«Ich befürchte, ich sehe meine Tochter Alishia nie wieder»
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Die Mutter der vermissten Luzernerin, Alishia Bucher (21), geht vom Schlimmsten aus. «Ich befürchte, ich sehe meine Tochter nie wieder», sagt Mutter Anita Bucher (59). (Bild: zvg)

Mutter von vermisster Luzernerin ist verzweifelt «Ich befürchte, ich sehe meine Tochter Alishia nie wieder»

6 min Lesezeit 5 Kommentare 12.05.2021, 10:03 Uhr

Die Luzernerin Alishia Bucher (21) gilt seit nun mehr Wochen als vermisst. Familie und Freunde sind in grosser Sorge. Mutter Anita Bucher (59) hat mit zentralplus gesprochen. Sie befürchtet das Schlimmste.

Die vergangenen Wochen waren ein Alptraum für Anita Bucher (59). Die Ungewissheit über den Verbleib ihrer vermissten Tochter Alishia (21) macht der Adligenswilerin zu schaffen. Angehörige und Bekannte haben sich deshalb am Mittwoch an zentralplus gewandt.

«Ich weiss nicht mehr weiter», sagt Anita Bucher zu zentralplus. Seit ihre Tochter am 21. April 2021 das Haus verlassen hat und nicht zurückkehrte, liegen bei der Mutter die Nerven blank. Auch die Anfang Mai erfolgte Öffentlichkeitsfahndung der Luzerner Polizei ist bisher ohne Erfolg geblieben (zentralplus berichtete).

Bei Familie und Freunden ist die Sorge um die KV-Angelernte aus Adligenswil (Luzern) gross. In ihrer Verzweiflung hat Selina Bucher vergangene Woche, auf der Suche nach ihrer Zwillingsschwester Alishia, einen Stapel Flyer gedruckt und an Passanten verteilt. Auch zentralplus liegt ein solcher Flyer vor. «Wir hoffen, dass wir sie so finden», sagt Selina Bucher zu zentralplus.

Mutter der Vermissten versucht vergeblich Tochter auf Handy zu erreichen

Die Mutter habe in den letzten Wochen nichts unversucht gelassen ihre Tochter zu finden. «Ich habe sämtliche Orte, wo Alishia sein könnte, abgeklappert», sagt sie. Doch von der KV-Angelernten fehlt jede Spur. Dass die 21-Jährige einfach abgehauen ist, ohne etwas zu sagen, glaubt die Mutter nicht: «Alishia hatte doch nur Portemonnaie, Handy und Hausschlüssel bei sich, als sie gegangen ist.»

«Ich rufe die Nummer von Alishia jeden Tag mehrmals an.»

Anita Bucher (59), Mutter der Vermissten

Unzählige Male hat die besorgte Mutter ihre Tochter schon aufs Handy angerufen. Auch mit dem Telefonanbieter habe sie Kontakt gehabt. Doch aus Datenschutzgründen kann dieser keine konkreten Angaben machen. Nur so viel: Das Handy von Alishia soll in der Nacht, in der die Luzernerin verschwand, zuletzt verwendet worden sein. Seither habe es laut der Mutter keine Verbindungen mehr gegeben.

«Ich rufe die Nummer von Alishia jeden Tag mehrmals an», sagt sie. Auch zentralplus hat versucht, die Vermisste auf ihrem Handy zu erreichen – ohne Erfolg. Die Leitung ist tot. Alishia nimmt nicht ab.

Zwillingsschwester sucht mit Flyern nach Alishia

Die Zwillingsschwestern Selina und Alishia haben sich zuletzt zwei Tage vor Alishias Verschwinden gesehen. In der Nacht vom 22. April auf den 23. April hätten die beiden noch kurz miteinander telefoniert: «Sie hat mir um 4 Uhr morgens angerufen und mir gesagt, dass es ihr nicht gut geht.»

«Unser Telefonat wurde plötzlich unterbrochen.»

Selina Bucher, Zwillingsschwester der Vermissten

Laut der Zwillingsschwester sei Alishia zu diesem Zeitpunkt mit mehreren Männern in einem Auto unterwegs gewesen. Schwester Selina ist in grosser Sorge: «Unser Telefonat wurde plötzlich unterbrochen.» Seither fehlt von der KV-Angelernten jede Spur, auf dem Handy ist sie seither nicht mehr erreichbar. Die Schwester geht vom Schlimmsten aus. Sie ist überzeugt: «Die Männer haben etwas mit dem Verschwinden meiner Schwester zu tun.»

Luzerner Polizei hat keine Kenntnisse von Flyer-Aktion

Auf Anfrage von zentralplus erklärt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft: «Aktuell gibt es keine Hinweise, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuten.» Kopp räumt jedoch ein, dass die Luzerner Polizei bis anhin «keine Kenntnisse von dem Flyer und dessen Inhalt hatte». Die Ermittlungen im Vermissten-Fall seien jedoch nach wie vor im Gange, Hinweise über den Verbleib der Vermissten würden geprüft.

