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Angela Addo – Musikerin, Aktivistin und DJ
«Wir brauchen unbedingt mehr Diversität auf Luzerner Bühnen»

  • Lesezeit: 5 min
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Angela Addo in ihrem natürlichen Habitat – hinter den Decks.
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Angela Addo in ihrem natürlichen Habitat – hinter den Decks. (Bild: zVg/Sébastien)

Die Musikerin, DJ und Aktivistin Angela Addo prägt das Luzerner Kulturgeschehen seit einiger Zeit mit viel Effort mit. Im Gespräch erklärt sie, weshalb Luzerns Kultur mindestens so toll ist wie jene von Zürich. Und warum sie für mehr Diversität auf Luzerner Bühnen kämpft.

«Eigentlich bin ich ja Mitarbeiterin eines Reisebüros, in dem ich auf Reisen für Querschnittsgelähmte spezialisiert bin», erklärt Angela Addo mit einem Schmunzeln auf den Lippen, wenn wir sie nach ihrer Hauptbeschäftigung fragen. Das sei aber sowieso so eine Sache bei ihr, wenn es um jene Frage geht. Denn Addo macht viel. So viel, dass sie nun ihren Job im Reisebüro kündigte. «Weniger mache ich deswegen nicht. Im Gegenteil: Ich kann mich noch mehr auf das konzentrieren, wofür ich brenne», meint die Wahlluzernerin.

Von Stammbeizen und White-Washed-Clubs

Die 30-jährige Frau lebt in der Luzerner Neustadt, hat dort ihre klaren Stammbeizen und eine grosse Community, in der sie sich meistens aufhält. «Das mag ich so an Luzern. Ich kann in meine Beiz gehen und man weiss, was ich bestelle. Wenn ich anonymer sein will, gehe ich an andere Orte in der Stadt, wo mich niemand kennt.» Addo ist im ländlichen Kanton Schwyz aufgewachsen, zog vor einigen Jahren nach Luzern. Für sie der ideale Ort zum Leben und Wirken, wie sie selbst sagt.

«Es ist teilweise schrecklich mit anzusehen, wie oft weisse, privilegierte Männer nach einer fünfköpfigen, männlichen Band die Afterparty schmeissen.»

Angela Addo

Dennoch sei Luzern längst nicht da, wo die Stadt hingelangen sollte. Es gibt einiges, was Addo an der Luzerner Kulturbranche nervt. Ins Zentrum ihrer Anliegen stellt sie eines: «Ich wünsche mir mehr Diversität in den Luzerner Kulturlokalen. Es ist teilweise schrecklich mit anzusehen, wie oft weisse, privilegierte Männer nach einer fünfköpfigen, männlichen Band die Afterparty schmeissen», führt Addo aus.

Wenn es nach ihr geht, wäre es so wichtig, für mehr Vielfalt und auch Sicherheit – gerade im Nachtleben – zu sorgen. Möglich sei dies auf jeden Fall. Eine fehlende Vielfalt sei nicht nur für Künstlerinnen ein Problem, sondern sie wirkt sich auch auf das Publikum aus. «Manchmal betrete ich einen Club und bin dort die einzige Person of Colour. Das hängt auch eng damit zusammen, dass auf der Bühne immer wieder dieselben, meist weissen und männlichen Personen stehen. Und dies ist meistens auch bei den Bookern der Fall.»

Sie kämpft für mehr Diversität im Luzerner Nachtleben: die 30-jährige Angela Addo. (Bild: zVg/Sébastien)

Aus Worten werden Taten

Addo vertritt ihre Meinung offen und klar. Und dies tut sie nicht nur verbal, sondern auch in ihren vielen verschiedenen Metiers, in denen sie aktiv ist. Bei der schweizerischen Plattform Helvetiarockt fungiert sie als Regionalmanagerin der Zentralschweiz und neuerdings auch der Ostschweiz.

Helvetiarockt ist eine Koordinationsstelle und Vernetzungsplattform in der Schweiz. Diese setzt sich dafür ein, dass es für Musikerinnen mehr Platz auf den Schweizer Bühnen und in der Schweizer Musikbranche gibt. Vor einem Jahr haben sie die Plattform «Music Directory» ins Leben berufen, mit welcher Helvetiarockt jene Personen aus der Musikszene sichtbar machen wollen, die im Alltag oftmals untergehen (zentralplus berichtete). «Generell geht es darum, für mehr Gendergerechtigkeit im Musikbusiness zu sorgen», ergänzt Addo.

