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Wir erwandern das grösste Hochhaus von Rotkreuz
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Tobias Achermann, der CEO von Zug Estates, blickt vom Aglaya-Hochhaus in Richtung Urner Alpen. (Bild: wia)

Ein Interview im Treppenhaus des Aglaya Wir erwandern das grösste Hochhaus von Rotkreuz

9 min Lesezeit 4 Kommentare 21.01.2020, 04:03 Uhr

Seit kurzem steht mit dem Aglaya ein 70 Meter hohes Haus in der Gemeinde Risch. Als C02-freies «Gartenhochhaus» hat sich der Bau schon jetzt schweizweit einen Namen gemacht. Dass wir das Haus nicht mit dem Lift, sondern gemeinsam mit dem Zug-Estates-CEO zu Fuss erklimmen, hat einen Grund.

Es ist Wanderwetter. Mitte Januar ist es zwar faktisch, doch warm wie im April, keine Wolke am Himmel. Wir nutzen die Gunst der Stunde und erklimmen Aglaya, den Olymp des Suurstoffi-Areals. Das 21-stöckige Hochhaus wurde von Ramser Schmid Architekten entworfen. Seit letztem November ist es fertig, etwa die Hälfte der Wohnungsbesitzer ist seither eingezogen, eine Partei pro Tag.

Auf der Wanderung begleitet uns niemand geringeres als Tobias Achermann, CEO von Zug Estates, der per Ende April von seinem Amt zurücktritt.

Wir erkunden das Gartenhochhaus nicht wie zivilisierte Menschen mit dem Lift, sondern erklimmen es zu Fuss. Dies aus reiner Solidarität. Denn Tobias Achermann trainiert derzeit für eine dreissigtägige Wanderung quer über die Alpen, die er Mitte Mai mit einem Freund in Angriff nehmen wird.

Achermann erwartet uns beim Hauseingang, als wir uns staunend dem Hochhaus nähern. Das Haus macht Gattung. Und dies, obwohl die Pflanzen, die auf den Aussenflächen wachsen, derzeit keine Blätter tragen. Matt-goldig scheint die Fassade im Sonnenlicht, sanft gerundet sind die Konturen des Baus. Ein Securitymann gewährt uns Einlass ins Haus.

So sieht Aglaya von unten aus. Hübsch! Von oben ist’s jedoch noch besser.

Los geht’s. Wir nehmen die ersten Treppenstufen in Angriff und Tobias Achermann erklärt: «Wie auch die Grazie Aglaya aus der griechischen Mythologie steht dieses Gartenhochhaus für eine gewisse Schönheit und Anmut.»

zentralplus: In der Tat ist die Aussenbegrünung markant und von weit her zu sehen. Selbst nun, im Winter, fallen die Bäume auf den Balkonen auf. Was jedoch, wenn die Bewässerung aussteigt?

Achermann: Tatsächlich wird auf den umliegenden Dächern Regenwasser gesammelt, welches die Pflanzen mittels System bewässert. Klar kann es sein, dass die Anlage aussteigt. Doch kann man diese kurzfristig wieder reparieren. Es ist nicht anzunehmen, dass die Pflanzen – wie in der Natur auch – von heute auf morgen kaputtgehen.

zentralplus: Ich gehe davon aus, dass es sich um einheimische Pflanzen handelt?

Achermann: Darauf haben wir Wert gelegt. Der Gartenarchitekt hat das Gebäude wie einen Fels betrachtet. Er achtete darauf, wie dieser ausgerichtet ist und hat ihn entsprechend bepflanzt.

Auf den Etagen gibt’s immer wieder Fenster ins Grüne. Aktuell ins Braune.

