Wieso die Zuger Regierung das Notspital nicht aktivieren will
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Nicht die Spitalbetten sind in der Coronapandemie rar, sondern das Personal und zeitweise das Schutzmaterial. (Bild: mam)

Trotz Coronakrise bestehe kein Bedarf Wieso die Zuger Regierung das Notspital nicht aktivieren will

3 min Lesezeit 07.12.2020, 17:55 Uhr

Der Zuger Regierungsrat will das «geschützte» Spital in Baar nicht wieder aktivieren. Denn in einer Pandemie wie der aktuellen bringe eine unterirdische Anlage nichts. Mangel herrscht zudem nicht bei den Betten.

In Krisenzeiten muss die medizinische Versorgung gewährleistet sein. Das führt uns die aktuelle Coronapandemie schmerzlich vor Augen. Und zeigt laut drei Zuger CVP-Politikern, dass der Kanton ein Notspital braucht. Konkret verlangen Kurt Balmer, Jean Luc Mösch und Roger Wiederkehr, dass das sogenannt geschützte Spital in Baar wieder aktiviert wird (zentralplus berichtete).

Unter dem dortigen Parkhaus stand früher eine Einrichtung für den Fall bereit, dass beispielsweise ein Krieg das oberirdische Kantonsspital zerstören würde. Doch seit mehreren Jahren ist die geschützte Operationsstelle inaktiv, das heisst, nicht mehr innert kurzer Zeit betriebsbereit. Sie wird heute als Garderobe und Archiv genutzt (zentralplus berichtete).

Regierung sieht keinen Bedarf für Notspital

Und das wird es bleiben, wenn es nach dem Zuger Regierungsrat geht. Es bestehe kein Bedarf nach einem «aktiven» geschützten Spital, schreibt er in seiner Stellungnahme auf das Postulat. Daran ändere auch die Coronakrise nichts – ja mehr noch: «Wegen ihrer unterirdischen Bauart würden solche Spitäler die Ausbreitung von Krankheitserregern geradezu fördern. Durch die Lüftungssysteme würden alle Personen in der Schutzanlage innert kurzer Zeit mit dem Virus angesteckt.» 

So sieht die Garderobe in der geschützten Operationsstelle in Baar aus. (Bild: zvg)

Die unteridischen Spitäler dienen laut Regierung in erster Linie dem Schutz vor kriegerischen Ereignissen, vor allem einer Bombardierung aus der Luft. Bei einer Pandemie wie der aktuellen würde ein geschütztes Spital folglich keinen Beitrag an die Versorgungssicherheit leisten, so das Fazit der Regierung. Und ins Geld gehen: Die Kosten für die Wiederherstellung des Notspitals beziffert der Regierungsrat auf rund zehn Millionen Franken.

«Der limitierende Faktor in der COVID-19-Pandemie waren das spezialisierte Personal und zeitweise gewisse Schutzmaterialien und Medikamente.»

Zudem sei auch nicht die Zahl der Betten das Problem bei der Coronakrise, sondern «das spezialisierte Personal und zeitweise Schutzmaterialien und Medikamente». Bei Bedarf hätte man auf Spitalbetten der Andreasklinik in Cham, der Reha-Klinik Adelheid oder des Luzerner Notspitals in Nottwil ausweichen können.

Zug erfüllt die Vorgaben – knapp – nicht

Der Regierungsrat räumt zwar ein, dass der Kanton derzeit nicht genügend Plätze in geschützten Spitälern bereit stellt. Der Bund solche für mindestens 0,6 Prozent der Wohnbevölkerung vor – im Kanton Zug wird diese Vorgabe nach der Aufhebung der geschützten Sanitätsstelle in Cham Ende 2018 mit 0.52 Prozent knapp unterschritten. Innert der nächsten zehn Jahre werde ein allfälliger Ersatzstandort geprüft, so der Regierungsrat.

Sollte das Kantonsspital in Baar ausfallen, bräuchte Zug ein Notspital, fordern drei CVP-Kantonsräte.

Allerdings ist zurzeit nicht klar, ob der überhaupt benötigt wird. Denn eine Projektgruppe von Bund und Kantonen geht derzeit der Frage nach, wie viele Spitalbetten und geschützte Betten die Schweiz zukünftig braucht und wie die Zusammenarbeit unter den Kantonen im Krisenfall im Gesundheitswesen aussieht. Fragen, die aufgrund der Coronapandemie eine unerwartete Aktualität erlangt haben. Die Begleitgruppe wird ihrem Bericht mit Empfehlungen voraussichtlich nächsten Frühling abliefern.

Anschliessend und gestützt darauf will der Kanton Zug die Situation neu analysieren und über eine allfällige Aufstockung entscheiden. Eine vorzeitige Inbetriebnahme des geschützten Spitals sei darum nicht zielführend, so die Regierung. Der Kantonsrat wird voraussichtlich nächste Woche über den Vorstoss diskutieren.

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