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Wieso gibt es hier keinen Velostreifen?
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Die Einsatzkräfte stellten ein Sichtschutzzelt auf, davor das Velo der Verunfallten. (Bild: lru)

Tödlicher Velounfall in Luzern Wieso gibt es hier keinen Velostreifen?

3 min Lesezeit 4 Kommentare 01.04.2016, 19:32 Uhr

Am Schweizerhofquai, wo am Donnerstag eine Velofahrerin verunglückte, gibt es kaum Platz für Velos. Pro Velo hat Ideen, wie man die Stelle sicherer machen könnte. So schnell dürfte sich aber nichts ändern.

Wer in Luzern mit dem Velo unterwegs ist, kennt das Problem: Man fährt bequem und sicher auf einem Velostreifen, bis sich die Strasse verengt. Dann endet der Streifen oft und man findet sich zwischen Autos wieder.

Auch am Schweizerhofquai, wo am Donnerstag eine junge Velofahrerin überfahren wurde (zentralplus berichtete), gibt es keinen Velostreifen. Der Streifen endet rund 30 Meter vor der Unfallstelle, Velofahrer geraten zwischen Bushaltestelle und Autospur. Auch wenn noch nicht klar ist, was im konkreten Fall genau passiert ist: Mit einem Velostreifen wäre der Abschnitt für Velofahrer sicherer.

So präsentierte sich die Situation am Schweizerhofquai (Bild: Google Maps/Montage zentralplus).

So präsentierte sich die Situation am Schweizerhofquai (Bild: Google Maps/Montage zentralplus).

Viele Velostreifen enden vor Haltestellen

Pro Velo Luzern bemängelte das bereits 2011. Bei der Umgestaltung des Schweizerhofquais schrieb Präsident Nico van der Heiden damals im Mitgliedermagazin von Pro Velo: «Leider sind die Velospuren in beide Richtungen nach wie vor nicht durchgehend, sondern münden jeweils in die Bushaltestellen.»

Das sei ein generelles Problem in Luzern, sagt van der Heiden, der auch für die SP im Grossstadtrat sitzt, heute: «Viele Velostreifen hören vor der Bushaltestelle auf.» Wenn dort gerade ein Bus stehe, müsse man mit dem Velo auf die Autospur ausweichen, was zu gefährlichen Situationen führe.

So häufig waren Velofahrerinnen und Fussgänger in der Stadt Luzern Opfer von Unfällen (Grafik: Stadt Luzern).

So häufig waren Velofahrerinnen und Fussgänger in der Stadt Luzern Opfer von Unfällen (Grafik: Stadt Luzern).

Soll man die Verkehrsinsel verkleinern?

Wieso gibt es aber dort keinen Velostreifen? Man habe das bei der Umgestaltung geprüft, sagt Martin Urwyler, Projektleiter Mobilität bei der Stadt Luzern. Aber: «Bei der Haltestelle Luzernerhof hat es keinen Platz für einen Velostreifen.»

Auch Pro Velo sieht das ein. Nico van der Heiden will deshalb momentan nicht aktiv werden: «Wird der Schweizerhofquai dereinst wieder einmal umgestaltet, könnte man die breite Verkehrsinsel schmaler machen, um so Platz für einen Velostreifen zu schaffen.» Eine solche Umgestaltung ist derzeit nicht geplant.

… oder eine Autospur aufheben?

Es gäbe jedoch auch einen günstigeren und einfacheren Weg, um Platz für einen durchgehenden Velostreifen zu schaffen, schlägt van der Heiden vor: «Man könnte eine Autospur aufheben.» Wolle man die Unfallstelle für Velos sicherer machen, würde ein Spurabbau zwar Platz für Radverkehrsanlagen schaffen, meint Martin Urwyler von der Stadt Luzern.

Allerdings müsse man dann mit Rückstaus rechnen, so Urwyler: «Wenn man bei so grosser Verkehrsmenge eine Spur abbauen möchte, erwarte ich relativ grosse Widerstände. In den Stosszeiten stockt der Verkehr schon heute.» «Die Kantonsregierung würde dem nicht zustimmen», glaubt auch Nico van der Heiden. Man wolle deshalb keinen Vorstoss starten.