Achermann ist offensichtlich in Form. Das Interview während des Treppensteigens – den dritten Stock haben wir bereits hinter uns gelassen –macht ihm keine Mühe. Ausser Atem ist er noch lange nicht. Wider erwarten ist das Treppenhaus kein liebloser Schacht. Alle paar Etagen gibt es Fenster, hinter denen begrünte Flächen zu sehen sind.

zentralplus: Alle 85 Aglaya-Wohnungen sind seit längerem verkauft, die Suurstoffi ist quasi fertiggebaut und erntet sehr viel positives Feedback. Das HSLU-Hochhaus wurde in Windeseile mittels innovativer BIM-Technologie (siehe Box) hochgezogen, dies ohne grosse Probleme. Zudem sind alle Mietflächen fürs Gewerbe vergeben. Als CEO der verantwortlichen Firma müssen Sie mächtig stolz sein.

Achermann: Selbstverständlich. Wobei man sagen muss, dass es unzählige Rädchen sind, die in diesem Getriebe mitdrehen. Ich bin nur eines von vielen. Aber ja, es ist ein schönes Gefühl, wenn man etwas so modellhaftes und zukunftsfähiges entwickeln darf, das so in der Schweiz erst an wenigen Orten existiert. Das ist ein grosses Privileg und hat auch riesigen Spass gemacht.

BIM und Lean Management

Eine Methode, welche Zug Estates zum Vorreiter in Sachen Bauen macht, ist die Anwendung von Building Information Modeling (BIM) und Lean Management. Im Zusammenspiel führt die Methodik zu einer verbesserten Planungssicherheit und Ausführungsqualität. Beim Bau der HSLU-Gebäude (zwei der drei Gebäude sind Holz-Hybrid-Bauten) etwa wurden alle Holzelemente aus dem 3D-Modell im Werk produziert. Ausserdem fand eine modellbasierte Planung und die Nachverfolgung jedes Bauteils inklusive Rückfluss der Informationen in das Modell statt. Weil die Anlieferung der Teile «just in time» passierte, verkürzte sich die Bauzeit erheblich.

zentralplus: Es gibt viele gute Sachen über die Suurstoffi zu sagen. Gibt es dennoch Dinge, die Sie retrospektiv gesehen besser anders gemacht hätten?

Achermann: Natürlich, die gibt es. Gerade wenn man den Anspruch hat, innovativ zu sein. Wichtig ist, dass man aus diesen Fehlern lernt.

zentralplus: Gibt es ein konkretes Beispiel dafür?

Wenn man ein Pionier ist im digitalen Bauen und Akzente setzt in Sachen Lean Management und Logistik, dann ist man im Nachhinein immer etwas gescheiter. Dann hätten wir die Anforderungen an die Daten und an die Planer im Voraus anders ausgelegt. Zudem hätten wir anfangs auch vermehrt darauf geachtet, dass alle dasselbe Verständnis davon haben, welche Daten wir generieren wollen.

Mittlerweile sind wir im 6. Stock angelangt. Zeit, für eine Verschnaufpause.

Eine langjährige Mitarbeiterin von Achermann gewährt uns Einblick in die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung, in der sie seit November lebt.

Hell ist es darin, der unversiegelte Parkett wirkt warm, die Aussicht auf die Umgebung ist bereits hier toll.

Sie sei sehr zufrieden, sagt die pensionierte Frau. Der Blick ins Grüne gefalle ihr. Auch sei die Luftqualität sehr gut, beteuert sie. Tatsächlich handelt es sich bei der Suurstoffi um ein autofreies Quartier. Dass sie die gesamte Technik, von der Heizung über das Licht bis hin zu den Storen über ein einziges Display steuern kann, sage ihr sehr zu.

So sieht es in einer der bereits bezogenen Wohnungen im 6. Stock aus.

Fertig Verschnaufpause. Weiter geht’s. Wir setzen sowohl Wanderung als auch Interview fort.

«Dass wir es schaffen, unser gesamtes Portfolio von 1,6 Milliarden Franken quasi CO2-frei zu machen, macht mich tatsächlich stolz.»

Tobias Achermann, CEO Zug Estates

zentralplus: CO2-Emissionen sind ein grosses Thema bei der Suurstoffi. Zug Estates hat sich zum Ziel gesetzt, eine Immobiliengesellschaft mit einem Portfolio ohne CO2-Emissionen zu sein. Was heisst das konkret?