«Da bin ich Feuer und Flamme und besuche nach den Kursen auch möglichst jeden Auftritt der Teilnehmerinnen.»

Mit verschiedenen Angeboten wie beispielsweise mit dem «Music Lab» bietet die Organisation jungen Künstlerinnen einen niederschwelligen Zugang zur Musik, indem Workshops fürs DJing, Beat-Making, sogenannte «Song Sketches» oder auch Bandworkshops und Songwriting-Camps durchgeführt werden. Addo leitet solche DJ-Kurse. «Es macht mir unheimlich Spass, jüngeren Menschen mein Wissen vermitteln zu dürfen. Da bin ich Feuer und Flamme und besuche nach den Kursen auch möglichst jeden Auftritt der Teilnehmerinnen. Vielleicht bin ich fast etwas peinlich.» Addo lacht.

Musik, so weit das Ohr reicht

Als DJ steht Addo immer wieder in gleich mehreren Formationen auf Clubbühnen. Ihr Soloprojekt nennt sich «AKU AKU», ihr DJ-Kollektiv «Midnight Snack Collective». Und ja, DJ will sie genannt werden. Der immer wieder als weibliche Form verwendete Begriff «DJane» sei für sie nicht stimmig. Dies, weil das Wort DJ aus dem Englischen stammt und soviel wie Disc Jockey heisst. Und das sei ja bereits genderneutral, so Addo.

«Immer, wenn es um technische Angelegenheiten ging, habe ich mich auf ihn verlassen. Und zwar unbewusst vermutlich auch, weil er ein Mann ist.»

Schliesslich spielt sie auch mit ihrem Duo Bikini Showers immer wieder Livemusik auf Schweizer Bühnen. «Gerade bei meiner Band, die ich mit meinem Musikpartner Elio Donauer habe, merkte ich irgendwann, dass ich mich in gewissen Bereichen selbst sabotierte. Immer wenn es um technische Angelegenheiten ging, habe ich mich auf ihn verlassen. Und zwar unbewusst vermutlich auch, weil er ein Mann ist. Da dachte ich mir: ‹Was mache ich, wenn ich mal nicht mehr mit ihm spiele?›» Für Addo diente diese Erkenntnis als eine vieler Augenöffner.

Die fehlende Safeness im Nachtleben

Addo kämpft mit ihrem Schaffen regelrecht für mehr Gleichstellung aller Geschlechter in der Musikbranche. Sie steht ein für mehr Raum für Personen, die leider noch immer zu kurz kommen. Und sie will mehr sogenannte «Safe Spaces» im Nachtleben schaffen, von denen es in Luzern nach wie vor zu wenige gebe. «Vor kurzer Zeit habe ich damit begonnen, Konzepte für die Sensibilisierung in Clubs zu erarbeiten. Dabei geht es um Themen wie sexuelle Gewalt, Rassismus, Gewalt und Sexismus im Allgemeinen.»

In Luzern fehlt ein Konzept, wie Nachtschwärmer auf diese Themen sensibilisiert werden können, grösstenteils. Einzig im «Klub» des Luzerner Neubads ist an jeder Party auch ein sogenanntes Awareness-Team vor Ort, das sich unabhängig von jeglichem Sicherheitspersonal um das Wohlbefinden der Gäste kümmert (zentralplus berichtete). «Es ist so wichtig, dass jeder Club in Luzern sein eigenes, für den Ort und die Menschen passendes Konzept vorliegen hat», findet Addo.

Die Kultur soll die Gesellschaft spiegeln. Und das tue sie in Luzern derzeit leider einfach nicht zur Genüge, davon ist Addo überzeugt. Addo liebt Luzern für seine Offenheit, was neue, junge Formate und die Programmierung der Bühnen diesseits der Stadtgrenzen angehe. Gerade im Vergleich zu Städten wie Zürich, die sehr stark ihre eigene, manchmal etwas harte Linie fahren. Doch in Sachen gesellschaftliche Diversität und Vielfalt dürfte sich das lokale Kulturgeschehen von anderen Städten eine Tranche abschneiden. Addo setzt dazu das Messer an.

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13 Kommentare
  1. Cedric, 06.01.2022, 08:13 Uhr

    @Lovis, Caroline: Welche konkrete Aussage ist Ihrer Meinung nach rassistisch? Nur weil sich jemand gegen Vorwürfe wehrt, ist das doch nicht rassistisch. Ich würde das gerne verstehen.