Ändert sich an der Situation am Schweizerhofquai vorderhand also gar nichts? Nicht ganz. «Wie bei allen schweren Unfällen, werden wir die Unfallursache untersuchen», sagt Martin Urwyler. Dort prüfe man, ob es zwischen dem Unfall und der Infrastruktur einen Zusammenhang gebe und man etwas optimieren könne. «Aber dafür ist es noch zu früh, zuerst brauchen wir die Fakten.»

Am Donnerstag erreignete sich am Schweizerhofquai ein schwerer Unfall: Eine junge Velofahrerin kam dabei ums Leben.

Am Donnerstag erreignete sich am Schweizerhofquai ein schwerer Unfall: Eine junge Velofahrerin kam dabei ums Leben.

(Bild: lru)

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4 Kommentare
  1. Markus Bucher, 05.04.2016, 09:39 Uhr

    Zweifellos ist Luzern ein heisses Pflaster für Velofahrer. Selber habe ich diese Erfahrung vor Jahren auch schon gemacht, als ich gelegentlich mit dem Velo von der Büttenen in die Neustadt pendelte. Gezielte und finanzierbare Verbesserungen für den Langsamverkehr sind deshalb bestimmt angebracht. Die Anregungen von Dani Galliker sind aber kaum realistisch und basieren etwas sehr auf der aktuellen Politik des Stadtrates (Borgula), welcher ziemlich einseitig nur auf öV und Velos setzt. Zudem: Wird das Geld für den Strassenverkehr wirklich so ungerecht verteilt? Meines Wissens zahlen Velofahren keinen Beitrag an die Strassenkosten. Meist werden sie auch nicht einmal bei offensichtlicher Schadenverantwortung aufgrund grobfahrlässigem Fehlverhaltens und Verletzung der Verkehrsregeln zur Kasse gebeten. Forderungen sind immer sehr leicht gestellt, solange man selber nichts bezahlen muss.

  2. Junker Janine, 05.04.2016, 09:14 Uhr

    In einem Kommentar im Fernsehen wurde angesprochen, wer jeden Tag Velo fährt der kennt die gefährlichen Stellen und kann sie besser fahren. (z.B. Velokurier, fährt gefährlich für sich und andere Velofahrer!)
    Ich fahre jeden Tag und passen mein Fahren, dem motorisierten Verkehr, auch den Busen an. Denn Rücksicht wird nicht genommen, sondern im Gegenteil. Die Stadt hat behauptet, durch Massnahmen mit neuen Velospuren, das Fahren sicher zu machen.
    Daher ist es am Bundesplatz gefährlicher geworden, beim Schweizerhof über die Fahrbahn als Velo einspuren, Gegenverkehr zu den Autos (Bruchstrasse, Winkelriesstrasse, Busse stehen beim Schwanenplatz Richtung Maihof (versperren den Velostreifen beim Quai) über den Bahnhofplaz zu fahren ect.

  3. Daniel Galliker, 04.04.2016, 13:21 Uhr

    Ich fahre jeden Tag über die Seebrücke und gerate fast jedes mal in gefährliche Situationen, in denen ich als Radfahrer gegenüber dem motorisierten Verkehr auf mein Vortrittsrecht verzichten muss oder ganz einfach abgedrängt werde.
    Eine Besserung brächte nur eine konsequente Gleichberechtigung zwischen Langsamverkehr und dem motorisierten Verkehr. Wo Platz fehlt muss Platz geschaffen werden. Warum nicht Velobrücken (z.B. über den See) oder Über- oder Unterführungen bauen? Warum wird das Geld für den Strassenverkehr so ungerecht verteilt?

  4. Werner Raymond Duss, 02.04.2016, 11:09 Uhr

    In Luzern würde ich niemals freiwillig Velofahren. Ich bin doch nicht lebensmüde. Umweltschutz hin oder her. Meine Sicherheit ist mir wichtiger. Wer schon mal in München oder einer anderen velofreundlichen Stadt war, weiss was ich meine.

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