Winterdienste: Zu einer «Salzkrise» soll es in Luzern nie mehr kommen können
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Schnee räumen und die Strasse ordentlich mit Salz «abschmecken». Der kantonale Winterdienst im Einsatz. (Bild: vif)

Trotz härterem Winter Winterdienste: Zu einer «Salzkrise» soll es in Luzern nie mehr kommen können

4 min Lesezeit 29.01.2021, 15:12 Uhr

So viel Schnee wie diesen Winter hatten wir seit Jahren nicht mehr. Für die Winterdienste bedeutet dies, dass sie tiefer ins Salzfass greifen müssen. Ganz so schlimm wie vor zehn Jahren – als man zur Not Meersalz importieren musste – ist es aber nicht.

Wenns schneit, wird Salz gestreut. Und zwar tonnenweise. In diesen Januarwochen ist bereits einiges an Schnee bis in die Niederungen gefallen – und die Strassen entsprechend mit reichlich Salz «gewürzt» worden.

Auf Anfrage von zentralplus bestätigt sowohl die Stadt wie auch der Kanton, dass bisher deutlich mehr Salz ausgetragen werden musste als im sehr milden Vorjahr. Zu Engpässen beim Streusalz sollte es aber nicht kommen – auch weil man aus der Vergangenheit seine Lehren gezogen hat.

Bereits das Doppelte an Salz gestreut

Die Stadt Luzern verfügte vor Einbruch der Wintersaison über rund 950 Tonnen Streusalz. Davon mussten bisher rund 420 Tonnen gestreut werden, wie Heinz Zurkirchen, Leiter der städtischen Werkdienste, auf Anfrage erklärt. «Zum Vergleich: vergangenen Winter mussten wir insgesamt nur 130 Tonnen streuen», so Zurkirchen.

Der aktuelle Winter scheint derweil noch längst nicht ausgestanden, dennoch geht Zurkirchen davon aus, dass es zu keinem Engpass kommen wird. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Stadt bereits reagiert hat. Nachdem eine gewisse Mindestvorratsmenge Streusalz erreicht worden war, habe sie aktuell bereits wieder 60 Tonnen nachbestellt.

Als der Monopolist nicht mehr liefern konnte, kam es zur Krise

Zu einer veritablen Salzkrise kam es vor genau 10 Jahren. Im Winter 2010/11 kam es schweizweit zu einem Salzengpass. Der Grund dafür lag beim Salzproduzenten. Die Rheinsalinen AG (heute Schweizer Salinen) kamen mit der Produktion damals an den Anschlag.

Das Problem: Alle Schweizer Kantone besitzen das sogenannte Salzregal, also das Monopol auf den Salzhandel innerhalb des jeweiligen Kantons. Die Kantone delegierten dieses Salzregal in den frühen 1970er-Jahren an die Rheinsalinen ab. Diese wurden dadurch zum einzigen Unternehmen, das in der Schweiz mit Salz handeln darf.

Als der einzige Produzent also nicht mehr liefern konnte, wurde um jedes freie Salzkorn gekämpft. In einer Aktion, die national für Schlagzeilen sorgte, besorgte sich die Stadt Luzern damals 200 Tonnen Meeressalz aus Italien, um sich durch den Winter zu salzen.

Die Rheinsalinen gerieten in der Folge unter Druck, war damals aber bereits dabei, eine neue Lagerhalle mit einer Kapazität von über 100’000 Tonnen Salz zu erstellen. Seither ist es zu keiner Schweizer Salzkrise mehr gekommen.

Kanton: 6’700 Tonnen gestreut

Auch Andreas Heller, Abteilungsleiter des kantonalen Strasseninspektorats, geht nicht davon aus, dass es nochmals zu einem Engpass wie vor 10 Jahren kommen kann. Selbst in einem intensiven Winter, wie dem aktuellen. Der Kanton bestellt denn auch laufend beziehungsweise nach Bedarf Salz nach. Vor dem Wintereinbruch standen rund 5’200 Tonnen Salz zur Verfügung. Davon sind rund 1’200 Tonnen als strategische Reserve in einem «Notfall-Depot» im Raum Sursee gelagert.

«Wir gehen davon aus, das wir heuer rund 70 Prozent mehr streuen müssen als im Vorjahr.»

Andreas Heller, Abteilungsleiter des kantonalen Strasseninspektorats

Im aktuellen Winter musste der Kanton bereits um die 6’700 Tonnen Streusalz austragen, wie Heller erklärt. «Man muss dabei bedenken, dass wir neben den eigenen 500 Kilometern an Kantonsstrassen auch noch rund 140 Kilometer an Nationalstrassen abdecken müssen. Letzteres beinhaltete auch jene Abschnitte in Ob- und Nidwalden sowie Zug.»

Besonders intensiv war die Woche zwischen dem 11. und 17. Januar gewesen, berichtet Heller. Alleine in diesen sieben Tagen mussten rund 2’000 Tonnen Salz ausgestreut werden. «Wir gehen davon aus, das wir heuer rund 70 Prozent mehr streuen müssen als im Vorjahr», so Heller.

Und so funktionierts

Bleibt die Frage, wie das mit dem Salz überhaupt funktioniert. Falls eine Strasse bereits vereist ist, hilft das Streusalz dabei, dieses aufzutauen. Fällt das Salz nämlich auf den Wasserfilm der obersten Eisschicht, beginnt es sich aufzuspalten. Dieser Vorgang sorgt dafür, dass kontinuierlich Wassermoleküle aus dem Eis herausgelöst werden und dieses so schmilzt.

Ist die Strasse noch nicht gefroren, sondern lediglich nass, so bewirkt das Streusalz, dass der Gefrierpunkt des Wassers sinkt. Statt bei null Grad bildet sich auf einer gesalzenen Strasse erst bei wesentlich tieferen Temperaturen – abhängig von der Menge an Salz – Eis.

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