Achermann: Das Ziel Zero-Zero bedeutet, ein Portfolio zu bewirtschaften, das über einen möglichst kleinen CO2-Ausstoss verfügt. Ausserdem wollen wir einen möglichst hohen Autarkie-Grad haben in der eigenen Stromzufuhr. Das Energiesystem der Suurstoffi ist heute weitgehend C02-frei. Ausserdem haben wir uns im Zentrum von Zug dem Circulago angeschlossen. Mit diesem wird umweltfreundliche Energie aus dem Zugersee gezogen. Dass wir unser Ziel erreichen, unser gesamtes Portfolio von 1,6 Milliarden Franken mittelfristig weitgehendst CO2-frei zu machen, das macht mich tatsächlich stolz.

17. Etage. Bald sind wir oben. Von Müdigkeit ist bei Tobias Achermann wenig zu spüren. Selbst bei ausführlichen Antworten gerät er nicht aus der Puste.

zentralplus: Welches sind die Highlights, die Sie als CEO der Zug Estates erleben durften?

Achermann: Ich kann mich gut an den Moment erinnern, als sich die Hochschule Luzern 2015 für den Standort Rotkreuz entschied. Das war ein aufwändiger Prozess. Ich sass gerade mit dem ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten in der Suurstoffi auf einer Parkbank, als ich die Nachricht erhielt. Das war ein riesiger Meilenstein.

«Man muss schon auf der Hut sein, dass man nicht in die negativen Schlagzeilen gerät.»

zentralplus: Sie hatten beim Bau des HSLU-Gebäudes eine klare Frist, die es einzuhalten galt. Hatten Sie nie Angst, diese nicht zu schaffen?

Achermann: Sie sehen, ein paar graue Haare habe ich. lacht. Wenn Sie Dinge versprechen und Termine festlegen, müssen Sie schon auf der Hut sein, dass Sie nicht in die negativen Schlagzeilen geraten. Gerade als börsenkotiertes Unternehmen. Doch haben wir ein gutes Team und Instrumente, die dabei halfen, zu eruieren, ob sich Risiken ergeben.

zentralplus: Nun ist die Suurstoffi fast fertiggebaut. Das nächste Projekt hat Ihre Firma jedoch bereits im Visier. In einigen Jahren soll das Areal Metalli in Zug neu gestaltet werden.

Achermann: Ja, auch dieses Projekt ist sehr interessant, da eben nicht wie hier auf der grünen Wiese gebaut werden kann und verschiedene Anspruchsgruppen involviert sind. Dieses Verdichtungspotenzial so zu nutzen, dass das Projekt in 20 Jahren noch immer fliegt, ist eine spannende Aufgabe. Denn nicht zuletzt muss man einberechnen, welche gesellschaftlichen Entwicklungen passieren in den nächsten Jahren. Wie lebt man in 20 Jahren, wie sieht das Shoppingcenter der Zukunft aus und in welchen Büroformen arbeitet man?

Die Aussicht von der Dachterrasse lässt sich sehen.

zentralplus: Dennoch haben Sie sich entschieden, zu gehen.

Achermann: Das Metalli ist sicher ein Projekt, das sich über eine Dekade erstreckt. Da muss man sich schon fragen, wenn man ein gewisses Alter hat: Will ich doch noch etwas anderes machen? Ich bin nun 48 Jahre alt und habe entschieden, diesen Schritt zu machen, eine halbjährige Auszeit zu nehmen und noch einige private Projekte umzusetzen, die ich schon länger im Hinterkopf habe.

21. Stock. Wir haben es geschafft. Top of Aglaya. Was gleichzeitig Top of Rotkreuz bedeutet. Denn selbst das Roche-Gebäude kommt mit seinen 68 Metern nicht an die Höhe des Gartenhochhauses an. Von hier geht’s wieder runter in die 17. Etage auf die Dachterrasse.