«Ich mache mir rüüdige Sorgen um sie.»

Margot Grüter, Bekannte der Vermissten

Auch Margot Grüter (48), die als Luzerner Bahnhof-Mami bekannt ist, kennt Alishia eigenen Angaben zufolge «sehr gut». «Ich mache mir rüüdige Sorgen um sie», sagt Grüter zu zentralplus. Sie hofft, dass die Vermisste bald wieder auftaucht, will nichts unversucht lassen. Darum hat sie auch Selina vergangene Woche dabei geholfen, Flyer der Vermissten zu verteilen.

Familie hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung

«Nicht nur in Luzern, auch an Autobahnraststätten bis Bern haben wir die Flyer verteilt», sagt Margot Grüter zu zentralplus. Auch sie hat Alishia noch kurz vor ihrem Verschwinden gesehen. «Wir haben uns beim Bahnhof in Luzern getroffen und geredet», so Grüter. Das war zwei Tage bevor die 21-Jährige verschwand. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Vermisste nach wie vor in der Schweiz aufhält.

«Ich mach mir extreme Sorgen. Wir haben alle grosse Angst um Alishia», so die Zwillingsschwester. Im Flyer appelliert die Familie an die Bevölkerung, Hinweise über den Verbleib von Alishia bei der Luzerner Polizei zu melden. Familie und Freunde hoffen weiter, dass die Vermisste wieder auftaucht. Doch mit jedem Tag der verstreicht, schwindet bei der Mutter die Hoffnung. «Alishia ist bestimmt etwas Schlimmes zugestossen», sagt sie. Sie geht mittlerweile vom Schlimmsten aus: «Ich befürchte, ich sehe meine Tochter Alishia nie wieder.»

«Öffentlichkeitsfahndung» – die Ultima Ratio der Polizei

Im vergangenen Jahr wurden gemäss der polizeilichen Kriminalstatistik des Kantons Luzern insgesamt 486 Personen als «abgängig» registriert. Dabei gilt es zwischen «vermisst, entwichen und entlaufen» zu differenzieren.

«Als vermisst gilt eine Person, wenn sie aus ihrem gewohnten Lebensbereich verschwindet. Von entwichen spricht man, wenn jemand aus einer Anstalt, etwa einem Heim oder einer Klinik, davonläuft. Als entlaufen hingegen gelten unmündige Personen, die sich aus ihrem gewohnten Lebensbereich entfernt haben», sagt Urs Wigger, Sprecher der Luzerner Polizei. De facto wurden im Jahr 2020 insgesamt 142 Personen als «vermisst» gelistet, 330 als «entwichen» und 14 als «entlaufen».

Jedoch nur in einzelnen Fällen, wie etwa im Vermissten-Fall Alishia Bucher, kommt es dann auch tatsächlich zu einer Öffentlichkeitsfahndung. «Generell ist eine Öffentlichkeitsfahndung nur dann zulässig, wenn entweder die Gefahr besteht, dass die vermisste Person verunfallt ist oder dass sie Opfer eines Verbrechens wurde oder aber für sich oder andere eine Gefahr darstellt», so Wigger. Gründe für eine Eigengefährdung können laut dem Luzerner Polizeisprecher einerseits Suizidabsichten, andererseits aber auch eine Suchtabhängigkeit oder aber die zwingende Einnahme von Medikamenten sein.

«Die meisten Vermisstenfälle können nach kurzer Zeit wieder revoziert werden, weil die betroffenen Personen nur Stunden oder wenige Tage nach ihrem Verschwinden wieder auftauchen», so Wigger. Doch je länger eine Person als vermisst gilt, umso prekärer die Situation.

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5 Kommentare
  1. Marco R., 31.05.2021, 07:46 Uhr

    Verstehe nicht warum in einem solchen Fall nicht die Daten des Telefonanbieters verwendet werden dürfen…

  2. Jed, 16.05.2021, 00:59 Uhr

    Ich versteh nicht ganz, wieso die Familie und Bekannten ihn immer mit weiblichen Pronomen und Namen nennen. Ich kenne ein paar Leute, die mit ihm befreundet sind und die meinen alle, er identifiziert als Mann und heisst Luca

    1. Selina H, 16.05.2021, 11:57 Uhr

      Ich kenne Luca auch da ich früher mit ihm gezockt hab, er hat sich paar jahre später geoutet als Luca und möchte auch so angesprochen werden.. Ich verszehe auch nicht warum sie ihm noch Alishia nennen. :/

  3. Roman, 14.05.2021, 11:51 Uhr

    Ich hoffe diese Geschichte findet ein gutes Ende. Kaum vorzustellen was für Sorgen und Ängste Angehörige und Freunde erleiden müssen. Vielleicht würde es helfen die Suche auf sämtliche Medien auszuweiten für eine grössere Reichweite.

  4. Brigitte, 13.05.2021, 17:44 Uhr

    Mehr Fotos von der Vermissten wären sehr hilfreich.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.