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  2. Lovis, 06.01.2022, 00:42 Uhr

    Ach ach wenn die alten weissen Männer sich angegriffen fühlen beginnen sie wie wild um sich zu schlagen… Sorry dass sie das an dir auslassen Angie, statt sich selbst zu reflektieren. @Zentralplus, bitte löscht die rassistischen Kommentare! @Angie und alle Personen die sich da draussen für mehr Diversität und Fairness einsetzen: Danke ❤️ Auf eine starke, diverse Zukunft! 🔥

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  3. Caroline, 05.01.2022, 20:35 Uhr

    Wow, wie cool ist Frau Addo? Und können wir die unteren rassistischen Kommentare bitte löschen? Es steht ja genau oben, wie wichtig Diversität und ein safer space gegen Diskriminierung ist, dann könnte Zentralplus auch die Kommentarspalten safe behalten (das gehört imfall auch dazu, wenn ihr einen Artikel zu Diversität schreibt, sonst wirkt es eher performativ), danke!

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    1. Daniela Uebersax, 05.01.2022, 20:51 Uhr

      Finde die Frau cool, auch wenn ich nicht glaube, dass sich dies so rasch umsetzen lasse.
      Rassistische Kommentare habe ich hier keine gesehen. Wurden sie schon gelöscht?

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      1. Redaktion Redaktion zentralplus, 05.01.2022, 21:10 Uhr

        Nein, es wurden hier keine Kommentare gelöscht. Wenn wir bereits publizierte Kommentare löschen, vermerken wir dies seit diesem Jahr.

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  4. jamie, 05.01.2022, 18:54 Uhr

    Danke Frau Addo für ihre Arbeit. Es grüsst ein weisser Mann, der ihre Arbeit schätzt.

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  5. Oli, 05.01.2022, 12:51 Uhr

    So wichtig! Es ist schwierig, das zu hinterfragen, aber Menschen buchen oft Menschen, die sich ähnlich sind. Die Club-& Musikszene ist voll von weissen schweizer Männern& die Männer, die sie buchen, sind eigentlich schon die Quotenmänner. Das ist schon lange do& sehr langweilig. Deshalb müssen wir Diversität besonders fördern. Danke Frau Addo für alles!

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  6. Chiara, 05.01.2022, 11:12 Uhr

    So wichtig!! Danke Angela!

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  7. anouk, 05.01.2022, 11:01 Uhr

    Wunderbarer Artikel und wunderbare Arbeit Frau Addo. Danke! 🙂

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  8. Saskia, 05.01.2022, 09:02 Uhr

    Absolut richtig!!! Danke Angela für dein Einsatz! We love you

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  9. JR, 04.01.2022, 09:36 Uhr

    Wenn ich in gewissen Regionen in Südafrika im Ausgang war, war ich als «alter weisser Mann» auch in der Minderheit. Und es hat mich nicht einmal gestört!! Denn es war ja zu erwarten…
    Und wenn ich in eine Beiz gehe um ein Konzert zu hören, gehe ich wegen der Musik und nicht weil vielleicht jemand sexuell anders orientiert ist, oder farbig oder was weiss ich.
    Hört endlich auf mit diesem Diversity Quatsch, sondern verhaltet Euch einfach normal und diskriminiert niemanden. Wenn jemand gute Musik macht – sollen sie auftreten. Wenn jemand eine gute Jobqualifikation mitbringt – einstellen. Fertig. Quoten sind unnötig, ja sogar schädlich.

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  10. Paul Bründler, 04.01.2022, 08:44 Uhr

    Es gibt also erwünschte Menschen (Farbige, Frauen, Homosexuelle…) und unerwünschte (weisse Männer).
    Dieser Antirassismus ist, wie so vieles was mit «Anti» anfängt, einfach nur dasselbe in Grün.
    Es ist nichts anderes als der Rassismus der Moralisten und dient nur einem einzigen Zweck: Der Spaltung der Gesellschaft und der Legitimierung von Gewalt.

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  11. Hansjörg, 03.01.2022, 22:29 Uhr

    Luzern braucht einfach gute Musik. Ob sie von weissen Männern (gibt es übrigens einige in Luzern), Frauen oder Homosexuellen stammt, ist doch schnuppe. Gute Musik = Happy People. Ganz einfach.

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