen den FC Winterthur. Der FCL schafft trotz Feldspieler im Tor den Ausgleich. Man ist weiterhin drückend überlegen, doch man lässt zu viele Chancen liegen. Es bleibt beim 1:1. Nach dem Spiel ist der Ärger über die gelbe Karte bei Alessandro Müller verflogen. Der 12-Jährige sagt: «Beim FC Luzern zu spielen ist schon etwas anderes als vorher bei Cham.» Er müsse mehr trainieren, mehr tun. Doch es mache immer grossen Spass.

Das Tor des FC Winterthur: War es Abseits?

Als Junior beim FC Luzern hat Alessandro Müller grosse Ambitionen. Sein Ziel: Profi. Und er weiss auch schon, wo: Er möchte eines Tages Roman Bürki im Tor von Borussia Dortmund ablösen. «Ich bin grosser Dortmund-Fan. Da würde ich natürlich am allerliebsten spielen», sagt der junge Luzerner.

Pokalsieg auf dem Sofa gefeiert

«Aber zuerst einmal ist der FC Luzern das Ziel», wirft Alessandros Vater Lorenzo Müller lächend ein. Er unterstützt seinen Sohn bei seinem Traum. «Natürlich muss man gerne an die Spiele fahren und gerne mitfiebern», sagt er. Auch Spielanalysen gehören natürlich dazu. «Das Wichtigste ist aber, dass die Kinder Freude haben», meint er. Hätte sein Sohn keinen Spass am Sport, würden sie sich den Aufwand sparen.

Nach dem Spiel gibt es motivierende Worte des Trainerteams.

Nach dem Spiel gibt es motivierende Worte des Trainerteams.

(Bild: pze)

Zu Konflikten habe das Fussballspielen noch nicht geführt. Dies vor allem auch, weil die schulischen Leistungen einwandfrei sind: Alessandro geht ab September in die Kantonsschule. Ausserdem hätten sie besonders in der Schule Glück gehabt: «Alessandros Primarlehrer ist selber Torhüter, er kennt die Passion Fussball also nur zu gut.» So fänden sich stets Lösungen, wenn der junge Torhüter Zeit für sich und seine angehende Fussballerkarriere brauche.

Das Pfingst-Masters ist für Müllers ein spezieller Anlass. «Wir haben drei Junioren aus dem Ausland bei uns einquartiert», erzählt Vater Lorenzo. Und er fügt schmunzelnd hinzu: «Wir haben am Samstag das deutsche Pokalfinale direkt neben Niko Kovac geschaut.» 

Dann führt er aus: Einer der einquartierten Junioren – wie es der Zufall will, ein Frankfurter – ist Namensvetter des Erfolgstrainers der Hessen und künftigen Bayerncoaches. Der Teenager Kovac genoss den Pokaltriumph seines Vereins vom Sofa der Müllers aus. 

«Gentlemen’s Agreement» zwischen Topclubs 

Auf dem fürs Turnier errichteten Regieturm in der Allmend verschafft sich der Footeco-Leiter Pasquale De Simone einen Überblick über das Geschehen. Er sagt schmunzelnd: «Wenn wir in unseren Reihen plötzlich ein Talent entdecken würden, das wir zuvor noch nicht kannten, ist etwas schiefgelaufen.» Dennoch schaut er aufmerksam zu, man weiss ja nie.

Pasquale De Simone hat den Überblick über die Junioren.

Pasquale De Simone hat den Überblick über die Junioren.

(Bild: pze)

Doch heute sind auch andere Teams präsent, der neue Schweizer Meister YB ist beispielsweise mit einer Delegation vor Ort. Gäbe es in der Zentralschweiz ein Supertalent, kämen die Berner da nicht in Versuchung, den Jungen zu verpflichten? De Simone sagt dazu: «Unter den Klubs gibt es ein Gentlemen’s Agreement, dass man Spieler in dem Alter nicht abwirbt.»

Ausserdem wäre es ein logistisches Problem, einen Trainingsweg von über einer Stunde zu bewältigen in dem Alter. «Später, vielleicht kombiniert mit einer Lehrstelle, da kann es vorkommen.»

Doch alles in allem stehen beim Pfingst-Masters nicht Scouts oder Nachwuchsverantwortliche im Fokus, sagt De Simone. «Es geht darum, unseren Junioren ein tolles Wochenende zu schenken. So können wir als Verein ihnen etwas zurückgeben.» 

 Das Footeco-Projekt

Footeco ist eine Ausbildungskultur für den Elitefussball der Kategorien U12 (FE12) und U13 (FE13), die auf die Entwicklung des Potenzials der Spieler abzielt und zum Ziel hat, die jungen Spieler nicht zu früh zu selektionieren. Erfahrungen hatten gezeigt, dass junge Talente oft zu früh und falsch rekrutiert wurden. Seit 2012 wird nun breiter und in den regionalen Auswahlen gefördert. Erst auf der Stufe U15 beginnt die Selektion für den Spitzen-Juniorenfussball.

Die Swiss Football League unterstützt das Projekt Footeco mit einer Million Franken pro Jahr. Der Schweizerische Fussballverband steuert weitere 150‘000 Franken bei. Ein sehr grosser Teil dieses Betrages fliesst in den Amateurfussball (Klubs und Regionen).

 

Dieser Text entstand im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen dem FC Luzern und zentralplus.

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