Eine Dachterasse, die nicht zuoberst ist? Tatsächlich muss man sich das Aglaya wie zwei leicht versetzte, vertikale Twix-Riegel vorstellen, die ineinander verschmolzen sind. Hier stehen wir nun also, haben quasi die Bergspitze erreicht und blicken in die Ferne. Die Suurstoffi weit unter uns, die Kinder auf dem Spielplatz kleine Ameisen, die herumwuseln. Man sieht weit in die Schwyzer und Urner Alpen hinein.

Womit wir gleich beim nächsten Thema wären, nämlich Achermanns privatem Projekt, das er demnächst umsetzen will.

zentralplus: Sie planen nach Ihrem Abgang bei der Firma eine dreissigtägige Wanderung über die Alpen. Wo genau geht’s durch?

Achermann: Er scheint die Route bereits jetzt im Schlaf zu kennen und rattert sie mühelos herunter. Ich starte in Bellikon, wo ich mit meiner Familie wohne. Nach drei Tagen treffe ich meinen Kollegen in Brunnen. Er kommt aus einer anderen Richtung. Dann geht’s gemeinsam nach Altdorf, Bristen, je nach Schneeverhältnissen über den Chrützlipass nach Sedrun. Das Surselva runter bis ins Safiental. Weiter geht’s über den Piz Beverin, auch da kommt’s auf den Schnee an. Weiter über Thusis und das Averstal. Via Septimerpass hinüber ins Bergell. Von Soglio nach Chiavenna. Runter nach Como, über den Monte Generoso nach Melide, San Salvatore, bis hin nach Lugano. Lugano ist unser Ziel.

Die Dachterrasse ist für alle Bewohner zugänglich.

zentralplus: Alles zu Fuss …

Achermann: Ja. Ausser es hat zu viel Schnee, dann gibt es Alternativen, bei denen wir auch mal das Postauto nehmen.

zentralplus: Zu guter Letzt. Auf dem Gipfel der Suurstoffi stehen wir ja jetzt. Welches ist Ihr Lieblingsberg?

Achermann: Oh, da gibt es viele! Wieder blickt er in die Berge. Auf dem Chaiserstock bin ich gern. Den sieht man von hier aus sogar. Nach kurzem Werweissen nimmt Achermann sein Handy hervor, sucht den Gipfel mittels Peakfinder, und zeigt drauf. Dort! Der links!

Da vorne, der linke, markante Gipfel, das ist der Chaiserstock.

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4 Kommentare
  1. Ruedi Weis, 24.01.2020, 17:36 Uhr

    warum werden bei uns Hochhäuser so Billig Gebaut, Rigipsplatten in der Allmend wo ich Wohnte, wen der Nachbar Niesste ,konnte och Gesundheit Rufen, er zurück, Danke , Störend waren die Ekligen sichtbaren Splinker, die sind in anderen Wohnungen ein paarmal los, Wasserschaden und Möbel Futsch, oder die Hochhäuser sind auch dem Stadion Angeschlossen es gab immer welche die aus Spass die Alarmknöpfe Drückten, Glas Kaput machen und eine Höllensirene ging los, Aufzüge blieben stehen und Lüftung aus,

  2. vreni, 23.01.2020, 08:08 Uhr

    21 ist ja nicht so hoch. Allmend 28. Ich war mal oben bei jemanden, extra bevor ein heftiger Sturm kam. Ist nicht lustig, es chlöpft und knallt an die Eisen-Fassade, da Panorama Fenster. Sieht man senkrecht runter, nun alles wackelt. Auch bei den Möbel und Bilder merkt man es. Nur das muss ja sein bis 4 cm, geht es hin und her. Weiss nicht mehr genau. Und Vögel sieht man komisch nun von oben fliegen.

  3. JMüller, 21.01.2020, 10:31 Uhr

    Hm, nur für die Reichen. Die werden Augen machen bei der ersten jährlichen N-K-Abrechnung. Sind ja alles Eigentum. Attika wäre toll. Hoffe die Wände sind nicht nur billige Rigips-Platten wie in der Allmend Luzern. Allen toi, toi, toi.

    1. Peter, 22.01.2020, 08:58 Uhr

      Doch die allermeisten Wände sind Rigips Platten bzw. Gipswände…ist wirklich störend.